Thera heute

Es ging natürlich um die Klinik, was ich da mitgenommen hab, was nicht gut war und im Endeffekt dann ums differenzieren.

Das hatte mir in der Klinik ja gefehlt. Ja es gibt Vermeidungsverhalten – auch nicht zu knapp. Aber bei den Gruppen ist es nicht nur das und an anderen Stellen auch nicht.

Das selbe gilt für Krankheitsgewinn – wobei da deutlich weniger da ist, als die immer behaupteten.

Es war irgenwie schwarz-weiß – nur entweder komplett und mit allem – oder eben nicht. Nur dass es nicht so einfach ist.

Und dass ich gemerkt hab – bis vor zwei Wochen war mir dsa auch klar, konnte ich gut differenzieren – trotz dem äußeren schwarz-weiß-Denken. Aber in den letzten Wochen kamen immer mehr Zweifel.

Nicht daran, ob sie recht hätten, sondern daran, ob ich meinem Gefühl – trauen kann. Es bediente alte Muster, es bedienter einen Täterintrojekt-Komplex und ich merkte, dass mir das differenzieren immer schwerer fiel.

Auch weil kein Raum für da war – ich das Gefühl hatte so sehr dafür kämpfen zu müssen, dass es eben nicht immer nur schwarz und weiß gibt, dass ich selbst das grau nicht mehr klar definiert bekam – es – verschwamm, wurde zu „einer“ Farbe, statt zu einer Farbpalette.

Ein bestimmer Komplex an Widersachern/Täterintrojekten, der für mich eigentlich klar ist, wurde immer schwieriger in seine Schranken zu weißen, weil er sich auf Aussagen von „Fachleuten“ berief. Aussagen, die ich in der Klinik immer wieder zu hören bekam und so sehr auch bis heute das Gefühl klar sagt: hier und hier stimmt es, hier und hier aber überhaupt nicht – so sehr fing ich an diese Gefühle in Frage zu stellen.

Das war heute Thema, dass es ja nicht darum geht, dass das Gefühl sich verändert hätte, sondern darum, dass ich es in Frage stelle, ihm nicht traue.

Wir versuchten dann ganz konkret an Beispielen einfach zu – differenzieren. Wo könnte was dran sein, so ist es auch ganz klar so und wo eben nicht.

Das war gut und wichtig.

Bis wir dann zu einem Punkt kamen – den wir vorher auch hatten – aber der Thera nachfragte. Es ging um den Blog – was er für mich ist usw.

Er fragte dann nach ob es da wirklich um Krankheitserhaltung geht oder ob es auch was gibt, was gut tut und mich auch weiter bringt.

Seine Frage war so gestellt, dass ich eben auch aussprechen sollte, dass es nicht um Erhaltung geht, sondern um Reflektion, Dokumentation, auch mal Luft machen und dass ich ja auch von euch Lesern immer wieder mal einen Tipp bekomme, den wir dann in der Thera auch gut und sinnvoll umsetzen konnten.

Es war diese Frage, dieses hinsehen, gesehen werden und eben – differenzieren. Im ersten Moment wusste ich nicht recht was los war – zu viel Gefühl, zu viel Tränen, zu sehr um Fassung ringen.

Da kam einfach einiges zusammen – dass mal wirklich jemand auch sieht und interessiert ist auch daran – zu differenzieren, dass es ok ist, dass ich einfach sein kann – ohne Druck, aber auch der massive Druck der da war – und ist. Dass ich den grad gar nicht wirklich los lassen kann, weil er grad alles noch zusammenhält.

Da war so viel Druck, so viele Tränen, so viel Gefühlsmischmasch, dass in diesem Moment kaum noch handhabbar war und mir bewusst machte, warum auch ich den Druck aufrechterhielt: weil er den Decken auf das Gefühsfass drückte. Das Fass so voll, dass es viel Druck braucht um den Deckel drauf zu halten.

Dazu das Gefühl des – sein dürfen – und auch des erwünscht seins. Das hatte ich die letzten Wochen nämlich in der Klinik nicht mehr – es war eher ein sich Zeit erkämpft haben, aber gefühlt auch ein „eigentlich wollen die ich hier nicht mehr haben“. Das mag Interpretation sein – keine Ahnung.

Das erklärt auch, warum für mich mit immer mehr Druck, immer weniger bei mir sein möglich war – es ja doch immer wieder nur ums nach außen funktionieren ging. Wahrscheinlich wäre ich zusammengeklappt, wenn dieser Druck plötzlich rausgenommen worden wäre.  Aber das sind was wäre wenn Fragen – die bringen mich auch nicht weiter.

Es fing schon an als ich auf den Thera wartete – und er, als er kam, sagte: Schön, dass Sie wieder hier sind. Und zwar so, dass das auch ankam, es war ehrlich.

Das Gefühl, dass einfach wirklich Interesse da ist zu verstehen und auch die graue Farbpalette sowohl sein darf, aber vor allem auch gesehen und genutzt wird. Dass auch klar ist, dass es die gibt – und ein hinschauen wo ist wie viel von was – auch Sinn macht.

Es geht nicht darum, dass ich recht kriege, aber dass etwas da sein kann und an anderer Stelle aber auch klar nicht da sein kann. Dass es Vermeidungsverhalten gibt – die ganzen Automatismen, die Gefühlsausdruck blockieren gehören da rein, aber dass das nicht automatisch bedeutet, dass es bei Gruppen genauso ist.

Und es gab einen Raum für die Zweifel, für das „ich weiß grad gar nicht was ich diesem Komplex entgegensetzen soll, was ich dem verbal entgegen könnte“, dass ich selbst anfing immer weniger Grau-Töne zu sehen und gleichzeitig wusste – sie sind dennoch da und haben nach wie vor ihre Gültigkeit.

Es ging auch um den Kurzarztbrief. Darin geht es darum, dass dringend empfohlen wird das Helfernetzwerk zu reduzieren.

Damit hatte ich den Termin angefangen. Und es hatte erstmal ein irritiertes Kopfschütteln des Theras zur Folge. Ja ich hab viel Hilfe. Hilfe die ich brauche.
Hilfe, bei der wir immer wieder mal schauen, was davon noch nötig ist. Bei der ambulanten Betreuung ist es ja so, dass wir durchaus auch Situationen ausprobieren – also auch beim Einkaufen mal schauen, dass ich alleine im Laden bin, er draußen im Auto wartet oder ähnliches.

Wenn das mit dne Terminen klappt – komme ich ja auch mal eine Woche ohne klar. Das war vor gut einem Jahr noch anders – da klappten ja auch die Termine nicht.

Für mich ist es eh schon schwierig diese Hilfe anzunehmen.  Ja ich hab sie und ich nutze sie – und ich bin sehr froh darüber. Aber im Moment fällt es mir sehr schwer. Ich hatte sehr große Probleme meinen ambulanten Betreuer anzuschreiben, ob er ab dieser Woche die Termine wieder machen kann.

Das ist etwas, was aktuell durch den Aufenthalt deutlich schlechter ist als davor – die Anspannung, die Schuldgefühle, Scham und Versagensgefühl – weil ich die Hilfe brauche. Das Niedermachen, weil ich es nicht alleine hinkriege, das Reduzieren der Hilfe auf das Minimum.

Auch das haben wir heute angeschaut. Da werden wir wohl noch den einen oder anderen Termin mit verbringen.

Was besser klappt ist andererseits Grenzen wahrzunehmen und auch dafür einzustehen. Zumindest dann, wenn ich dem Gefühl auch traue.

Mir ist im Termin einiges klarer geworden. Erstmal müssen wir schauen, wie ich den Druck rauskriege – den mach ich mir ja selbst. Wobei es da für mich halt auch ums funktionieren geht.

Insofern ist vielleicht gar nicht schlecht, dass in den nächsten Tagen nicht viel außer Haus ansteht – ein auch irgendwie gezwungen sein es mit mir selbst auszuhalten. Mit mir und nicht nur mit der Fassade nach außen.

Nach wie vor glaube ich, dass die Klinik an sich nicht schlecht ist. Dass bei mir einfach ungünstige Umstände zusammentrafen, die das so laufen ließen wie es halt lief. Dass es in der Kostellation, die ich dort hatte, für mich nicht funktionieren konnte, es anders gelaufen wäre, wenn andere Therapeutin oder Oberärtzin gewesen wäre.

Es passte einfach nicht. Von mehreren Seiten – und dieser Konstellation durchaus auch von meiner Seite her.

Ich konnte die Umstände auch benennen, die sind für ich klar. Ob ich die hier mal aufschreibe – weiß ich nicht. Aktuell hab ich dazu zu wenig Distanz. Aber mir ist wichtig, dass sie für mich klar sind und aus Sicht meines Theras auch – verständlich.

Es war ein guter Termin, ein sehr intensiver und teilweise aufwühlender, aber auch an vielen Stellen klärender.

Ich bin heilfroh, wieder daheim zu sein – und auch dass das mit der ambulanten Therapie so schnell weitergeht.

Erschreckt hat mich, dass das Interesse und das gesehen werden – so viel auslöste. Mir wurde einiges erst im Nachhinein klar, Dinge, die mir während ich noch dort war, nicht auffielen. Und ich hab die Befürchtung, dass da noch einige andere dazu kommen werden.

Es ist nicht grad angenehm da hinzuschauen und noch unangenehmer, die eigenen „Fehler“ dabei zu sehen. Aber mir ist das wichtig und ich glaube auch dass es nötig ist, damit ich mit dem Aufenthalt irgendwann abschließen kann.

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3 Antworten auf Thera heute

  1. Ingrid, die Bastelmaus sagt:

    Ich glaube ,Du hast doch einiges für DICH erreicht, liebe Ilana.
    Kämpfe bitte weiter und dazu wünsche ich Dir von Herzen ganz viel Kraft. Es darf doch nicht alles umsonst gewesen sein!!!!
    Liebe Grüße und ganz viele gute Wünsche sendet Dir von Herzen
    INGRID

    • Ilana sagt:

      Natürlich hab ich Sachen mitgenommen! Im Moment geht es eher darum, dass ich es (noch) nicht schaffe mich dem zu stellen, was eben nicht ging. Ich bin mit großen Hoffnungen da hin gefahren und die wurden nicht erfüllt.
      Diesen Gefühlen, die das auslöst, muss ich mich stellen.

      Aktuell geht es darum das zu klären und vor allem zu differenzieren. Es war dort vieles von Klinikseite sehr schwarz weiß – alles Vermeidungsverhalten oder krankheitserhaltend usw. Da gibt es sicher Anteile, aber eben nicht alles und eigentlich weiß ich, dass ich an diesem Punkt meinem Gefühl durchaus trauen kann, dass da Grenzen sind und es gut war, dass ich dafür gekämpft habe. Aber das Vertrauen in das Gefühl, das ist leider in den letzten Wochen arg ins Wanken geraten und ich merke, dass ich auch weniger differenziert kriege wo was stimmt und wo eben nicht.

      Das muss ich jetzt nachholen – mich ann auch der Enttäuschung, Traurigkeit und was sonst noch da ist stellen – damit das, was ich auch erreicht habe für mich auch genug Raum bekommt.

      Es ist also grad einfach ein sortieren und umgehen lernen damit, was eben war – sowohl im Guten als auch im Schlechten.

      Damit das Schlechte nicht irgendwann das Gute schluckt und alles nur noch schlecht war – weil es so einfach nicht war.

      Das was ich wollte, hab ich dort nicht erreicht – nicht mal ansatzweise, aber an anderen Stellen ist schon einiges passiert. Das muss ich für mich jetzt auseinander klamüsern und aufarbeiten. Aber das hätte ich so und so gemusst.

      Im Moment merk ich halt wie viel Druck da war – von außen und von innen – und dass es sehr viele Gefühle ausgelöst hat, die – da es ja immer irgendwas zu kämpfen gab – dort auch keinen Raum hatten und daher brav weiter in ein eh schon volles Fass gesteckt wurden.

      Der Druck (von mir) hält da grad den Decken drauf und wir müssen schauen wie wir das hinbekommen. Aber ich bin da auch zuversichtlich, dass ich das zusammen mit meinem Thera schaffe.

  2. ayla stern sagt:

    Hallo Ilana,

    mich erinnert das, was du schreibst doch sehr an meine letzten beiden Klinikaufenthalte und ich wünsche dir sehr, dass du das Sortieren gut hinbekommst und deinem Gefühl wieder trauen kannst. Viel Kraft für das sich-stellen können und das umgehen mit den nicht erfüllten Hoffnungen und enttäuschungen.
    Liebe grüße von mir.

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