Klinik Tag 51

Ich bin einfach müde. Die Luft ist raus. Es ist kein Vertrauen mehr da, dafür ist einfach zu viel passiert.

Im Moment weiß ich nicht, ob da auch Enttäuschung da ist oder so – es überwiegt einfach die Müdigkeit.  Da wird sicher auch Ärger, Enttäuschung, Traurigkeit und viele Zweifel da sein, aber ich nehme die grade nicht wahr.

Will sie auch nicht wahr nehmen. Nicht mehr, nicht hier. Dafür fehlt mir die Basis und wenigstens ein Ansatz von Vertrauen oder zumindest der Wunsch oder Wille, das Vertrauen wieder aufzubauen. Auch der ist weg.

Es ist nicht Hoffnungslosigkeit, eher eine Art Resignation, wobei der Begriff für mich auch nicht stimmig ist. Vielleicht eine Art Akzeptanz, dass ich das hier nicht so nutzen konnte, wie ich es mir gewünscht hätte. Ohne Wertung. Es ist wie es ist.

Einen Punkt an der Sache verstehe ich, kann ich auch nachvollziehen. Dass ich die Sachen hier schreibe und sie doch in die Therapie hier gehören. Nicht im Sinne von „geht niemanden was an“, sondern als Thema, als Inhalt.

Und auch, dass ich natürlich hier von euch Lesern Unterstützung bekomme, dass – grade die, die länger mitlesen – vielleicht auch eher verstehen oder sehen können, welche Anstrengungen das hier für mich sind. Sei es nun Speisesaal oder auf Frauen einlassen usw.  Natürlich sehe ich auch das ja durchaus Parteiische – das Mitgefühl, Aufmuntern oder auch die Empörung, weil was blöd lief. Wobei es ja nicht nur das ist – ich bekam und bekomme ja – Gott sei Dank! – auch Rückmeldungen, die einen anderen Denkansatz mit rein brachten, wenn auch eher dann als mail.

Ja – es wäre vielleicht anders gelaufen, wenn ich das alles auch ins Einzel mitgenommen hätte. Aber ehrlichgesagt weiß ich nicht wie. Das alles erzählen hätte den Termin gefressen. Zumal es für mich ja beim Schreiben auch oft darum geht etwas für mich zu klären. Das einzige was ich mir hier vorstellen könnte ist, dann einfach die Beiträge auszudrucken und lesen zu lassen. Aber auch da ginge viel Zeit dann eben für die Leserei drauf.

Aber ich kann verstehen, dass das eigenartig anmutet. Widersprüchlich ankommt – hier doch sehr offen und  in der Klinik vorsichtig und deutlich weniger offen. Da ist egal, dass dafür durchaus Gründe gibt und mir diese auch bekannt sind. Es ist eine – weitere – Diskrepanz.

Wie gesagt – es ist jetzt für mich wie es ist, ich hab damit erstmal meinen Frieden gemacht und richte mein Augenmerk auf die Zukunft, auf die Tage, die ich noch hier bin, auf die Termine, die ich nutzen kann und möchte und auf die erste Zeit zu Hause. Darauf wie ich es für mich jetzt gut gestalten und auch zu einem guten Ende bringen kann.

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