Klinik Tag 50

Mir wurde heute gesagt, dass ich nicht weiter hier im Blog schreiben soll/darf, solange ich hier bin. Es wäre grenzüberschreitend und für einige Mitarbeiter hier nicht in Ordnung.

Im Moment weiß ich noch nicht wie ich es hier gestalten werde. Klar ist – gar nicht schreiben ist für mich keine Option.

Aber: ich werde nicht mehr über die Termine hier schreiben oder mit wem ich – zumindest vom Personal her – zu tun hatte – auch nicht allgemein. Aber ich möchte für mich schon weiter dokumentieren.

Dazu hab ich zwei Möglichkeiten – entweder ich schreibe es mit einem Passwortschutz, gebe das Passwort aber niemanden raus oder ich schreibe es so oberflächlich und ohne andere Personen (zumindest die hier arbeiten) zu erwähnen.

Die erste Möglichkeit würde euch Leser ausschließen – zumindest für 2 Wochen. Und ehrlichgesagt möchte ich das nicht so ganz. Die meisten von euch begleiten mich länger als ich hier bin und es wäre so gänzlich gegen den Sinn eines Blogs.

Die zweite Möglichkeit ist glaub ich schwierig. Klar kann ich die Termine weglassen, aber das was in mir passiert, passiert ja durchaus auch wegen Kontakt zu jemanden – das macht Therapie zum Teil aus. Ich weiß nicht, ob ich dann verständlich bleiben kann. Gleichzeitig fürchte ich, dass mir dadurch das Blog schreiben ziemlich vermiest wird.

Im Moment tendier ich zu einer Mischung aus den beiden.

Wenn ich ehrlich bin, verstehe ich diese Reaktion nicht so ganz. Aber ich akzeptiere sie.

Mehr Schwierigkeiten hab ich damit, dass meine Blogadresse ans Team weiter gegeben wurde. Das fördert nicht grade mein Vertrauen und finde ich wiederum grenzüberschreitend. Aber nun denn.

Damit wird es für mich hier während meines Aufenthaltes sowieso ungemütlich werden.

Ich habe mich gegen die Traumaexposition entschieden, weil ich denke, dass die Umstände – und Anzahl der möglichen Termine – dafür nicht ausreichen und für mich das Risiko, dass ich dann mit offenem Fass nach Hause fahren muss viel zu groß ist.

Im Moment weiß ich nicht recht, was ich dann hier jetzt machen soll, was es mir noch bringen könnte. Vor allem, wenn es inhaltlich jetzt wieder auf eine theoretischere Ebene gehen wird.

Ich muss auch schauen wie ich es zu Hause gut organisiert bekomme.

Es ist nicht so, dass etwas passiert wäre und ich hier nur noch weg will, sondern dass ich mich grade ernsthaft frage, was in diesen 2 Wochen und unter den Umständen, die in dieser Zeit gegeben sind, für mich klären oder erreichen könnte. Besser oder anders, als ich es auch ambulant könnte.

Oder ob die Umstände für mich sogar mehr Aufwand als Möglichkeit werden. Das werde ich die nächsten Tage für mich (und in Absprache mit hier) klären.

 

Ich möchte mich an dieser Stelle noch gezielt an das Personal hier wenden:

Es tut mir leid, wenn ich jemanden gekränkt habe oder ähnliches. Ich hab mir immer Mühe gegeben, niemanden namentlich zu nennen oder so, dass er erkannt wird. Es ging mir auch nicht darum jemanden an den Pranger oder bloß zu stellen.

Für mich ist das hier (und zwar schon viele Jahre – seit August 2009 – und nicht nur diese Wochen jetzt) – ein (Therapie-)Tagebuch. Es geht um mich, wie Dinge für mich sind, ankommen, aber auch um mir mal Luft zu machen oder Dinge loszuwerden.

Beim Schreiben klärt sich für mich oft vieles. Es gehört für mich dazu und ist auch ein Stück weit Therapie und definitiv eine Ressource.

Der Blog ist mein Tagebuch, es geht darum wie es mir geht, was sich tut, wie es ist – im Alltag – mit Einschränkungen, Hilfen, Freud und Leid. Weil das alles zum Alltag dazugehört.

Es ist auch Skill und ein Ventil – das Schreiben hilft mir zu sortieren, hinterfragen, reflektieren – einfach mal loswerden und damit überhaupt Raum für andere Sichtweisen zu schaffen.

Über die Zeit geht es für mich auch darum zu dokumentieren, was hab ich erreicht, was hat sich geändert, welche Themen sind auch noch nach Jahren immer wieder da, welche Bewältigungsstrategien hab ich und welche gab es früher – was hat sich schlicht in den Jahren getan. Was hat geholfen, was weniger.

Und solange ich in der Klinik bin, geht es eben auch um die Klinik und die Termine, die ich habe – ebenso wie die Kontakte. Da ich vom Personal jetzt nicht so viel Kontakt habe (zumindest in der Art, dass er dann hier als Termin auch Eingang findet im Blog), finde ich schade, dass das jetzt hier plötzlich so Thema und Problem wird.

Von meinen Lesern weiß keiner einen Namen. Es gibt viele Therapeutinnen, viele Ärztinnen, viele Mitarbeiter in vielen Bereichen in diesem Haus, das muss schon ein Insider sein, der dann Zusammenhänge erkennen kann. Ein Insider, der auch genau weiß mit wem ich wann wieviele Termine hatte. Mir war immer wichtig, da keine Namen (auch keine Spitznamen!) zu nennen.

Von den Mitpatienten hat keiner die Blog-Adresse bekommen – so dass auch hier die Anonymität gewahrt ist.

Darauf hab ich geachtet und es tut mir leid, wenn das nicht ausreichend war oder sich jemand dadurch verletzt fühlt. Das war und ist nicht meine Absicht.

 

Nachtrag: Ein hin und her in den Kommentaren würde die Situation nur noch mehr aufheizen, daher sperre ich diesen Beitrag für Kommentare und möchte meine Leser auch bitten, auch nicht bei anderen Beiträgen hierzu einen Kommentar zu hinterlassen.

Es ist jetzt wie es ist. Ich werde für mich schauen wie ich es in den nächsten 2 Wochen handhaben werde. Sollte ich mich für Passwort entscheiden, werde ich es mit Passwort³ markieren, dieses Passwort werde ich nicht rausgeben. Ob die Beiträge freigeschalten werden, wenn ich wieder zu Hause bin, weiß ich nicht. Das muss ich erst hier mit den Leuten auch klären.

 

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