Klinik Tag 49

Als ich mich für die Klinik entschied, hatte ich auch gleich diesmal die Tage durchnummeriere. Einfach weil es so anders läuft und für mich mein eh schon nicht vorhandenes Zeitgefühl da noch mehr durcheinander gerät.

Jeden Tag, wenn ich dann schreibe, wie lange ich schon hier bin, bin ich überrascht. So lange schon?

Morgen sind es schon 50 Tage.

Heute hatte ich außer Gesprächs-Einzel keinen Termin. Und ehrlichgesagt war ich sehr nervös. Weil ich nicht wusste wie es laufen sollte oder was ich wirklich mit ihr aufgreifen möchte.

Es ist vor zwei Wochen einfach so viel kaputt gegangen und irgendwie hat mir die letzte Woche gezeigt,  dass ich ja durchaus arbeiten will  – und kann.

Erstmal war klar, dass wir eine Absprache bezüglich der Angsttraining treffen müssen. Und ehrlichgesagt hat es gut getan zu hören, dass ich ja so viel mache hier im Alltag, dass es definitiv nicht mehr als eins pro Tag sein sollte. Das erste Mal hatte ich das Gefühl, dass durchaus angekommen ist, wie anstrengend und auch angstebesetzt hier vieles im Alltag ist.

Ich glaub deshalb traf mich das mit dem „Vermeidungsverhalten“ so – und dass es nicht genug „sichtbares“ gibt – weil ich eigentlich permanent drüber war.

Und ich sehe mein Vermeidungsverhalten ja durchaus – in vielen Bereichen. Konnte das aber auch gar nicht zugeben, weil es ja irgendwie ständig um Gruppen ging – und da bin ich mir nach wie vor sicher, dass es da zwar natürlich auch Vermeidungsverhalten gibt, es aber zum aktuellen Zeitpunkt mir wirklich nur schaden würde – und mich nicht weiter bringen.

Die Angst zu sagen, dass ich das schon sehe, grade auch im Einzel da ja auch dran arbeiten will (meine Automatismen sind ja auch Vermeidungsverhalten und darum sollte es ja gehen) und dass es dann wieder nur auf Gruppen  übertragen würde – war zu groß – und ich denke auch nach wie vor berechtigt.

Ich hab mir die letzten Tage viel den Kopf gemacht, wie es für mich mit meiner Therapeutin weiter gehen soll. Ob – oder wie – ich mich da wieder einlassen könnte. Und ich hab mich für zwei Dinge entschieden.

Zum einen, dass ich das mit dem Vermeidungsverhalten anspreche – dass ich das durchaus sehen kann und sie da in vielen Bereichen recht haben und ich daran arbeiten will (und kann), aber dass sie – was Gruppen angehen – nicht recht haben. Ich bin mir selten so sicher wie an dieser Stelle.

Und dass ich auch anspreche, dass ich nicht weiß ob oder auf was ich mich  einlassen kann. Das ich möchte, aber nicht weiß ob es geht.

Heute war durch den ersten Punkt etwas leicht Rollen vertauschtes – weil ich die Gruppen immer wieder ansprach – und nicht die Therapeutin.

Allerdings merke ich im Nachhinein jetzt auch, dass das für mich wichtig war – irgendwie auch zu sehen, dass sie nicht gleich darauf anspringt und mit der nächste Gruppe anfängt.

Wir sprachen noch ein paar formale Sachen an und dann ging es eben darum, was wir jetzt machen sollen/können/wollen.

Sie fragte, was ich machen wollen würde, wenn ich mich einlassen könnte.

Eigentlich am liebsten die alten Ziele – auf Gefühle einlassen, Ausdruck finden, Tränen zulassen können.

Da das letzte Woche aufkam war das zweite eben diese Situation damals im Bus aufzugreifen,  Traumaexposition.

Nach wie vor, wäre mir das erste lieber, aber ich glaube beim zweiten hab ich mehr Chancen, dass ich mich einlassen kann – es ist – vertrauter, für mich „sicherer“  und so blöd das klingt – es ist weniger einlassen nötig.

Gleichzeitig ist es natürlich etwas, was mir wirklich was bringt. Ich hab nur die Angst, dass wir dann am Gefühlsthema scheitern. Denn egal welche Situation wir aufgreifen – irgendwann kommt der Punkt, an dem es auch um die Gefühle geht.

Dazu kommt noch eine zweite Angst. Ich hab diese Woche 2 Termine mit ihr, morgen werde ich mich sicher nicht einlassen, da im Haus, in dem sie ihr Büro hat eine große Tagung stattfindet mit vielen Leuten und vermutlich auch eher viel Lärm.

Das wäre ok, denn ich müsste eh erst schauen wie sie das machen möchte – wie sie sich das vorstellt.

Also wäre dann Freitag der Termin – und nächste Woche ist sie auf Fortbildung. Ja ich hab eine Vertretung, die ich kenne und mit der ich auch arbeiten kann, aber ich glaube nicht, dass ich mit ihr dann weiter an der Situation arbeiten kann.

Und die Woche drauf ist meine letzte Woche. Ich finde das arg knapp und im Moment ist das für mich der Hauptgrund für ein „nein“.  Das Fass ist zu groß für 2-3 Termine. Was irgenwie idiotisch klingt, weil die Situation im Verhältnis zu anderen eher „klein“ ist. Aber das drumherum nicht – und die Auswirkungen nicht.

Zumal die Situation zwar an sich klar ist, aber die Erinnerung daran nicht wirklich klar oder besser formulier- oder benennbar. Ich hab noch nie darüber gesprochen, oder es aufgeschrieben. Weil ich es nicht hinbekam und schon im Vorfeld oder beim Gedanken daran nur noch Chaos im Kopf habe.

Es ist die Angst, dass da ein Fass aufgerissen wird – und ich dann irgenwie alleine mit klar kommen muss.  Klar gibt es theoretisch die Möglichkeit mich in der Pflege zu melden usw – aber das ist nicht das, was ich da bräuchte.

Das macht mich traurig und irgendwie auch wütend – 49 Tage – so viele davon verschwendet. Und jetzt hapert es an der Zeit?

Dabei ist mir klar, dass das vorher schlicht nicht Thema war und daher gar nicht eher angegangen hätte werden können und naja – dass es zum einen auch nur deshalb Thema wurde, weil es an anderen Stellen für mich ziemlich schief lief.

Ideal wäre die beiden Themen zu koppeln – die Situation zu bearbeiten, sie auch als Auslöser für Gefühle nutzen und dann an diesen Gefühlen am Ausdruck arbeiten – oder eben am zulassen und „sichtbar werden“ lassen.

Aber auch da – klappt das?  Wo doch nächste Woche eine Unterbrechung da ist.

Oder könnte ich mir vorstellen, dass ich tatsächlich mit beiden daran arbeite?

Schaffe ich das im aktuellen Umfeld? Mit ständig Leuten um mich rum, Speisesaal und der im Moment wirklich arg unguten Ergo-Gruppe (einfach weil die so rappelvoll ist)?

Ich schätze ich muss morgen wirklich erstmal klären, wie das ablaufen soll. Erst dann kann ich sagen, ob ich mir das auch mit der Vertretung anschauen kann. Und ob ich denke, dass 2 Wochen dafür reichen.

Und ich merke, dass das nach wie vor für mich der Hauptknackpunkt ist.

Klar ist – ich würde gerne, wirklich gerne, sehe da großes Potential – trotz der Angst davor.

Wäre die Therapeutin nächste Woche da und nicht weg – würde ich ja sagen. Aber sie ist nunmal weg. Und damit blieben 3 Termine (oder vier wenn wir den morgigen und Abschlussgespräch mitrechnen).

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