Klinik Tag 43

Die Blutentnahme heute morgen war wieder einmal erfolglos. Wobei diesmal die Vertretung meiner Ärztin dran war und die dann auch meinte, dass sie da bei mir jetzt auch keine Not sieht und es auch so übergeben wird.

Da ich unerwartet früh wach war, hab ich dann gleich um sieben die Wäsche gewaschen. Das hab ich jetzt lange vor mir her geschoben und musste jetzt einfach sein. Da ich ja nur noch 4 T-Shirts habe, komme ich da nicht mehr über die Woche.

Vorm Mittagessen dann ein überraschendes Einzelgespräch mit der Vertretungstherapeutin, das mich sehr nachdenklich machte – im positiven Sinne. Es ging um die Fassade und das nach außen funktionieren und der Vorstellung, wenn wir uns gegenüber sitzen würden, was würden wir dann sagen oder wie kämen wir – zusammen. Es gelang mir nicht mich auf die Fassade einzulassen oder da was zu spüren, aber irgendwas hat es bewegt und ich möchte das in den nächsten Tagen häufiger mal probieren.

Außerdem haben wir den Termin vom Donnerstag auf Freitag verlegt – somit kann ich morgen sowohl die Ergo-Gruppe (die hätte ruhig ausfallen dürfen) und direkt danach das Körper-Einzel nutzen.

Verabschiedung der zweiten Mitpatientin – also von den 2 mit denen ich mich gut verstand. Wobei es in den letzten Tagen auch Kontakt zu einer weiteren gab.

Nachmittags dann Angsttraining: Straßenbahn. Dummerweise ist der Geldautomat hier vor Ort kaputt, deshalb statt Viererkarte doch Einzelfahrschein.

Ganz ehrlich – es ist Stress und Panik und wirklich schwierig – aber wenn ich das meistere – dann eröffnen sich einige neue Möglichkeiten. Denn mit Straßenbahn ist DM, Rossmann, Aldi und Edeka in Reichweite.

Und Unabhängigkeit – denn auch die Frauenkirche usw wären dann erreichbar.

Im Moment klappt das mit der Straßenbahn nur dissoziiert – aber ich arbeite dran. Ich will das hinkriegen.

Auch wenn sich der traumatische Teil leider nicht so trennen lässt, wie gehofft, der mischt schon mit rein. Trotzdem bleibt es – machbar. Danach bin ich platt und heute schaffte ich es leider nicht auszusteigen, wo ich wollte (zu viele Leute im Eingangsbereich) und leider auch nicht bei der nächsten Station, weil da eine Stufe zu überwinden gewesen wäre (sonst ist es ja eher ebenerdig zum aussteigen), aber wie gesagt – ich arbeite dran.  Interessanterweise hat die Stufe fast mehr ausgelöst als die Leute.

Im Moment ist es so, dass ich nur einmal die Woche kann – einfach weil es finanziell doch ein recht großer Posten ist. Grade auch dafür, dass es ja auch nur die Fahrt ist – also ohne eben auch damit was erledigen zu können oder ähnliches. Da habe ich Montag einen Termin bei der Sozialarbeiterin – vielleicht gibt es da eine andere Möglichkeit.

Es überrascht mich immer wieder und immer noch, dass sich diese Anstrengung auch körperlich zeigt. Grade nach dem Angsttraining oder schwierigeren Terminen bin ich einfach nur unglaublich platt – als wäre ich den ganzen Tag gelaufen – mit schwerem Rucksack oder so.

Gleichzeitig sind die Nächste zwar besser, aber immer noch voller Albträume und Hochschrecken und immer wieder wach sein.

Nachtrag: da meine Lieblingsrezeptionistin heute Abend da war, hatte ich sie angesprochen, wie das mit den Fahrrädern läuft. Diese kann man hier gegen eine kleine Gebühr leihen oder wenn sie vom Therapeuten verordnet werden für 3×2 Stunden umsonst ausleihen.

Jetzt ist es ja so, dass ich seit fast 20 Jahren nicht mehr gefahren bin. Weil schlicht die Knie nicht mitspielten. Plötzlich stehen bleiben wurde mit verhaken oder auch mal mit ner rausgesprungenen Kniescheibe quittiert. Ungut.

Aber ich hab es die letzten Jahre auch gar nicht versucht – und das wollte ich hier.

Ich hab mir also die Fahrräder angeschaut und teilweise ausprobiert. Neben Panik ist aber vor allem das Absteigen ein Problem, dass das Knie mit Streik quittierte. Losgefahren bin ich noch nicht mal – sehe da aktuell auch ein Problem. Denn einerseits mit Füßen grade so auf Zehenspitzen noch auf dem Boden ist beim Treten die Knie halb im Gesicht.

Dazu natürlich Panik, dass ich das Gleichgewicht nicht gehalten kriege, die Füße nicht auf dem Boden habe, plötzlich stehen bleiben muss und das Knie das nicht mitmacht usw.

Es war frustrierend. Das Knie motzte vor allem beim Absteigen massiv – beim letzten Versuch dann auch so, dass es kurzzeitig nicht trug. Doof. Ich verdreh es da immer, egal wie achtsam ich es versuche

Im Moment überlege ich noch, ob ich das Fahrrad reservieren soll wenn ich einen Physio-Termin hab – in der Hoffnung, dass es da noch den ein oder anderen Tipp gibt – oder es nur an falschen Einstellungen lag oder ähnliches.

Irgenwie mag ich diese Chance noch nicht aufgeben.

Dieser Beitrag wurde unter Beziehungen/Kontakte, destruktives Verhalten, Erinnerungen, kleine Schritte, Leben, Psycho-Somatik, stationärer Aufenthalt, Therapie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Klinik Tag 43

  1. SuMu sagt:

    Wenn ich mich den ganzen Tag – Tag für Tag, so genau selber analysieren „müsste“ wäre ich auch fix&alle! Ich hoffe du kommst aus deinem „Denken&grübeln und ständigem selbst analysieren“ irgendwann raus!

    • Ilana sagt:

      Naja – das ist aktuell hier mein Job. Ich bin nicht umsonst in der Traumaklinik, sondern will was erreichen und ändern – dazu gehört hinterfragen, Denkanstösse aufnehmen und eben an sich arbeiten und sich auch darauf zu konzentrieren. Das war mir auch vorher klar, dass das hier anstrengend wird und kein „Urlaub“ ist. Wir hatten grade auch wegen der Intensität uns für diese Klinik entschieden (auch wenn da der Schwerpunkt die 3 Einzel-Gesprächstermine waren, die ja nicht immer umgesetzt werden konnten).

      Und was die Angsttraining angehen – grade was die Mobilität angeht bin ich zu Hause „eingesperrt“ – komme zu Therapien, weil die Kasse das übernimmt und den Rest muss ich mit dem Betreuer erledigen. Ebenso den Einkauf oder überhaupt unterwegs sein – was nur in Begleitung geht.

      Das schränkt massiv ein und ist hier einfach ein gutes Übungsfeld – weil ich mich auch darauf konzentrieren kann. Ich muss mich nicht um Kochen, aufräumen, Essen usw kümmern und ich kann mehr Risiken eingehen, weil ich hier nicht „funktionieren“ muss, sondern mich jederzeit melden kann, wenn ich Hilfe brauche.

      Wie gesagt sehe ich das als meinen Job an – auch zu Hause. Daran zu arbeiten weniger Hilfe zu benötigen, mehr selbst hin zu kriegen und auch selbständiger wohnen zu können. Im Kliniksetting natürlich auf einem ganz anderen Level als zu Hause.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.