WmdedgT 06/17 – Klinik Tag 41

Wie jeden 5. des Monats fragt Frau Brüllen wieder: Was machst du eigentlich den ganzn Tag?

Ich bin heute den 41. Tag in der Trauma-Klinik. Die letzte Woche war wirklich hart und so war ich ganz froh, dass es ein verlängertes Wochenende gibt.

Da Feiertag ist, ist hier kein Programm. Es wird also eher ein ruhiger Tag.

Gestartet wie üblich um 6:30 Uhr mit aufstehen und fertig machen. Um 7:15 ist Frühstück und vorher muss ich rüber in die Pflegezentrale meine Medikamente abholen. Da Montag ist, wird auch gewogen, was bedeutet, dass alles etwas – länger – dauert.

Nach dem Frühstück hatte ich mich mit 2 Mitpatientinnen im Ergo-Raum verabredet. Die beiden wollten Hilfe beim Bücher binden und die hatte ich ihnen zugesagt.

Die ersten Minuten war ich dort alleine – was ich ja immer am liebsten hab. Ich hatte so eine Versandrolle, die ich kürzen wollte und eine Mappe zum Fertig machen.

In der ersten Stunde waren wir dann auch nur zu dritt, zwar kam zweimal jemand kurz vorbei zum schauen, aber mit beiden hatte ich jetzt kein Problem.

Später kamen dann leider weitere Patientinnen dazu, auch eine, die uns schon mal beim Personal „angeschwärzt“ hatte, komischerweise mit Sachen, die wir gar nicht gemacht hatten, was das ganze noch unverständlicher macht.

Ich glaub ich war schon vorher eher im Funktionieren – gehen bekam ich nicht hin – zumal ich wusste, dass beide für den nächsten Schritt Hilfe brauchten – ich wollte die da jetzt nicht hängen lassen, zumal eine der beiden übermorgen nach Hause fährt und wir keine Zeit mehr hätten.

Sprechen wurde immer schwieriger und als dann die anderen dazu kamen kippte es und ich weiß nichts mehr. Hab aber wohl funktioniert, war halt sehr ruhig und hab kaum gesprochen, aber die nötige Hilfestellung gegeben.

Entsprechend hab ich dann erstmal wieder eine Verhaltensanalyse geschrieben – denn die muss ich schreiben, wenn das Dissoziieren in den nicht steuerbaren Bereich rutscht.

Dann war eh schon Zeit halb zwölf und Zeit fürs Mittagessen.

Danach wieder aufs Zimmer und etwas gemalt, das Angsttrainingsprotokoll ausgefüllt und sonst halt klar: heute keine großen Konfrontationen, sondern alles in Ruhe und ohne Stress.

Mittlerweile ist es 14 Uhr und ich überlege ernsthaft mich nochmal für ne Stunde hinzulegen. Der Klinikalltag, vor allem die vielen Menschen, schaffen mich. Und das heute Vormittag hat einfach wieder mehr Kraft gekostet, als eigentlich da ist.

Andererseits hab ich dann Angst, dass die Nächte noch schlechter werden.

18:30 Uhr: ich hab tatsächlich 2 Stunden geschlafen und bin dann raus gegangen – nicht weit, aber einfach raus, ein paar Pokestops einsammeln und Steine suchen. Da suche ich nämlich immer noch einen zum in die Hand nehmen.

Unterwegs traf ich dann eine Mitpatientin und wir quatschten noch bis zum Abendessen.  Eigentlich wollte ich danach mit Mitpatienten die Elberunde spazieren gehen, aber da sich da noch jemand angeschlossen hat, wir mir das zu viel. Zwar mag ich alle 3, aber ich hab schon mit 2 Leuten oft Schwierigkeiten und nach dem heutigen Vormittag wäre das nicht sinnvoll.

Dafür werde ich jetzt endlich mal die Nägel machen, die sind überfällig und noch  etwas fern sehen und lesen.

Alles in allem ein eher ruhiger Tag und auch ok so für heute.

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