Klinik Tag 37

Ehrlichgesagt bin ich ziemlich durch den Wind und weiß aktuell nicht was ich von alle dem halten soll.

Es fing mit dem Gespräch mit der Oberärztin heute an, die irgendwann meinte, so eine Absprache (keine Gruppen) gäbe es nicht, nur ein „zunächst“ keine Gruppen und damit seien auch nur themenzentrierte Gruppen gemeint, nicht Morgengruppen usw.

Ab da war ich nur noch wütend. Da die Absprachen mit der Klinikleitung getroffen wurden hieß es dann, dass ich das auch dort klären müsste.

Also bat ich um einen Termin mit der Klinikleitung.

Mir ging es da nicht um Verlängerung, ich wollte einfach nur wissen, wo da der Fehler oder das Missverständnis lag. Denn mit einem Ersatzthera, der das alles geregelt hatte, hatte ich auch ausdrücklich über Morgengruppen usw gesprochen.

Also ihn angeschrieben, was jetzt genau und ob da differenziert wurde und im Endeffekt mit Betreuer und meinem Thera versucht die nächste Woche zu gestalten/planen – weil für mich davon auch abhing, ob ich nun am Dienstag schon abreise oder erst später eventuell.

Mittags dann der Termin mit der Klinikleitung – der gut und doof lief. Doof war, dass die Therapeutin dabei sein sollte – für mich dann aber Sprechen nicht mehr ging und ich einfach nur erstarrt da saß. Anfangs waren wir alleine, das ging, als sie dann dazukam – ging nichts mehr. Was nichts mit ihr zu tun hatte, sondern einfach die Konstellation für mich nicht geht.

Sie sprachen dann darüber, warum das Team so entschieden hätte:

  • es gäbe keine sichtbaren Fortschritte (die erzählten zählen nicht, es geht um Fortschritte, die sie hier auch sehen könnten, dass ich weniger Skills brauche usw ist ja nicht sichtbar für andere)
  • sie seien der Meinung dass überwiegend vermeide (alles mit Gruppen halt – aber auch im Einzel – klar, immer wenn es halt auch was zu organisieren, klären gab, weil halt nur entweder oder geht)
  • ich würde mich ja auch mit Mitpatienten unterhalten – also müsste das ja in Gruppen auch gehen
  • Sinn des stationären Aufenthaltes wären halt überwiegend die Gruppen

Gut war, dass sie die Akten geprüft hat und da stand: keine Gruppen.

Auch wenn das anders gemeint war, sagt sie da auch – wurde nicht differenziert und damit gilt – keine Gruppen.

Nachdem die Therapeutin raus ist, brauchte ich noch etwas, konnte mich dann aber fangen und auch wieder reden/antworten.

Was ich irgendwie nicht erklärt bekomme ist warum es nicht das gleiche ist, ob ich mich mit ein oder zwei Mitpatienten übers Wetter unterhalten oder eben in der Gruppe (mit mehreren!) über ein wie es mir geht. Dass ein Funktionieren im Speisesaal nicht automatisch heißt, dass das selbe auch in einer Gruppe funktioniert. Und dass es da auch egal ist, ob diese Morgengruppe 10 Minuten ist – wenn es doch reihum geht und jeder sagen soll, wie es ihm geht.

Was ich auch nicht erklären konnte ist (und das kann ich mir tatsächlich auch selber nicht wirklich erklären, meine Vermutung ist, dass es zum einen um Autoritäten geht und zum anderen eben dass es Frauen sind), warum sofort das Erstarren kommt, wenn ein zweiter dazu kommt. Also nicht nur Panik, sondern komplett erstarren, nicht mehr nicken können oder reagieren. Inkl eingeschränktes Sichtfeld und mich immer weiter von mir entfernen (was ironischerweise als – Sie dissoziieren da nicht, Sie sind ja in Panik – interpretiert wird) und leider auch als „Sie wollen nicht reden“ und nicht ein nicht können.

Es ging dann darum, was ich denn als Kompromis anbieten könnte. Da ich – was Gruppen angeht – eh schon mehr mache als gut für mich ist, sagte ich auch, dass da keine Luft mehr ist. Was ich aber anbieten kann ist, dass ich Angsttraining mache, dass nicht mit Gruppen (aber Menschen) zu tun hat. Zum Beispiel ganz gezielt das mit der Straßenbahn. Und zwar nicht nur als „irgendwie funktionieren“, sondern gezielt als Angsttraining.

Ich soll mir bis morgen überlegen, ob ich noch was anderes anbieten kann.

Aber die einzige Idee, die ich hab, ist eine, bei der ich befürchte, es wird halt auch spätestns nach ner Woche erwartet, dass ich es hinkriege.

Nämlich tatsächlich das mit der Situation, dass mir zwei gegenübersitzen und diese Panik aushalten, ohne zu dissoziieren und vielleicht in einem weiteren Schritt – wenigstens nicken zu können. Aber wie gesagt – das wird zu wenig sein, es wäre dann eher ein, dass ich wenigstens da dann auch  reden kann und das aushalten/nicht dissoziieren und nicken wird dann quasi sofort „erwartet“.

Außerdem weiß ich nicht genau wie sowas ablaufen soll. Ich bemühe mich ja schon, wenn ich in die Pflege komme, das eben auch so hinzukriegen, auch wenn die zu zweit da sind. Um 1-zu-1 hatte ich dann ja immer nur gebeten, wenn es gar nicht anders ging und auch mehr war als nur kurz was holen/klären usw.

Dass es plötzlich doch um Verlängerung geht – ich weiß nicht was ich davon halten soll. Mir war wichtig zu klären ob ich das wirklich so sehr falsch verstanden habe, bzw warum es plötzlich hieß so eine Absprache gab es nicht – und dass es sie eben doch gab.

Ich mach mir ja schon viel Druck – und ich glaube dass das jetzt – wo es ein klares „es reicht nicht/gibt keine sichtbaren Fortschritte“ gibt – sicher nicht weniger wird. Es ist jetzt schon schwer da die Grenzen im Blick zu behalten oder eben nein zu sagen – ich schätze das wird sehr viel schwieriger und ich bin mir nicht sicher, ob es eben dadurch nicht zu viel wird – zu sehr wieder auf „irgendwie funktionieren“ umschwenkt – wegen einem „gefallen wollen“ oder eher aus der Angst heraus, dass es eben wieder nicht reicht. Nie reichen wird. Dass es mehr auf ein Grenzen weiter missachten rausläuft, weil ich mir den Druck mache und nicht mehr unterscheiden kann ob der auch von der Klinik kommt oder nur von mir.

Oder ob es Sinn macht weiter zu machen, wenn sowohl Oberärztin als auch Therapeutin das als sinnlos ansehen.

Oder ob sie recht haben. Ich bin verunsichert und weiß grad nicht was wirklich Realtiät, was alter Mist, was einfach blöd gelaufen oder was sinnvoll ist.

Und das Thema „Machtspielchen“ steht auch im Raum – dass ich es ja erzwingen will.

Dabei will ich einfach nur, dass endlich das Thema Gruppe mal rauskommt. Ich hätte mich nicht auf Ergo einlassen sollen oder freien Sport. Dann hätte ich das jetzt anbieten können. Und das ist frustrierend. Schon allein dass ich das denke. Dass auch nicht ankommt, was das alles mich kostet – an Anstrengung usw. Naja – eben – dass es nicht reicht. Aber wenn ich das so sage heißt das, das sei ja meine Entscheidung ob ich das so sehe.

Das ganze Chaos, das ganze hin und her macht mich fertig und ich hab mich darin grad verloren. Ich hoffe, dass sich das über Nacht alles etwas setzt und für mich klärt.

Mich beruhigt, dass das mit „keine Gruppen“ auch wirklich so in der Akte steht. Und dass die Interpretation der Ärztin von „zunächst keine Gruppen und das betrifft auch nur die themenzentrierten und nicht die anderen“ jetzt erstmal vom Tisch ist. Dass diese Unterstellung auch, dass ich auf eine Absprache beharre, die es so nie gab – endlich vom Tisch ist.

Auch wenn das für mich vom Geschehenen nichts ändert, tut es gut zu sehen, dass ich da aber schon recht hatte und mich nicht nur anstelle. Und dass nicht ich interpretiert habe, sondern andere.

Was den Rest angeht – brauche ich Zeit – und Ruhe. Morgen im Einzel muss ich mal sehen. Im Team wird es wohl eher erst mittag entschieden, nicht morgens – auch weil ich mir ja bis zum Einzel noch überlegen soll, was ich noch anbieten kann.

Was heute aber auch war – und fast unterging: mein erstes Körper-Einzel – und eigentlich hat mir das sogar geholfen.

Es ging eben darum was ich erreichen möchte – und da war immer klar, eben dieses Erstarren durchbrechen, das ja auch jegliche Bewegung wenn jemand bei ist unmöglich macht – und ohne die Bewegung krieg ich auch die Panik dann nicht durchhbrochen. Sie meinte dann, dass das gut und stimmig ist, aber nicht mit den max. 2 Terminen zu schaffen ist.

Und im Prinzip ist es genau das – das was ich erreichen will ist eben nicht in dieser Zeit zu schaffen und schon gar nicht, wenn die Therapeutin nächste Woche in Urlaub ist. Das ist das frustriernde dran.

Dass ich das nicht einfach auf eine mir unbekannte Frau übertragen kann und richtig arbeiten, wenn ich die Vertretung nur zweimal sehe – wurde von der Oberärztin als Abhängigkeit von der Therapeutin interpretiert.

Dummerweise muss ich genau zu dieser Oberärztin nächste Woche in der Visite – und das Erstarren ist dann ja wieder verweigern/vermeiden  aus ihrer Sicht. Oder Trotz.

Diese Visite ist der Grund, warum ich dienstag abreisen wollte und warum das für mich immer noch nicht vom Tisch ist. Weil die eh schon nur mit Erstarren geht und weil sie ganz klar dagegen ist und selbst wenn das Team anders entscheidet – und mir das Erstarren schon letztes Mal arg übel genommen hat. Diesmal ist niemand dabei, der für mich Partei ergreifen wird und versuchen die Situation wenigstens abzukürzen.

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Eine Antwort auf Klinik Tag 37

  1. Jenny sagt:

    Liebe Ilana,
    es tut mir so leid wie das alles läuft.
    Ich halte mich jetzt mal sehr zurück, denn ich möchte nicht noch Öl ins Feuer gießen. Aber ich finde das Verhalten der Klinik katastrophal! Natürlich kann man mit einer Ersatztherapeutin nicht am Trauma arbeiten- hallo!!!! Das ist ja nichts, was man mit jedem x-beliebigen bearbeiten kann!
    Sorry, ich rege mich gerade auf!

    Komm zur Ruhe heute Abend und ich kann dir nur den Rat geben zu versuchen eine Lösung zu finden, die du vertreten kannst. Mach bitte nichts um „zu gefallen“ oder „zu funktionieren“.

    Viel Kraft.
    Liebe Grüße
    Jenny

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