Klinik Tag 35

Und wieder einmal: es reicht nicht.

Die Klinik will nicht verlängern. Im Endeffekt wegen der Gruppen. Ich zeige da ja Vermeidungshaltung und das würde ja zeigen, dass es einfach zu viel ist und ich noch nicht so weit bin.

Plötzlich ist es wieder egal, dass im Vorfeld abgeklärt wurde, dass Gruppen nicht gehen und auch nicht Thema sind oder Ziel, dass es um andere Ziele geht (die auch sehr klar formuliert und von beiden Seiten – mir und der Therapeutin – unterschrieben wurden).

Auf der einen Seite heißt es, ich mache mir zu viel Druck, müsste mehr auf meine Grenzen achten, auf der anderen aber, dass ich ja zu wenig kann und es deshalb ja keinen Sinn mache.

Ich hätte letzte Woche nicht schreiben sollen, dass es besser ist, ich besser mit dem Alltag klar komme, auch mit Mitpatienten was mache.

Oder meine Reaktion in der Visite zeige, dass es zu viel ist. Ja ist es – die Visite ist zuviel – das hab ich im Vorfeld auch gesagt, gesagt wie die Reaktion sein wird und dass ich danach Zeit brauche um mich zu fangen. Dass für mich aber auch klar ist, dass ich da durch muss – dass es Situationen in der Klinik gibt, in denen es nicht um meine Grenzen geht – wie Speisesaal und Visite.

Auch gesagt hatte ich, dass ich immer etwas länger brauche um – anzukommen und dann den ja völlig anderen Alltag – hinzukriegen – und jetzt krieg ich ihn hin.

Aber es reicht nicht.

Die Frage, warum das plötzlich so Thema ist, wenn doch im Vorfeld abgeklärt und gesagt wurde, dass es ohne Gruppen geht und ich da nicht hin muss, kann mir keiner beantworten.

Ich höre ein: ich verstehe, dass Sie das wütend macht – hilft mir nicht weiter.

Der aktuelle Plan: ich soll mit der Oberärztin reden, die das quasi entscheidet. Wobei da immer mehr rauskam, dass sie mir das vielleicht anders/besser erklären kann. Eigentlich macht die das nur zusammen mit der Therapeutin, das geht ja nicht – also mal sehen ob sie sich drauf einlässt, das in einem Gespräch mit mir alleine zu klären.

Ich finde es unfair. Ich mach und tu, bemühe mich, mach mehr als ich müsste – und das trotz widriger Umstände wie Krankheit, Feiertage, Formalitäten und Co – aber es reicht nicht.

Ich soll doch mitnehmen, dass ich das geschafft hab. Ja – und wenn ich an meinen Zielen arbeiten könnte, wäre es das auch wert – dafür mach ich das. Aber soweit kommen wir nicht – weil es vorher einen Cut gibt.

Ich könne doch wiederkommen – dann wenn das mit den Gruppen geht oder die Gruppen Thema sein können. Danke auch.

Damit hab ich – wieder einmal – nicht gerechnet. Dachte, das sei endlich vom Tisch und wir könnten wirklich an den vorgenommenen Themen arbeiten.

Die Zeit noch bleiben bis zum 16. – wenn nicht verlängert wird – macht nicht viel Sinn. Die Therapeutin ist nächste Woche im Urlaub, es gäbe Vertretung, aber die kenne ich nicht. Und übernächste Woche wäre dann ja eh Abreise.  Ich weiß es nicht.

Ich glaube nicht, dass ich es schaffe, da jetzt – wie ursprünglich geplant – ein sehr großes Fass aufzureissen und daran zu arbeiten. Wir haben gestern am Fass gerüttelt und das hat schon sehr viel ausgelöst. Das jetzt ganz aufzureissen – wenn ich doch quasi nur noch 2-3 Termine hab (und dann ist nicht mal sicher, dass wir die dafür nutzen können, konnten ja den heutigen wegen Formalitäten auch nicht dafür nutzen).

Und die der Vertretung, die ich nicht kenne und nein – ich glaube nicht, dass ich da dann an einer Missbrauchs-Situation arbeiten möchte.

Mal sehen ob ich von der Oberärztin eine Antwort auf die Frage kriege, warum im Vorfeld gesagt wird, kein Problem ohne Gruppen und es dann doch anders ist.  Oder warum das „es ist zuviel“ einfach entschieden wird, ohne mit mir darüber zu reden bzw das was ich dazu sage (und auch in den Wochenberichten geschrieben habe – die kommen nämlich in die Akten) so gar nichts zählt. Sondern eben mit „Vermeidungsverhalten“ wegen Gruppen gekontert wird.

Ich bin sauer – und enttäuscht. Und auch irgendwie verzweifelt. Weil immer klar war, dass es die einzige Chance ist was Klinik angeht – und weil sich wieder mal nicht an Absprachen gehalten wird – oder gar mit mir geredet und gefragt wie ich das sehe oder so.

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4 Antworten auf Klinik Tag 35

  1. Liebe Ilana,

    ich bin mit dir wütend, wo ich lese, dass „die Klinik“ sich nicht an die Absprachen hält.
    Da hat man keine Worte für. Ganz schlimm finde ich das alles und kann es dir bestens nachfühlen, wie es dir geht dabei. (Ähnliches selbst erlebt).
    Schade ists.

    Ich schicke dir einen ganz lieben Gruß.
    Alles Gute zu Dir
    … herzlichst Webschmetterling

  2. Jenny sagt:

    Liebe Ilana,

    ich habe jeden Tag mitverfolgt wie du die bemüht hast und dich so sehr darauf eingelassen hast deine Grenzen zu überschreiten, um Hilfe zu bekommen. Ich bin auch wütend und auch enttäuscht. Weil es wieder einmal so zu sein scheint, dass es keine „Toleranz“ außerhalb der Norm gibt. Wir müssen funktionieren- fertig. Wenn nicht, dann müssen wir gehen ( auch das haben wir schon erlebt).
    Ich wünsche dir die notwendige Kraft dass du die Schritte gehen kannst, die dir jetzt guttun ( soweit man von guttun sprechen kann).
    viel Kraft, Mut und Zuversicht ( auch wenn es schwer ist).
    Jenny

  3. Melanie sagt:

    Liebe Ilana,
    das kann doch nicht so sein. Einfach unglaublich was da passiert! Ich kann deine Wut und Enttäuschung gut nachfühlen.
    Ich hoffe du bekommst das Gespräch mit der Oberärztin und kannst deine Wut und Enttäuschung vorbringen.
    Es reicht nicht um in deren Schema zu passen, daß ist aber auch nicht das Ziel.
    Ich wünsche dir viel Kraft, du hast viel geleistet.
    liebe grüße

  4. stahldame sagt:

    Unfair.
    Ich lese aus jedem deiner Beiträge, wie du an bzw. über deine Grenzen gehst. Und dann gehen sie so mit dir um. Das ist einfach nur unfair.

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