Klinik Tag 25 – Wochenende

Die letzten drei freien Tage waren gut. Heute lief es, aber ich kann es grade nicht so einordnen.

Vormittags wollte ich im Ergoraum (der ist am WE und abends zur freien Verfügung, nur die Materialien sind weggesperrt, man kann sich aber welche rauslegen lassen) meine Mappe fertig machen. Diese Woche fiel Ergo ja aus, nächste ist hier Feiertag – und ich brauchte die Mappe auch.

Anfangs wars gut – ich war allein im Raum – später kam erst eine, dann noch eine Mitpatientin – und irgendwie funktionierte ich halt. Das mein ich nicht mal negativ, aber es war halt wieder das nach außen hin funktionieren, unterhalten, lächeln usw.

Schon die letzten Tage hatte mich eine Mitpatientin gefragt, ob sie mich ein paar Sachen fragen könnte, sie wollten zu zweit Bücher fertig machen. Beide mag ich wirklich sehr und so sagte ich zu.

Am Nachmittag trafen wir uns also im Ergoraum, da waren aber noch zwei weitere Patienten – und auch wenn ich den beiden wirklich gern helfe und auch gern erkläre wie das mit dem Buch binden läuft (und die Vorraussetzung waren für die beiden wirklich grottig), weiß ich grad nicht, was das heut Nachmittag war.

War es nur das nach außen funktionieren? War es wirklich ok für mich? Ich mein, ich mach sowas gerne, das hat immer Spaß gemacht und auch heut Nachmittag war es schon ok – aber ich war halt im „Erklär-Modus“, so als wäre ich ein Projektleiter und erkläre eben Grundlagen und helfe, wenn was nicht so klappt oder angepasst werden muss usw.

Es war halt wieder komplett nach außen gerichtet. Auf Erklären und Zeigen, auch verschiedene Skills vorstellen (das hatten wir vorher auch so abgesprochen, dass ich ein paar Sachen mal mitbringe und zeige) und eben komplett darauf konzentriert.

Dabei ging es mir auch nicht schlecht oder so – aber ich bin grad nicht sicher, wie ich das einstufen soll – ob das schon „nur noch funktionieren“ war, ein nicht enttäuschen wollen und eben auch merken, dass die grad ohne Hilfe völlig aufgeschmissen wären usw. Oder ob es wirklich ok war – ich dabei durchaus auch bei mir war und auf Grenzen achten konnte.

Wären es nur die beiden gewesen – wäre es sicher ok gewesen. Aber schon vormittags bin ich mir nicht sicher ob das noch gut war (denke eigentlich eher nicht, aber ich wollte halt die Mappe fertig machen) und nachmittags – es war schon arg viel Kommunikation und ich befürchte, dass es da für mich – unbemert – gekippt sein könnte.

Im Moment bin ich vor allem irritiert. Wir wollten morgen nochmal weiter machen – da will ich wirklich etwas genauer hinschauen und hinspüren – mal sehen wie es sich dann entwickelt. Es ist grad ein eigenartiges Gefühl – auch hier – nicht schlecht – eher unsicher, fremd, mit der Frage: was mach ich hier eigentlich – die nicht mal als „wie kannst du nur“ gemeint ist – sondern wirklich als Frage, bei der die Antwort grad offen und unklar ist.

Vielleicht finde ich morgen da eine Antwort – mal sehen. Irgendwas ist auf jeden Fall – ob das jetzt einfach an heute lag oder es jetzt doch „zu viel freie Zeit“ wird – keine Ahnung.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich noch keinen Wochenplan für nächste Woche hab – was mich eben auch nicht planen lässt, wie ich was wann mache – das hängt ja von den Terminen ab.

Zur Zeit ist wieder generell das nach außen funktionieren sehr massiv. Gar nicht so bewusst – es fällt mir meist erst eher im Nachhinein auf.

Naja  – es ist grad wie es ist und ich muss einfach versuchen da mal etwas achtsamer zu sein und nicht nur abends, sondern auch zwischendrin mal zu überprüfen, wie es mir mit der Situation grad wirklich geht.

Denn das Problem ist ja, dass das Funktionieren nach außen, sofern das klappt – ja auch eine Art Flucht ist – sich nicht mit den Gefühlen beschäftigen müssen oder einem „nein“ oder „Stopp“ sagen. Zuhause kann ich das ja gut – hier offensichtlich nicht. Und wenn dann gar nicht klar ist, ob da eine Grenze ist/war, ist es natürlich noch schwieriger. Mal sehen.

Einfach mal drauf achten, schätze dann wird sich das auch klären.

Somit ein langer Tag – aber auch ok.

 

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