Klinik Tag 22 – sehr turbulentes auf und ab

Seit etwa 5 Minuten gibt es eine Lösung, eine schon halbe gab es kurz vor vier.

Es ging um den Umzug, der mir sämtlichen Boden unter den Füßen weggezogen hatte und mich sowohl an der Rezeption, als auch in der Pflege oder Therapie heulend sitzen/stehen ließ – im Zimmer sowieso.

Nichts ging mehr.

Der Grund war zum einen der Umzug an sich – massiver Stress. Mehr aber noch das neue Zimmer. Für mich ist neue Umgebung eh schon schwierig.  Die Mitpatientin die aktuell drin wohnt hatte mir das Zimmer gezeigt und ab da eskalierte es ja völlig.

Kein Platz für Aerobic, was ja aktuell mein Sportskill ist, weil die anderen grad als Skill nicht gehen, aber was noch schlimmer ist: kein Platz fürs E-Piano. Das ist mein Hauptskill.

Für mich war damit klar, dass das nicht geht und ich das hier nicht weitermachen kann unter diesen Umständen – ich komm ja schon MIT meinen Skills kaum über die Runden.

Dazu kam natürlich noch jede Menger alter Mist und je länger das ganze dauerte, desto schwerer fiel es das dann auch irgendwie zu trennen.

Aktuell war auf jeden Fall: mit dem Umzug in dieses Zimmer, verliere ich zwei der wichtigen Skills hier – und ich kriegs ja mit schon kaum hin – ohne hat das absolut null Chance und bedeutet, dass ich nach Hause fahren muss und den therapeutischen Bereich nicht nutzen kann. Dass ich für diese Umstände schlicht nicht fit genug bin. Es nicht schaffen kann. Ich war/bin so am Ende mit meiner Kraft, das war ich das letzte mal als ich kurzfristig stationär dann aufgenommen werden musste.

Ich versuchte es zu klären, sprach es an, sagte, dass das für mich nicht geht usw – ohne Erfolg. Es war Thema im Einzel – und auch da im Prinzip nur heulend vor Verzweiflung da sitzen und nicht weiter wissen – gestern beim Einzel war ja noch nicht ganz klar ob es nun abgewendet werden kann oder nicht – die Rezeption wollte das klären, hatte sich aber noch nicht gemeldet gehabt.

Um halb vier fragte ich nach und erfuhr: umziehen MÜSSEN Sie – vorher hieß es ja immer zwingen würde man mich nicht – aber eben – ich MUSS umziehen. Da eine neue Patientin unbedingt in den Frauenflur müsse.

Abends meldete ich mich in der Pflege, dass ich mich grad auch nicht in Griff kriege usw  und es hieß, dass sie ja jetzt auch nichts machen können und ja eigentlich nicht die Rezeption zuständig, sondern die Verwaltung. Sie nahmen sich Zeit, hörten zu, konnten aber nun mal auch nichts tun.

Also stand ich heute morgen um acht an der Rezeption und bat um ein Gespräch mit der Zuständigen in der Verwaltung, die das Gespräch ablehnte und mir nur ausrichten ließ: ich müsse umziehen und mich damit abfinden.

Entsprechend eskalierte es hier völlig. Ich verlor das Vertrauen auch in die Klinik, dass es sich hier nicht um „Unannehmlichkeiten“ handelt, sondern ich durch den Umzug zwei wertvolle Skills verliere und unter anderem meinen Hauptskill, ich es ja mit nur grade so hinkriege und ohne gar keine Chance da ist – war egal.  Es zählte nicht.  Das Befinden einer „Neuen“ wurde über das einer Patientin gestellt, die schon da war. Grenzen wurden gesehen, aber weiterhin ignoriert. Es war schlicht egal. Friss oder Stirb.

Alt bekannt. Nur dass ich das in einer Traumaklinik nicht erwartet hätte.

Es hieß dann irgendwann, das hätte meine Therapeutin klären müssen.  Irgendwie waren die Leute natürlich auch genervt – was ich wirklich verstehen kann, aber mir fiel das Ansprechen und sagen, dass es schwierig ist – oder gar das dort heulend stehen – auch nicht leicht. Ich wusste nur, wenn ich das hier nutzen will, muss ich darum kämpfen, dass ich es auch nutzen kann. Dass ich nicht weitere Skills verliere und – naja – für mich einstehen muss. Auch wenn mich Schuldgefühle und schlechtes Gewissen auffressen.

Dann war Visite und die ging völlig in die Hose – ich saß in Panik und völlig erstarrt da, nicht mal nicken oder sonst wie reagieren ging, rutschte mit jeder Frage an mich weiter weg und weiß nur, dass ich dann mit Müh und Not ins Zimmer kam und mich erstmal übergeben hab – und sehr lange brauchte um mich wieder zu fangen.

Ich versuchte die Zeit bis zu meinem Einzel irgendwie – hinzukriegen. Hab nochmal aufgeschrieben was alles das Problem ist und dass es plötzlich auch hieß, sie müsse das klären (normalerweise ist hier die Devise, dass man Situationen selbst zu klären versucht).

Also rief meine Therapeutin in der Verwaltung an und im Endeffekt erreichte sie, dass ich zwar umziehen, aber eventuell in ein anderes Zimmer – so dass das E-Piano Platz hat. Sie wollte dazu eine ihre Patientinnen fragen.

Etwa eine halbe Stunde später rief sie mich an, dass das klappen würde und ich in das andere Zimmer kann.

Ich heulte – diesmal vor Erleichterung – aber auch immer noch Überforderung. Und fing an zu packen.

Beim Packen fiel mir dann auf, dass es das Zimmer direkt neben mir ist. Da ja die Begründung ist, dass die Neue in den Frauenflur ist, ging ich nochmal rüber zur Therapeutin, setzte mich einfach vor die Tür und wartete, bis der aktuelle Termin vorbei war und bat um 1 Minute.

Ich fragte, ob denn das Zimmer schon zum Frauenflur gehöre und ob es dann nicht möglich wäre, dass die Neue direkt in dieses Zimmer ginge – das würde zum einen im Haus weniger Stress bedeuten (eine Grundreinigung weniger, einmal Umzugs(hilfe) weniger, eine Zimmerabnahme und -übergabe weniger, einmal ummelden und umstellen der Anlage weniger) und natürlich für mich eine große Erleichterung sein – denn es ist sehr viel einfacher im hießigen Zimmer das Gefühl der Sicherheit zu reaktivieren, als es in einem neuen zu erstellen.

Irgendwie wusste die Therapeutin nicht ob das geht, meinte dann, dass ja in Vertretung eh die Oberärztin für mich zuständig sei und die auch die Ärztin der Neuen und diese somit fragen/entscheiden kann, ob das ginge und sie mich bei ihr morgen für einen Kurzkontakt anmelden würde.

Ich könnte ja in der Pflege nachfragen ob das noch zum Frauenflur gehört.

In der Pflege wusste das keiner so genau (der eigentliche allen bekannte Frauenflur ist wohl nur in einem Bereich einen Stock tiefer, welcher Teil hier oben dazu gehört ist wohl nicht so klar) und ich dachte dann nur, dass ich jetzt einfach packe und dann werde ich das morgen ja sehen.

Wieder im Zimmer machte sich dann erstmal der Körper bemerkbar – Durchfall und Co wegen Überforderung und Zuviel und überhaupt.

So bekam ich auch den Anruf nicht mit. Irgendwann sah ich das Lämpchen am Telefon, hörte ab und – klappte wieder mal heulend zusammen. Diesmal wirklich vor Erleichterung.

Ich hätte natürlich recht, das gehöre auch zum Frauenflur und ich kann in meinem Zimmer bleiben, die Neue geht gleich ins andere Zimmer rein und sie habe deshalb jetzt auch keinen Kurzkontakt mit der Vertretung für mich vereinbart.  Hatte wohl auch noch am Fenster geklopft um mir das zu sagen, aber da war ich schon weg.

Im Moment sitze ich zwischen zwei Kleiderhaufen auf dem Bett. Am Boden zwei offene, teils gefüllte Koffer und zwei gefüllte Kartons. Absolutes Chaos ringsum und ich kann noch gar nicht glauben, dass sich das jetzt doch noch so entwickelt hat.

Ich habe mir fest vorgenommen die Schuldgefühle, Scham und schlechtes Gewissen bis nächste Woche wegzuschieben. Das können wir dann in der Therapie aufgreifen.

Jetzt erstmal: zur Ruhe kommen. Für heut und morgen gibt es Tavor zur Unterstützung, wenn ich möchte – das werde ich auch nutzen.

Denn auch wenn ich nicht umziehen muss, wird der morgige Tag schwierig. Dass da jetzt jemand anderer muss, dass da so viel Theater war, ob das jetzt auch bei allen noch rechtzeitig ankommt, dass ich bleibe und die Neue nebenan reinkommt, da Gefühl hier so nen Aufstand gemacht und viele verärgert zu haben usw, aber auch das innere Chaos, die Ängste, Verzweiflung, Überforderung, Hoffnungslosigkeit der letzten Tage – das braucht jetzt einfach nur Ruhe und Zeit.

Aber auch sonst – ich konnte erst gar nicht an der Rezeption vorbei – lief immer außen rum – dabei sind die nett – ja sie waren dann auch etwas genervt am Morgen – aber nichts im Verhältnis zu meiner Reaktion.

Also zwang ich mich zur Rezeption zu gehen, meine Post zu holen und nach meinen mp3-Player zu fragen, den ich irgendwo heute auf dem Weg verloren hab. Dort war er nicht. Er fand sich aber später an anderer Stelle wieder und so hab ich ihn jetzt wieder – Gott sei Dank!

Die nächsten Tage hab ich nur zweimal Phyiso, da die Ergo-Gruppe ausfällt. Diese Zeit werde ich nutzen wieder zur Ruhe zu kommen, wieder hier anzukommen, wieder das Gefühl von Sicherheit aufzubauen und dann nächste Woche quasi neu starten.

Denn was auch klar ist: mit der Therapeutin kann und will ich arbeiten. Das war mit das Schlimmste – zu merken, dass ich das da ja könnte, aber eben mit dem Umfeld, dem Kliniksetting, den äußeren Umstände der Klinik nicht klar komme. Mich das so massiv überfordert.

Auch wenn die Erleichterung groß ist, dass ich jetzt doch nicht umziehen muss – ist da noch ganz viel anderer Mist, der erstmal sortiert und irgendwann auch bearbeitet werden muss. Doch erstmal muss ich einfach wieder zur Ruhe und hier an kommen.

Dieser Beitrag wurde unter Beziehungen/Kontakte, destruktives Verhalten, Erinnerungen, Grenzen, kleine Schritte, Krisenmodus, Leben, Psycho-Somatik, stationärer Aufenthalt, Therapie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Klinik Tag 22 – sehr turbulentes auf und ab

  1. beate sagt:

    Herzlichen Glückwunsch – Du hast es geschafft, für DICH einzustehen!!!
    Das ist eine großartige Leistung!
    Klar hat es Dich viel Kraft gekostet, aber es hat geklappt – das ist die Hauptsache.
    Und dass die anderen genervt sind, ist IHRE Sache, sie hätten auch von vornherein etwas umsichtiger sein können – das wäre IHR Job gewesen – nicht Deiner.
    „Auf-die-Schulter-klopf“
    Weiterhin alles Gute
    Bea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.