Klinik Tag 12

Da hab ich mich doch glatt ab Tag 7 verzählt, den ich zum zweiten Mal als Tag 6 eintrug – und keiner sagt was ;).

Jetzt sind die Tage aber richtiggestellt – und es ist tatsächlich schon der 12 Tag heute – und ich frag mich wo die Zeit geblieben ist. Denn so wirklich angefangen haben wir noch gar nicht mit der Arbeit – also inhaltlich jetzt.

Heute hab ich mich entschieden, dass ich Straßenbahn-Fahren als Angsttraining hier aufnehmen möchte. Das hat zwei Gründe:

Öffentliche Verkehrsmittel gehen nicht. Da gab es lange Angsttraining und dann leider während des Angsttrainings einen Übergriff im Bus – damals auf dem Weg zur Thera (schon viele Jahre her). Ab da ging dann gar nichts mehr – einfach zu viele Baustellen.

Das „im Bus“, dann das Ein-/Aussteigen (weil ich mit den Treppen nicht klarkomme dort und mir 3x Kreuzbänder/Miniskus/Kniescheibe verletzt hab, weil ich versuchte auszusteigen), natürlich  die Leute, die Enge und das nicht jederzeit aussteigen können. Vom Übergriff dann mal abgesehen – ab da war auch Angsttraining nicht möglich, wobei da im Raum steht, dass das was retraumatisiert haben muss, also vermutlich noch was anderes mit reinspielt.

Wie auch immer.

Vor Jahren ging es dann darum, dass es eigentlich schade ist, dass wir in Göttingen keine Straßenbahn haben. Denn früher fuhr ich gern Straßenbahn – es ist eben einzusteigen, die Stationen sind in der Regel recht nah und es wäre denkbar, dass die Trauma-Sache da raus ist, so dass ich den „Angsttrainings-Anteil“  da eventuell angehen könnte.

Nun – hier gibt es Straßenbahnen. Heute wollte ich das versuchen – also wenigstens runter gehen usw. Das ist ja bei Bus schon gar nicht möglich – da bin ich dann schon dissoziiert bevor ich an der Haltestelle bin.

Und siehe da – dass kann wirklich funktionieren. Ich bin heute tatsächlich ein (zugegeben nur sehr kleines) Stück gefahren. Klar hab ich mich da übernommen, aber hey – es war Samstag und es war jetzt nicht wirklich – vorbereitet.

Was aber für mich das besondere war: es wurde klar: das kann wirklich hinhauen – und damit erweitert es natürlich für mich sehr deutlich den Radius – inklusive Einkaufsmöglichkeiten.

Gar keine Frage – das wird hart und anstrengend und auch sicher nicht der Hauptpart hier – aber es gibt immer wieder Tage, an denen ich nichts hab – und ja – da würde ich diese Möglichkeit gerne nutzen. Das werde ich am Dienstag mal ansprechen.

Mir wurde heute auch klar warum: im Moment ist der Frust hoch – die Gruppensache läuft schwieriger als gedacht, irgendwie hab ich grad keine „Erfolgserlebnisse“ – ein „habs probiert“ ist für mich halt keins. Und im Einzel ist es halt immer noch Kennenlernen und noch kein wirkliches Einsteigen.

Ich brauche irgendwas, von dem ich auch das Gefühl habe, dass es klappen kann. Dazu darf (muss es vielleicht sogar) auch anstrengend und schwierig sein – aber eben machbar. Die ganzen Gruppensachen sind halt – „überlebbar“, aber nicht wirklich so, dass es für mich ein Erfolgserlebnis ist – denn im Endeffekt klappt das alles ja nicht wirklich so gut.

Mal sehen, was die Therapeutin am Dienstag dazu sagt (dann muss ich ihr auch beichten, dass ich das heute recht spontan und unabgesprochen probiert hab – eben weil ich dringend irgendwie ein „geschafft“ für mich brauchte um dem Frust was entgegen setzen zu können – und immerhin weiß ich jetzt, dass das wirklich funktionieren könnte – als Angsttraining ohne von vorn herein hoffnungslos überfordert).

Ansonsten hab ich heut Vormittag glaub ich meine vorläufige Nordic-Walking-Runde gefunden – bis dann die mit den Steigungen von gestern machbar ist. Und ich glaub, ich weiß jetzt, warum ich mich immer so verlaufen hab.

Und da es wieder mal Probleme mit den Playlisten gibt, hab ich jetzt mal die wichtigsten als Ordner erstellt – also alle Lieder der Playlist in entsprechenden Ordner kopiert. Vielleicht klappt es ja damit – auch wenn dann die Musik mehrfach auf dem Player liegt.

Heut Abend werde ich noch versuchen wenigsten die Grundierung auf die Nägel zu kriegen, wobei – vielleicht belasse ich es beim Unterlack und mach den Rest lieber morgen – ist ja eigentlich schon recht spät für solche Aktionen (für mich) und morgen steht außer der Nordic-Walking-Runde nichts an.

Von daher lieber noch etwas in Ruhe lesen.

 

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2 Antworten auf Klinik Tag 12

  1. Ingrid, die Bastelmaus sagt:

    Das mit der Straßenbahn freut mich für Dich, liebe Ilana! Und wenn die Therapeutin auch nur ein wenig ihr Handwerk versteht, dann müsste sie Dich eigentlich loben! Aber ich bin ja keine….Also mach Dir ums Beichten mal keine großen Sorgen.
    Genieße den heutigen ruhigen Tag bei hoffentlich gutem Wetter und wenn nicht, dann ziehe Dich in Dein Zimmer zurück, höre Musik und lese ein wenig. Was für Bücher sind das dann? Krimis, (Liebes)-Romane, Landschaftsbeschreibungen o.ä.? Oder einfach „quer Beet“?
    Einen schönen Sonntag und eine erfolgreiche gute neue Woche wünscht Dir
    Ingrid

    • Ilana sagt:

      Naja groß Ärger nicht, aber es geht ja darum, dass ich NICHT über meine Grenzen gehe, drauf achte und am Samstag war das halt auch klar über die Grenzen und auch nicht gut vorbereitet – das zählt dann eher als selbstschädigendes Verhalten. Es geht auch darum nicht zu viel auf einmal zu machen – daher sollten solche Sachen vorher abgesprochen werden. Das war halt erst danach für mich wieder „denkbar“ – in der Situation war es einfach nur spontan und tatsächlich einfach zuviel. Aber mit Vorbereitung und einfach gezielter angehen, kann das hier Sinn machen. Ist aber halt auch gar nicht das, was die hier brauchen können – daher für die tatsächlich weit unten auf der Prioritätenliste.
      Bücher: puh – historische Romane, Fantasy, auch den einen oder anderen Roman – auch gerne mal Biographien usw. Muss mich halt ansprechen.
      Heute viel Ruhe und nach „Der Super Doc“ eine gemütlichere Nordic-Walking-Runde.

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