Tag 10

Die Ärztin und ich werden keine Freunde. Sie ist die einzige die auf Gruppe und Essen/Gewicht in die Therapie aufnehmen pocht.

Beides kann ich – aus ärztlicher Sicht – verstehen. Beides ist aber aus sehr gutem Grund hier NICHT Thema.

Gewicht natürlich schon – aber für mich. Das darf nichtt weiter hochgehen, ich möchte weitestgehend schauen dass das Essverhalten im Rahmen bleibt bzw den Richtlininen, die ich damals mit der Ernährungsberaterin erstellt habe möglichst nahe kommt (was hier auch umsetzbar ist) und natürlich steht weiterhin täglich Sport auf dem Plan – was ich bis auf zweimal auch durchgezogen hab – meist zusätzlich zu einem ausgedehnten Spaziergang. Nur gestern nicht, weil halt einfach halb krank und es reichte mir Mageninhalt hier im Zimmer zu verteilen – das musste nicht auch noch außerhalb sein. Also gab es nur eine kleine Runde (auch nur weil ich zur Apotheke musste, meine Medis abholen). Kam trotzdem auf deutlich über 3000 Schritte.

Tja und Sport in der Gruppe – auch wenn es ein Fitnessraum ist – ist sowieso völlig unmöglich – da nehme ich körperliche Befindlichkeiten überhaupt nicht mehr war und da hilft auch kein Trainingsplan, der in der Gruppe mit dem Trainer erstellt wird – eben weil da eh schon alles zuviel ist, ich nichts wahrnehme, kein Stopp setzen kann oder sagen was zuviel ist oder weh tut – und reden geht da auch nicht mehr – allso völlig für die Fisch.

Und da das tatsächliche Therapieziel ist eben Grenzen früher wahrzunehmen und zu WAHREN – ist das nun mal ein No-Go. Da hilft auch ein „da will ich mich auch gar nicht einmischen“ als Zusatz, wenn sie dann dennoch darauf pocht.

Physio einzel wollte sie erst nicht, weil das ist „hier“ ja nicht Schwerpunkt. Im Laufe des Gespräch stellte sich dann raus, dass sie das eigentlich nicht will, weil das meist auf passive Sachen rausläuft (Manuelle Therapie usw) – was für mich eh nicht geht – viel zu viel Berührung einer für mich Fremden – außerdem bringt mir das wirklich nichts – ich möchte gezielte Übungen für die hiesigen Bedingungen.

Im Endeffekt hat sie mir jetzt 6 Termine aufgeschrieben – die ja auch reichen sollten.

Ergotherapie hab ich nach etwa 15 Minuten Quälerei und immer weiter entfernen abgebrochen. Fing schon mit der Anfangsrunde an: wie es einem geht, was man hier machen möchte usw.

Dummerweise auch mit Nachfrage bei mir. Danach merkte ich dann, dass ich ja nicht weiß wo welche Materialien sind und was wie wo gemacht wird usw – sprechen aber im Gruppensetting nun mal nicht geht. Also erstmal kurz raus, runterfahren – und merken, das hat so keinen Sinn.

Vielleicht wenn erstmal 1-2 Einzel waren, ich weiß was ich wie machen kann, wo was liegt – und halt wirklich nur vor mich hin werkeln kann und nicht Sprache unumgänglich ist. Dazu kommt, dass wir alle zusammen an einem großen Tisch sitzen – also auch nicht die Möglichkeit die anderen auszublenden – da ja links und rechts und gegenüber wer sitzt. Morgen im Einzel also mal schauen ob ich das doch erstmal im Einzel oder in Kombination mit dem Einzel machen kann – im Einzel dann sozusagen klären was ich in der Gruppe mache, wo ich was finde usw – und dann da wirklich „nur“ machen müssen.

Ehrlichgesagt überfordern mich diese Gruppensachen hier massiv. Weit mehr als ich erwartet hatte – grade auch im Speisesaal. Mir war klar – wird schwierig, angstbesetzt usw – aber es fühlt sich an wie Hochleistungssport und Daueranspannung, aus der ich auch nur schwer wieder rauskomme und die schon anfängt, wenn es auf die Essenszeiten zugeht.

Ja ich krieg das hin – aber ich dachte ehrlichgesagt – es ist etwas – einfacher.

Aber es ist ja auch etwas, was mit der Zeit besser werden kann – grade das mit dem Speisesaal. Für anderes wird es Lösungen geben, die eine oder andere Idee dazu ist ja auch da.

Trotz der ganzen Schwierigkeiten – ich bin hier, weil ich was erreichen will. Für die vorgenommenen Ziele ist das mit den Gruppen nicht wichtig – und ich glaube nach wie vor, dass ich an meinen Zielen hier auch wirklich arbeiten – und was erreichen – kann. Dass es anstrengend wird, war mir vorher klar.

Alles in allem denke ich dennoch dass ich das hier gut nutzen kann. Und mit der Zeit auch die notwendigen Gruppensachen (Speisesaal, Visite usw) irgendwie gemeistert kriege. Das drumherum passt.

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