Klinik Tag 5 – Endlich Wochenende!

Gestern war ja dann schon etwas mehr Ruhe drin und ganz ehrlich – ich freute mich riesig auf das Wochenende.

Heute war außer morgens Medis abholen, Essen im Speisesaal und um 9 Termin bei der Pflege – nichts. Und ich genoss das sehr.

Pflegetermin ist quasi ein dort melden und mit denen reden. Nur dass ich schlicht nicht weiß, was ich da groß reden soll. Also bin ich meist nach 2 Minuten wieder draußen. Im Prinzip soll das die Scheu abbauen, damit ich mir leichter tu, mich dort zu melden. Allerdings hab ich kein Problem damit mich zu melden wenn etwas ist. Aber ich hab jetzt auch kein Problem mit diesem Termin. Von daher alles gut.

Ruhe hatte ich dann wirklich genug – und ich merke auch jetzt schon, dass das für den Körper auch grade sehr wichtig ist. Ohne Termine – nur mit Essen und Medis holen sind es knapp 3000 Schritte. Die sind auch kein Problem.

Ich war heute auch kurz spazieren – nicht weit und sehr gemütlich. Einfach nur mal raus. Da hatte ich den Schrittzähler allerdings am Ladegerät – daher wurden die nicht mitgezählt. Find ich auch gut, so weiß ich was eben mit absolutem Minimum so zusammenkommt.

Neben dem zur Ruhe kommen merke ich auch, dass ich mich mir wieder annäher – was zwar einerseits gut ist (und auch Ziel), aber manchmal auch nicht so angenehm. Es stehen in den nächten Tagen Termine an, die mich auch traurig machen.

Dann kam heute noch ein Päckchen von MissMutig – ich weiß ehrlich nicht was ich ohne sie machen würde. Sie hat mir auch die Rezepte geschickt. Jetzt fehlt nur noch eins – die anderen sind da – und ich hoffe das das fehlende dann am Dienstag eintrudelt, damit ich alle zusammen einlösen kann.

Heute hatte ich einen Alptraum von der Visite. Ich träumte, dass in der Visite entschieden wurde, dass die Schmerzmittel jetzt abgesetzt werden – wohlwissend dass ich da ja eh nichts sagen kann und mich damit auch nicht groß wehren.  Der Traum hat mich heute den ganzen Tag nicht wirklich losgelassen. Dabei ist das ja jetzt nicht wirklich realistisch und vor allem gibt es ja danach durchaus Möglichkeiten mich zu wehren.

Irgendwie ist das hier sein grad eigenartig, zwischendrin so „normal“ als wäre ich schon Wochen hier und dann wieder so völlig fremd. Wobei das „normal“ immer nur dann ist, wenn ich eben alleine bin und kein Termin wartet – und das andere, sobald ich mich quasi aus dem Zimmer begeben muss.  Ich schätze, ich brauch da einfach noch ein bisschen Zeit.

Insgesamt bin ich einfach wieder fitter. Nicht schon mittags völlig alle und nur noch aufs Schlafen gehen fixiert. Kann auch abends noch was lesen oder machen. Auch die Schmerzen werden langsam weniger (Ruhe halt, was nicht bedeutet keine Bewegung, sondern gemäßigte und achtsame Bewegung).

Die Nächte sind – im Rahmen – sag ich mal, dürfen gerne besser werden, keine Frage, aber es hält sich noch im Rahmen.

Mit den Mitpatienten hab ich so gut wie keinen Kontakt. Außer mal die eine oder andere grüßen (zumindest grüßend nicken) läuft nichts. Was hauptsächlich daran liegt, dass für mich Kontakt im Speisesaal nicht geht und außerhalb ist es gar nicht so einfach hier. Das ist vielfach doch an Gruppen gebunden.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich den Kontakt jetzt auch nicht suche – das hab ich in Kliniken meistens nicht gemacht. Der eine oder andere hat sich meist ergeben, aber es war immer eher wenig. Da ist meine Gruppenunfähigkeit leider doch sehr im Weg, aber auch, dass ich halt wirklich auch viel Ruhe und Auszeiten brauche.

Körperlich merke ich, dass mir die Hängematte fehlt – das lange Sitzen (ich wechsel ständig zwischen Stuhl, Hocker und sehr, sehr weichem Bett) mag der Rücken nicht so – aber das ist halt auch einfach eine Umstellungssache.  Sie fehlt aber auch durch das leichte Schaukeln und das „eingehüllt“ sein.

Im Prinzip ist heute das passiert, womit ich gerechnet und worauf ich auch gehofft habe: endlich etwas zur Ruhe kommen, vor allem auch körperlich – und auch etwas näher an mich ran rücken – nicht das permanente nach außen funktionieren (das war ja in den letzten Tage auch da wenn ich alleine war).

Dabei war mir durchaus klar, dass ein näher bei mir eben auch ein näher und spürbarer an Gefühlen dran sein bedeutet. Aktuell klappt das aber mit Ablenken soweit ganz gut.

Jetzt werde ich noch einen Film zu Ende sehen und dann schauen was ich mit dem Abend mache.

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