Klinik Tag 4

Heute hatte ich zum ersten Mal auch Ruhe. Ich meine damit nicht mal keinen Termin für ne Weile, sondern auch nichts zu organisieren, auszufüllen, klären oder sonst was.

Bisher war es ja eher so, dass ich zwar mal für ne Stunde aufs Zimmer kam, hier aber Fragebögen, Hausaufgaben und Sonstiges lagen, dass halt erledigt werden möchte. Und ja eine Hausaufgabe liegt immer noch hier und ich weiß jetzt schon, dass die Therapeutin sich das wohl anders vorgestellt hat – aber für meine Zeichenkünste reichen nicht aus.

Es sollte nämlich ein Lebensfluss sein – mit allen Ereignissen, die halt förderlich oder hinderlich waren (jetzt mal einfach ausgedrückt).

Soweit so gut – die Liste mit Jahreszahlen bekam ich noch gut hin, theoretisch auch eine Vorstellung wie der Fluss aussehen soll – aber über blieb irgendwie nur die Verzweigung. Im Kopf ist das Bild mit vielen vielen Steinen die eben im Weg liegen, aber ein Bach schafft das ja auch – und sucht sich da seinen Weg, wird mal enger, weiter, flacher, tiefer usw. Aber ich krieg das nicht umgesetzt zu Zeichnen – und so ist das eben nur mehrere verzweigte „Bahnen“, die sich auch mal wieder treffen – aber es hat gar nichts von Fluss oder so.

Ist dann halt so – ich werde das Wochenende versuchen, ob ich die aktuell ja eher gleichbleibenden Bahnen noch etwas „angepasst“ kriege. Ansonsten halt nicht.

Aber ich merke vor allem, dass es diese Ruhe war, die fehlte – das einfach mal nichts tun müssen, nichts regeln, klären oder suchen (außer dem Tante-Emma-Laden gibts hier nichts für mich erreichbares und so musste dann doch einiges bestellt werden. Wer denkt auch dass ein LAN-Kabel oder HDMI-Kabel nötig ist, oder Seife, destilliertes Wasser und Inkontinenzeinlagen schlicht nicht zu kriegen sind (fürs Wasser zahl ich ja auch in der Apotheke, die Einlagen würden da leider so ziemlich mein ganzes Budget aufbrauchen, daher doch lieber bestellen). Mittlerweile hab ich alles Nötige, muss nicht mehr mit Shampoo Hände waschen, Internet geht auch dank LAN-Kabel, Getränke, Äpfel und Bananen sind gekauft.

Und was ganz Tolles: der Laden hat echt nur das allernötigste – aber er hat Pfefferminzeis! Sucht man sonst in so Läden ja vergeblich. Ok – die Preise sind dann doch auch so als würde mal zwei Kugeln kaufen, aber hey – Pfefferminzeis! Das wird definitiv eine der Belohnungen für  besondere Leistungen.

Im Großen und Ganzen ist es ok. Heute war der Termin beim „Leiter“. Davon gibt es zwei und ich bin eigentlich der anderen zugeteilt, die ist aber heute nicht da, also war  Begrüßung/Erste Visite eben beim anderen. Schiss hatte ich da deshalb sehr, weil ich ihn von einer anderen Klinik kenne und da klappte es zwischen uns gar nicht – das war eine der großen negativen Erfahrungen damals. Allerdings war mir auch klar: andere Klinik, anderer Ansatz, ich mit anderem Namen – er wird mich also nicht erkennen und so können wir neu starten. Trotzdem – Angst war da.

War dann aber ganz ok – zumal eben diese erste Visite auch alleine ist. Sonst sind Visiten alle 14 Tage mit vielen Leuten – da muss ich noch klären wie wir das machen. Wenn sie Antworten wollen, braucht das klar ein anderes Setting – mal sehen.

Dieses einfach mal 2 Stunden Zeit haben, ließ auch erstmals ein „so langsam kann ich ankommen“ aufkommen. Nicht nur hier in der Klinik, sondern auch bei mir. Mal durchatmen.

Heute hab ich außer Abendessen nur noch zwei Termine in der Pflege – einmal geht es darum, dass sie mir deren Notfallkoffer vorstellen (da könnte man sich dann auch Sachen mal holen  bei Bedarf) und abends dann noch mal Pflegekontakt, da kann ich mir immer noch nichts drunter vorstellen, aber dafür ist der dann die nächste drei Tage auch um neun am Vormittag und nicht abends um acht – das ist mir einfach zu spät.

Ansonsten werden abends manchmal Gruppen angeboten: Medidation, Qi Gong, Kunsttherapie, Singen usw, zwischen 17 und 19 Uhr ist aber auch der Ergoraum offen – so dass man den nutzen kann, wenn man möchte – und sollte man was machen wollen, was sonst eingeschlossen ist, reicht ein Zettel hingelegt und es liegt für einen beim nächsten Mal bereit. Am Wochenende ist der Raum wohl ganztags offen und nutzbar.

Ehrlichgesagt freu ich mich aufs Wochenende – weil dann halt wirklich außer dem Pflegetermin nur Ruhe ist. Dann komm ich auch mal zum Stricken, Lesen oder sonst irgendwas von den zig Sachen, die ich mir als  Beschäftigung mitgenommen habe.

Nächste Woche hab ich – vermutlich wegen dem Feiertag Montag auch nur zwei Theratermine, einmal Ergo (Gruppe – ist eher ein Versuch), eine Einführung Körpertherapie und ich glaub noch eine in – weiß ich grad nicht – und halt täglich Pflegetermin – also deutlich überschaubarer und ich glaub das ist für mich auch gut so – auch wenn ich den dritten Theratermin schon gern gehabt hätte.

Seit ich den Wandplatz im Speisesaal habe, geht auch das deutlich besser.

Was bisher zumindest so war ist klar, dass hier alles auf Trauma ausgerichtet ist – für mich merk ich das am deutlichsten, dass ich eben nicht irgendwie angesprochen werde, wenn ich im Speisesaal mit Kopfhörern sitze (oder in der Ergo) und dass es weitestgehend kein Problem ist wenn ich sage, dass Sprechen halt nur im 1-zu-1 Kontakt wirklich geht (jetzt Small-Talk und Co mal ausgenommen).  Natürlich wird irgendwie auf Gruppen hingearbeitet – aber es verlangt auch keiner mehr, als es eben zu versuchen – was für mich dann auch ok ist.

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass so viel vor Ort nicht zu kriegen ist. Andererseits hätte ich eh nicht alles auch mitbringen können. Für die meisten Sachen hab ich da jetzt Lösungen gefunden (Internet sei Dank kann man ja wirklich das Meiste auch liefern lassen). Genauso hab ich nicht mit gerechnet, dass vieles halt „verboten“ ist – so darf Handy nur im Zimmer oder außerhalb der Klinik genutzt werden – was im Prinzip kein Problem ist, wäre es nicht mein mp3-Player.

Aber ehrlichgesagt hält sich eh keiner dran und so hab ich halt Klingeltöne aus (und vergesse abends regelmäßig sie wieder anzumachen – für eventuelle oder ausgemachte Anrufe). Noch keine Lösung hab ich für Alarme – also rechtzeitig erinnern lassen für Termine. Da kann ein vergessen wieder auf laut zu schalten problematisch werden und da muss ich noch sehen wie ich das vielleicht geregelt kriege.

Überlege da aktuell, ob ich mir die Uhr nicht einfach nochmal kaufe (Uhrband hab ich dann ja jetzt in ausreichender Länge hier) – sie hat zwei Alarme, die dann hier auch reichen würden – einfach immer für die nächsten zwei Termine eingestellt. Mal sehen.

Bisher kann ich nichts Schlechtes über die Klinik sagen. Ich bin ganz optimistisch, dass ich das hier für mich gut nutzen kann.

 

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