Thera heute

Es ging um die Familie. Auslöser dafür war seine Frage, ob ich denn wirklich Zweifel habe, ob das alles (so) passiert ist. Obwohl der Vater es doch zugegeben hatte.

Und ja – die Zweifel sind da. Die Frage, ob ich mir, wie meine Mutter in ihrer Zuckerwattenwelt, eben auch eine Art „Realität“ geschaffen habe, die mit der eigentlichen nichts zu tun hat.

Vielleicht sogar vermischt mit einer verqueren Art vom Münchhausen-Syndrom.

Ich kenne es ja so – es wird eine Realität geschaffen, die mit der eigentlichen nichts zu tun hat. Aber an die so sehr geglaubt wird, dass es die einzig „wahre“ wird.

Da kommt bei mir dann nicht an, dass ja Flashbacks, Körpererinnerungen oder auch sonst mein Verhalten doch eigentlich sehr deutlich sind – weil das ja dann irgendwie dazu gehört.

Es kommt auch nicht an, wenn der Thera (und auch jeder davor) sagen, wie sie es sehen, empfinden, wahrnehmen. Im Endeffekt sind immer beide verwirrt – der eine, weil er nicht versteht, warum da Zweifel sind und ich, weil ich irgendwie nicht klar machen kann, dass es nichts gibt, was diese Zweifel ausräumen kann. Keiner kann es wirklich wissen.

Was das heute für mich im Alltag bedeutet, fragte er dann. Nichts. Wenn ich keinen Kontakt mit der Familie hab, ist das außen vor. Nicht weil die Zweifel nicht da wären, sondern weil ich heute soweit bin, dass ich das aktuelle sehe: da ist ein Problem/Flashback/Körpererinnerung/was auch immer – das mich einschränkt, dass ein normales Leben unmöglich macht – und  ich möchte daran arbeiten, dass es mich nicht mehr so einschränkt, ich mich davon befreien kann.

Und in dem Moment ist es egal ob das damals real war oder nicht – es geht nur darum die aktuelle Einschränkung zu bearbeiten.

Das war ein langer Weg dahin.

Ich merke im Moment an vielen Ecken und Enden, dass der Kontakt zur Familie nicht gut ist. Damit mein ich nicht den Kontakt zum Bruder – sondern das drumherum. Auch wenn ich nicht direkt mit der Mutter zu tun hab, ist das Thema im Raum, da der Bruder grade dort wohnt. Es ist quasi nicht möglich das voneinander zu trennen – denn sie sind aktuell in seinem Leben sehr wichtig und notwendig.

Dazu kommt, dass das ganze halt bewusst macht wie  „verquer“ unsere Beziehungen sind. Wie anders und – unnormal. Wie seltsam und auch ungut.  Und wie sehr das schon unsere Beziehungen und Kontakte miteinander einschränkt. Aber noch mehr, wenn halt für den einen der Teil der Familie, mit dem ich gebrochen habe und auch der, der daraufhin mit mir gebrochen hat so unglaublich wichtig grade ist.

Was ja auch gut ist – ich bin froh ihn versorgt zu wissen.

Heute ging es dann auch darum, wie das grade ist – nicht nur für mich – auch für die anderen. Dass es kein wirkliches Gesprächsthema gibt, weil über allem immer eine Drohung hängt – von einer dritten Person – der Mutter. Zu merken, wie im Kontakt diese Macht da ist, die sie hat – über unseren Kontakt – ohne dass sie dabei ist.

Mir ist einiges klarer geworden.

Und die Zweifel – sie waren nie weg, sind immer da. Meist mehr im Hintergrund, aber durchaus bewusst. Und wenn das Thema Familie auftaucht immer auch mehr im Vordergrund.

Mein Bruder sagte einen Satz: Du warst dann in einer anderen Welt zu der ich keinen Zutritt hatte. Das stimmt und stimmt auch nicht – ja ich habe die bekannte (Zuckerwatten-)Welt verlassen, mich geweigert da weiter mitzuspielen, mich weiter manipulieren zu lassen. Und es stimmt auch, dass er da keinen Zutritt hatte – aber nicht weil ich ihn verwehrt hab, sondern weil das bedeutete, sich eben genau damit auseinanderzusetzen, dass das bekannte, manipulative eben nicht gut ist. Weil es bedeutet hinzuschauen – und dann wird man vor die Wahl gestellt: mitmachen oder gehen.

Gehen heißt nicht nur den Kontaktabbruch zur Mutter (die ja hier grad das Problem ist), sondern auch zum Vater und zumindest einen Teil der Geschwister, für die die Mutter bis heute „heilig“ ist  – und das ist nicht übertrieben  formuliert oder so – sie ist ihnen wirklich heilig.

Das geht nicht zusammen mit einem hinschauen und die Spielchen eben nicht mehr mitmachen. Gleichzeitig ist ein mitmachen nach einem hinschauen kaum noch richtig möglich.

Ich habe mich auf die Suche nach einer Realität gemacht, die eben auch real ist – und nicht nur im Kopf eines Menschen. Habe versucht rauszufinden, was ich mag – und nicht was ich bisher zu mögen hatte. So banal das klingt – ich saß manchmal da, aß etwas und fragte mich ob ich das wirklich mag, oder ob das eben so ein „hast du zu mögen“ war. Das war in vielen Fällen für mich nicht beantwortbar.

Auch das war ein sehr sehr langer Weg.  Ich lebe in einer anderen Welt als meine Familie. Dazu hab ich mich bewusst entschieden und der Ausstieg war sauschwer.

Bereut hab ich ihn nie. Was ich aber bereue ist, dass es eben nicht nur der Abbruch zu den Leuten die es betrifft ist, sondern dass es auch bedeutet dass manche Brüder nichts mehr mit mir zu tun haben wollen – habe ich doch ihre heilige Mutter beleidigt und verletzt.

Das war mir auch vorher schon klar. Was mir aber aktuell wieder klar wurde ist, dass auch ohne direkten Kontakt – die Mutter mit unglaublicher Macht die Beziehungen und Kontakte beeinträchtigt und teilweise beherrscht.

Das find ich erschreckend. Auch wenn das nicht neu ist oder so – war das halt in den letzten Jahren nicht wirklich Thema.

Es macht mich auch traurig. Ich habe viele Geschwister und doch keine Ahnung wie es sich anfühlt wirklich Geschwister zu haben, weil wir eigentlich alle keine wirkliche Beziehung zueinander hatten – das war auch nicht gewollt. Außer man spielte zu 100% in der Zuckerwattenwelt mit und kam nicht mal auf die Idee da etwas in Frage zu stellen.

Für mich wurde deutlich – es tut mir nicht gut. Es löst alte und destruktive Verhaltensweisen aus – und auch wenn ich das direkte Selbstverletzen hinter mir gelassen hab, ist das indirekte nach wie vor da. Und auffallend ist – immer beim Thema Familie krieg ich das auch nicht so wirklich in Griff – was mir sonst ja schon gelingt.

Im Moment also: achtsam sein, sich dessen bewusst werden, gut für mich sorgen und darüber in Kontakt bleiben, hinschauen und versuchen etwas früher  gegenzusteuern. Aber estmal es überhaupt merken und formulieren.

 

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