Thera heute

Es ging heute darum mal herauszutreten und zu schauen wo wir stehen, was los ist, ob sich da was (destruktives) wiederholt oder ähnliches. Weil in letzter Zeit viel Angst da war. Angst dass mein Verhalten dazu führt, dass der Thera die Therapie beendet.

Angst die vom alten Thera kommt, aber auch von früher und dass sich einige vermischt.

Der alte Thera hatte die Kontrolle verloren, sich verzettelt, konnte mich nicht mehr als Patient sehen, weil er grade mit sich selbst beschäftigt war und sich bei unserer Arbeit einfach verzettelt hat, das nicht mehr klar getrennt bekam, den Überblick und die Kontrolle verlor und immer erst im Nachhinein merkte, dass er was machte, was er eigentlich nicht will.

Diesmal bin ich sicher, dass der Thera die Kontrolle hat, er weiß was er tut, kann das Ganze und auch mich sehen. Aber ich hab die Kontrolle verloren. Es passiert so viel grade und ich kann das nicht einordnen, kann es nicht fassen und fühle mich wie hinter einer Wand. Dahinter tobt es und klärt sich einiges und wühlt auf und arbeitet – ich krieg mal nen Schnipsel mit, aber nichts – fassbares. Dafür krieg ich die Konsequenzen ab. Fühl mich durcheinandergewirbelt und außen vor – kann irgendwie nur reagieren und verstehe überhaupt nicht was los ist oder warum dieses oder jenes grad so hochkocht.

Und ich hasse es, wenn ich das nicht weiß, wenn ich es nicht kontrollieren kann. Fühle mich unberechenbar – etwas was für mich doch eher – neu – ist. Und ungut.

Dabei geht es nur um die Gefühle und ums hinschauen. Nach außen hin funktioniere ich.

Letzte Woche gab es ein Geräusch. Und ich schon tagelang Panik, dass der Thera die Therapie beenden wird. Weil es da einen Zusammenhang beim alten Thera gab (auch wenn der eher zufällig war und das Geräusch NICHT der Grund dass es dann so lief wie es lief).

Trotzdem – ich schaffte es nicht ihm eine mail zu schreiben und zu fragen. Weil ich wusste, dass ich mit der Antwort nicht klar komme.

Ende der Woche dachte ich, es sei jetzt für mich ok. Aber gestern merkte ich, dass ich diese Frage wieder nicht stellen konnte – in der mail. Stundenlang ging es hin und her – aber wenn sie drin war, war es mir unmöglich die mail abzuschicken – also nahm ich sie immer wieder raus.

Als der Thera dann heute sagte, dass er weitermachen möchte – merkte ich erst, wieviel Druck da war – sofort schossen die Tränen in die Augen – so wie ich es nach Panikattacken kenne – wenn die Anspannung, der Druck nachlässt. Mich hat meine Reaktion sehr erschreckt, aber auch klar gemacht, dass das Thema für mich sehr viel präsenter war, als mir bewusst war.

Auch als er am Ende des Termins das nochmal wiederholte, war die selbe Reaktion.

Es ging auch darum mit was diese Ängste alles verknüpft sind – und das ist grad sehr sehr viel. Das Ende der letzten Thera, das Gefühl keine Kontrolle zu haben (was auch diese verdammten „2 Wochen“ vom vorletzten Jahr massiv antriggert), dann auch damals die Therapause während der Klinik, die Angst „ihn zu verärgern“, der Klinikaufenthalt, der geplant ist (weil der ja in dem Klinikaufenthalt damals eigentlich entschieden wurde), das „nicht genügen“ (sowohl in der Thera aber auch speziell dann für die Klinik), natürlich auch noch jede Menge alter Mist, Situationen in denen es darum ging, dass Gefühle zu „sehen“ bestraft wurde usw usf. Es ist einfach nur eine riesen Menge – kein Wunder, dass es völlig überfordert.

Was ich heute sehr hilfreich fand war, dass der Thera seine Sicht der Ding b (also wie es läuft, wo es hakt, was die Hürden sind aus seiner Sicht – vor allem bei Zulassen usw) sagte. Das tut er sonst nie – was für mich schwierig ist – weil für mich diese Sicht von außen wichtig ist. Sie ist für mich eine Abgleichmöglichkeit mit der Realität – oder auch wie weit ich selbst das grade mit altem vermische oder nicht.

Insgesamt war der Termin sehr intensiv und spannungsgeladen. Mit – für mein Gefühl – viel zu viel Gefühl und Tränen (die natürlich nur innerlich da war, nach außen geht ja grad gar nicht).

Aber ich fand da heute ein Bild, dass ganz gut passt zu den letzten Wochen. Es ging darum, dass es so ein bisschen wirkt, als wollte ich mit dem Kopf durch die Wand. Dabei sehe ich das nicht so.

Das Fass (mit den Gefühlen) ist rappelvoll. So voll, dass das Wasser schon diese kleine Kuppe, diese Oberflächenspannung bildet oben, bei der ein Tropfen reicht um dann alles zum überlaufen zu bringen.  Was ich (oder eher wir) versuchen ist gegen dieses Fass (Wand) zu schlagen – so, dass es ins Wanken kommt und eben oben was überschwappt. Damit wird ein bisschen was abgelassen und somit ist wieder ein klein wenig mehr Platz als vorher.

Ich erwarte kein Eintauchen oder Umwerfen, auch kein Leeren – aber im Moment ist dieses bisschen Platz schaffen das, was es mir dann unter der Woche leichter macht bis zum nächsten Termin zu kommen.

Es geht nicht mal um ein Erzwingen. Ein Teil hofft natürlich dass so viel Druck raus geht, dass ein Zulassen von Gefühlen maximal zu Tränen führt. Im Moment ist klar – wirklich zulassen geht nicht – weil es nicht bei Tränen bliebe. Und auch nicht bei Bewegung.

Und Geräusche – tja sind immer noch tabu – mehr noch – allein der Gedanke löst unglaubliche Panik aus. Ich weiß woher es kommt, dass Gefühle nicht sein dürfen – und auch Tränen. Aber das mit den Geräuschen ist mir nicht klar. Da steckt noch was anderes dahinter.

Ich kann es mir nicht mal vorstellen – oder dem nachgehen oder drüber nachdenken – schon weit vorher ist da nur Panik und Blackout.

Mir ist es ja schon zu viel wenn ich die Hände verkrampfe oder gar hochnehme und vor die Augen halte – viel zu viel Bewegung, viel zu viel sichtbar. Dennoch passiert es – weil es immer noch das kleinere Übel ist.

Da arbeiten wir grad dran.

Es ging dann auch darum wie ich die nächsten zwei Wochen hinkriege/gestalte. Da hab ich mir ja ausreichend Beschäftigungstherapie besorgt. Natürlich hab ich Angst vor diesen 2 Wochen. Aber ich weiß auch, dass es „nur“ Angst ist, dass es keine reelle Gefahr gibt oder so – dass ich diese zwei Wochen schon hinbekomme. Es wird nicht einfach, aber machbar ist es durchaus.

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