Thera heute

Es ging um Mitgefühl für das Kind von damals und um bagatellisieren und ob ich – auch wenn man Biographien nicht vergleichen kann – da mal verglichen habe.

Oder ob ich jemand kenne, bei dem ich denke, der hat es schlimmer getroffen (ja viele!).

Bei der Frage bin ich dann auch bei einer Situation mit einem anderen Mädchen hängen geblieben, da denke ich auch für sie war es schlimmer. Allerdings konnte ich das zu dem Zeitpunkt nicht greifen, merkte nur da brodelt was.

Es war auch klar es ist eine Situation – aber es geht weniger um die Situation und – naja – alles sehr wage.

Als wir dann da genauer schauten war die Situation schnell klar, auch um was es ging und bei der Situation sind wir dann hängen geblieben. Also versuchten wir mit der Situation zu arbeiten, was auch erstaunlich gut gelang. Vor allem neu für mich war, dass ich auch sprachlich in Kontakt bleiben konnte – jetzt keine Romane oder Beschreibungen der Situation, aber schon wo es grad hakt oder auch Fragen beantworten usw.

Da es irgendwann einfach nicht mehr gelang, die Situation zu stoppen (war kein Flashback, die lief halt als Dauerschleife so halt im Hintergrund), haben wir uns darauf konzentriert – und mit etwas Distanz dazu kamen auch Tränen und einiges an Gefühl. Auch Schuld – weil ich im Endeffekt sauer auf das andere Mädchen war, wegen ihrem Verhalten, wohl wissend, dass sie ja auch nur Opfer war und sich eigentlich völlig normal verhalten hat.

Vielleicht war es auch eher so, dass sie mir dadurch vor Augen führte, wie anders ich da schon war, wie kaputt und von Tätern „dressiert“.  Vielleicht war es eher die Traurigkeit darüber, die dann hochkam.

Auf jeden Fall sehr aufwühlend, aber auch intensiv und wir sind auch voran gekommen.

Der Thera bot dann an, dass wir uns Freitag nochmal treffen könnten, weil er nächste Woche ja weg ist. Was ich auch dankend annahm (ok, nach einigem Kampf mit „verdien ich nicht und will ihn ja nicht nerven usw usf – kennt man ja schon).

Wieder zu Hause merkte ich, dass es immer noch rumort, dass die Situation – die ja in einem größerem Kontext (Abend) integriert war, sich mischt – also nicht bei dem Teil blieb, sondern eben der ganze Abend mit all  dem Mist durcheinander wirbelte.

Also aufgeschrieben, eigentlich ging es hauptsächlich um einen Askpekt, aber am Ende der mail war es dann halt doch nochmal dieser Abend in verschiedene Abschnitte aufgeteilt. Also eher ein Sortieren für mich.

Interessant war, dass für mich diese Situation zwar schlimm ist, aber es kein Mitleid mit dem Kind von damals gibt – weil sie mit 13 ja „kein Kind“ mehr ist. Was ich ja bei jedem anderen schon so sehe. Da haben wir wohl noch einige Arbeit vor uns.

Im Moment klappt das aber ganz gut – alte Situationen, die nicht mehr als Flashbacks laufen, also soweit bearbeitet sind, zu nehmen und die Gefühlswelt da anzuschauen. Das klappt aktuell ganz gut.

Dabei geht es gar nicht darum diese Situationen als Auslöser zu nutzen, sondern tatsächlich zu schauen, was da noch offen ist. Und wenn dann – wie heute – sich doch noch mal zeigt, dass die Situation noch nicht ausreichend bearbeitet ist, das nachzuholen – und zwar so, dass wir danach einen guten Abschluss finden.

Hoffe, das bleibt so.

Von daher ein sehr intensiver und anstrengender, aber auch guter Termin.

Was mich daran am meisten freut, ist zu merken, dass es auch wieder geht. Dass wir mit sowas auch wieder arbeiten können, es nicht schon vorher in Überforderung endet. Sondern dass da wieder Boden unter den Füßen ist, der für sowas auch ausreichend ist.

Vor einem halben Jahr wäre das völlig unmöglich gewesen. Es geht also aufwärts, auch wenn mir das nicht immer bewusst ist.

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