sein

Ich bin sehr weit weg von mir, merke, dass in mir Trotz (ihr kriegt mich nicht klein!) und das Ringen um ein halbwegs normales Essverhalten kämpfen.  Ein Teil denkt, es doch erstmal laufen zu lassen, bis genug runter ist, damit das mit der Klinik klappt, ein anderer weiß, dass es damit nicht getan ist, dass selbst wenn das klappen würde, es dann vor Ort Probleme gibt, weil der Körper dann jetzt auf Sparflamme läuft und dann ja wieder normal essen soll/muss und damit zwangsläufig zunimmt – damit ist das Problem ja wieder da.

Also schieb ich einfach jedes Denken und Fühlen weit weg. Hab mich irgendwo tief in mir verkrochen.

Je weiter weg von mir, desto weniger nehme ich auch Hunger oder so wahr – und heute war es noch nicht gut. Das weiß ich und ich kann mit dem Verstand gegensteuern – eben noch ein warmes Essen machen und essen.

Das weit weg sein ist grade Schutz, es lässt mich – wieder – funktionieren. Zumindest solange nicht zu viele Anforderungen an mich gestellt werden.

Mir ist durchaus klar, dass dieses „besser“ trügerisch ist – oder zumindest sein kann. Dass ich mich auch irgendwann dem ganzen stellen muss.

Vor allem der Frage, ob diese ganze Situation die Klinik für mich „vergiftet“ hat, ob selbst wenn das mal nicht mehr Thema sein wird, es dennoch wie eine Mauer jedes Einlassen unmöglich macht. Denn es wäre ja nach wie vor so, dass regelmäßiges Wiegen und kommentieren jeder Schwankung nach oben oder unten bliebe. Ich weiß nicht, ob ich das dann getrennt kriege.

Und ja auch da weiß ich, dass sich altes mit reinmischt, eine mehr als nur schlechte Erfahrung in einer anderen Traumaklinik – zumal diese ja Verknüpfungspunkte mit der damaligen Klinik hat.

All das muss ich klären, doch das geht – noch – nicht. Die Gedanken sind aktuell eher abstrakt – so als hätte das alles nichts mit mir zu tun, wären nur unzusammenhängende Gedankenspiele.

Im Moment geht es darum im Moment zu bleiben, im Augenblick. Es geht um Ablenken und für einen Körper sorgen, der nicht meiner zu sein scheint. Und gleichzeitig darauf zu achten, dass es in einem vertretbaren Rahmen bleibt.

Aber ich weiß auch, dass ich das hinbekommen werde.

Kürzlich las ich einen Spruch:

Egal wie lange ich schlafe, die Müdigkeit geht nicht weg.
Ich bin müde vom Leben, müde vom Kämpfen, müde vom Durchhalten.

Auch ich bin müde. Also stolper ich weiter müde vorwärts. Wie immer halt.

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