wie es ist

Seit ein paar Tagen schon ist wieder sehr große Lust auf den Crosstrainer da. Das Wollen war zwar immer da, aber allein der Gedanke war dann schon – überfordernd – körperlich. So war es zwar ein wollen, aber gleichzeitig auch Traurigkeit oder Resignation, weil das so weit – weg war. Unerreichbar.

Dann wurde ja alles was mit Kondition zu tun hatte von ärtzlicher Seite gestrichen. Weil es regelmäßig zur körperlichen Extremzuständen führte, ich mich  ständig übernahm und gleichzeitig hier die Grenze erst merkte, wenn ich drüber war. Da das – v.a. körperlich – ein Risiko war, wurde das gestrichen. Mit dem Physiotherapeuten erarbeitete ich mir zwar ein Programm mit Übungen mit Widerstandsbändern, das ich auch durchzog, aber es war immer eher eine Erinnerung dafür, was ich nicht darf/kann.

Langer Rede, kurzer Sinn: ich bekam das ok für 2x 3 Minuten (mind mind 6 Stunden Pause). Und ganz ehrlich, ich fand das lächerlich, dachte, er will mich verarschen. Aber es war sein Ernst.

Und ich merke – er hat wohl recht. Meine Kondition ist absolut bei Null – selbst ein halbes Stockwerk führt schon zu heftiger Atmen. Das war mir ständig ein Dorn im Auge, so kenne ich das von mir nicht, so mag ich das auch nicht.

Die 3 Minuten machen Spaß, ja ich bin außer Atem (hoffentlich nicht mehr lange), aber ich kann es dabei nicht – übertreiben. Und so stürze ich mich auf die 3 Minuten. Es mag wirklich lächerlich wenig sein, aber es ist ein unglaublich gutes Gefühl – einfach wieder – zu können.

Vermutlich würde ich mich wirklich weiterhin überfordern – ehrlichgesagt hätte ich unter 10 Minuten nicht mal angefangen. Und es fällt manchmal schwer nach 3 Minuten aufzuhören.

Ziel war – dass ich danach zwar außer Puste sein darf, aber das Gefühl haben sollte, dass ich gleich weitermachen möchte.

Ich fand – und finde – da meine Grenze nicht – den Moment, in dem es dann so extrem kippt, dass der Körper völlig streiken muss. Und ich denke auch nicht dass diese bei 3 Minuten erreicht wird. Aber so banal es klingt – es war ja ab und an auch schon nach 5 Minuten und von daher macht es mit 3en schon Sinn. Und wenn wieder eine Grundkondition da ist, merke ich vielleicht auch irgendwann wieder meine Grenzen.

Bis dahin werden sie von außen gesetzt. Und wenn es sich um lächerliche 3 Minuten handelt.

Es ist schon erstaunlich wie glücklich mich diese 3 Minuten machen. Wie gut sie mir tun.  Und ich hoffe, dass es anhält.

Ansonsten – ich fühl mich irgendwie wie in einem leeren Raum. Orientierungslos, aber es gibt eben auch keine Orientierungspunkte. Ich lebe einen Tag nach dem anderen, manche sind sehr schwierig, da beuteln mich Flashbacks, Körpererinnerungen und es vermischt sich Altes mit Heute, manche sind fast frei davon, fast nur im hier und jetzt, in der Ablenkung, wieder andere sind ein Drahtseilakt zwischen Gefühle nicht ganz verdrängen/etwas näher bei mir sein/bleiben und nicht in irgendein Extrem kippen (sei es eher Richtung selbstschädigendes Verhalten, weil ich was mache, mit dem ich mich total übernehme oder auch dann doch zu sehr wieder Richtung Flashbacks und Co rutsche).

Meistens bin ich weit weg von mir – viel Ablenkung, so wenig „muss“ wie möglich. Aber ich kann mittlerweile auch näher bei mir sein und trotzdem einigermaßen klar kommen. Es ist wechselhaft – und insgesamt sicher immer noch schwierig. Aber es ist – machbar. Aushaltbar. Auch ohne ständiges Abschießen oder ähnliches.

Es ist – besser. Mit noch sehr sehr viel Spielraum nach oben, keine Frage, aber es scheint sich endlich auch eine gewisse Grundstabilität zu entwicklen. Ich krebse nicht mehr ständig unten herum, am Boden, von Kleinigkeiten gefällt, ich komme immer häufiger auch mal wieder auf die Beine. Noch weit weg vom weitergehen, aber es ist eine Art – vorwärts stolpern und nicht mehr ein am Boden liegen, ohne Kraft wenigstens den Kopf zu heben.

Ich stolper und falle immer noch regelmäßig, aber es werden immer mehr Schritte dazwischen, es ist wieder etwas einfacher sich aufzurappeln. Es ist – trotz fallen – ein vorwärts – und vorankommen.

Vermutlich kann nur jemand nachempfinden, was das bedeuten kann, der das selbst erlebt hat.

Vielleicht machen mich deshalb diese 3 Minuten so glücklich – weil sie wieder möglich sind. Denn sehr sehr lange – viele viele Monate – waren sie das eben nicht. Weil die Kraft dafür gar nicht da war. Nicht nur körperlich, auch psychisch.  Und jetzt geht es wieder. Es ist nur wenig – und für Außenstehende sogar lächerlich wenig – aber es ist ein Anfang.

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