Trinken

Trinken: das ist in den letzten Tagen ziemlich eskaliert. Trinken ist oft schwierig. Als Kind wurde jeder Schluck begutachtet und bis 16 Uhr reingezwungen. Ab 16 Uhr durfte ich dann gar nichts mehr Trinken. Selbst für die Tabletten gab es nur einen kleinen Schluck.

Bis heute ist es so, dass ich vor allem abends Durst habe – egal ob ich tagsüber viel oder wenig getrunken habe. Ist auch ok heute, kann ich akzeptieren und hinnehmen.

Die letzten Jahre war es Gott sei Dank so, dass es mit dem Trinken ging. Es gab schon Phasen, da konnte ich keinen Schluck runterkriegen ohne mich zu übergeben – manchmal ging dann flüssiges Essen, also Suppen, Kaltschalen usw – manchmal auch das nicht und im Endeffekt lief es häufiger dann auf eine Infusion hinaus. Doch das glaubte und glaube ich hinter mir gelassen zu haben.

Es war zwar immer wieder mal so, dass Trinken schwieriger wurde, aber es war ok – und dadurch, dass ich dann halt auch Sachen trank, die ich mochte (hauptsächlich Schorlen), konnte ich auch die Trinkmenge so halten, dass es eben reichte. Mal mehr mal weniger, aber immer so, dass es reichte.

Mir war klar, dass es mit dem Wasser schwieriger wird. Nicht gerechnet habe ich, dass es phasenweise richtig triggert. Dass es plötzlich nach Zahnpasta schmeckt (als Kind mussten wir immer aus dem Zahnputzbecher im Bad trinken, das schmeckte immer nach Zahnpasta), obwohl es nie mit irgendwas in der Richtung in Berührung kam oder der Gedanke zu trinken wieder so – eskaliert.

Im Endeffekt hab ich das mit dem Wasser jetzt erstmal zurückgestellt – es gibt Cola Zero, weil das nun wirklich nicht nach Zahnpasta schmecken kann (warum auch immer) und weil es immer noch wenigstens kalorienfrei ist (und ich die Hoffnung habe, dass das mit dem Wasser bald wieder klappt, wenn ich den Druck raus nehmen).

Es ist – genug, ausreichend, ich krieg damit genug runter. Und wenn dann abends (meist nachdem ich das CPAP-Gerät aufgesetzt habe), Durst da ist und eben nur Schorle geht, dann ist es eben so. Tagsüber versuche ich die jedoch noch zu meiden.

Und ja – zwischendrin geht dann mittlerweile auch wieder Wasser – Sonntag sogar eine ganze Flasche ziemlich problemlos. Das nutze ich dann auch.

Ich glaub das schwierigste für mich war, es hinzunehmen, zu akzeptieren. Es hat meine Pläne durcheinandergeworfen, es hat mich wieder zurückgeworfen – noch etwas, was ich wieder verloren hab, wo alte, hinter mir gelassen geglaubte Probleme, mich wieder einholen. Das tut weh, das macht auch all die anderen Verluste wieder so präsent.

Ab dem Moment wo ich es akzeptierte (mir blieb ja auch nichts mehr über), ich den Druck rausnahm, ging es nicht mehr weiter nach unten. Dafür waren mehr Bilder/Flashbacks erstmal da – aber eben auch benennbar.

Jetzt würde ich sagen – es ist soweit im Griff – noch nicht so, wie ich es gern als Ziel hätte, aber im Griff.

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2 Kommentare zu Trinken

  1. Franziska sagt:

    Hi,

    Ich lese deinen Blog gerne, da ich es für mich, als Nichtbetroffene, sehr informativ finde.
    Ich bin häufig sehr erschüttert über die Kämpfe, die du durchstehen musst, nur um einen Alltag zu haben. Zum Thema trinken hilft dir vlt. das hier, es gibt verschiedene Geschmacksrichtungen und Himbeere ist toll.

    http://www.amazon.de/Myprotein-Flavdrops-Vanilla-1er-Pack/dp/B00J9FML9K/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1459880847&sr=8-1&keywords=flavdrops.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und hoffe auf einen Erfolg in der Klinik
    viele Grüße, Franziska

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