Ausrichtung

Im Moment ist hier alles irgendwie auf die Klinik ausgerichtet. Dabei hab ich noch gar keine Kostenzusage (das wird auch noch etwas dauern, ich hoffe ja, dass der Ersatzthera es diese Woche schafft das Schreiben rauszuschicken, sonst geht das erst in 14 Tagen etwa raus, beim nächsten Termin). Dann geht das ganze an den Gutachter und das geht ja meist auch nicht schnell.

Aber in Gedanken hab ich schon eine Packliste, eine Liste für Dinge, die mich ablenken sollen (Klavier kommt mit!) und eine Liste von Dingen, die ich vorher noch besorgen will (z.Bsp zwei Klavierhefte, die ich mir auch allein erarbeiten kann).

Da ich nicht weiß, wie vor Ort die Einkaufsmöglichkeiten sind, gibt es auch noch eine Liste für Dinge, die ich hier in ein Paket packe, dass mir zur Not nachgeschickt werden kann (vor allem Hygieneartikel, da ich nicht Bus fahren kann, ist unklar, ob ich vor Ort das besorgen kann und es für 12 Wochen mitnehmen, da brauch ich ja einen eigenen Koffer für).

Es ist tatsächlich das erste Mal, dass ich in eine Klinik will. Dass zeigt allein schon die Notwendigkeit, wie ich gestern in einem Gespräch jemand anderen sagte, dem es grad ähnlich geht.

Es erschreckt mich ein bisschen, dass es so ist, das ist – neu – und es ist ja nicht so, dass die Ängste, die so ein Aufenthalt mit sich bringt, nicht da wären. Auch die Angst, dass ich mir da zu viel erhoffe, war bereits mehrfach Thema. Wobei ich dann meist gesagt bekomme, dass meine Hoffnungen/Erwartungen schon realistisch sind.

Vielleicht ist es mehr, dass es ein Ziel ist. Ein begrenzter Zeitraum, der irgendwie zu schaffen sein muss, aber auch wird – und dass dann eine wirklich gute Chance besteht, dieses Dauerkrisenmodusdasein endlich zu ändern. Denn das geht mir tierisch auf den Senkel. Ich hasse es so zu sein, zu merken, dass ich das alleine und ambulant einfach nicht mehr auf die Reihe kriege.

Natürlich sehe ich auch, dass ich mir ja dadurch auch die nötige Hilfe hole, aber tief in mir ist es dennoch ein „Versagen“, und das wiederum lässt viele Stimmen laut werden mit dem Tenor: hab ich nicht verdient, nimmst jemanden der es dringender braucht einen Platz weg usw usf.

Ja ich weiß dass das Täterintrojekte sind – kann das zuordnen und damit meist auch zum Schweigen bringen – bis zum nächsten Mal.

Und ich hab Angst davor, dass die Hoffnung, dass ich damit wirklich auch was geändert bekomme, nicht erfüllt wird, eben doch zu viel erwarte. Von der Klinik und von mir.

Die Klinik ist gut, das was bisher kam – sehr vielversprechend und auch für mich passend bzw anpassbar. Es ist eine wirklich gute Chance. Natürlich braucht es noch etwas Glück, dass ich an eine Therapeutin gerate, mit der ich dann auch kann – und sie mit mir und dass das, was bisher gesagt/versprochen wurde, auch eingehalten wird.

Für mich geht es hauptsächlich darum, dass ich merke, dass so nicht weitergehen kann, dass ich so nicht weitermachen will.

Ich hab einen guten Therapeuten – aber das mit dem einmal die Woche Termin reicht nicht aus um dieses Dauerfunktionieren zu durchbrechen. Ja wir schaffen es im Termin – aber dann kommt eben wieder eine Woche Alltag. Ein Alltag, der von morgens bis abends Kampf ist. Kampf um zu überleben.

Ich will wieder leben! Will wieder aktiver sein, nicht nur reagieren. Und vor allem will ich innerlich wieder zur Ruhe kommen. Ich bin ausgelaugt – und sehe keine Möglichkeit, dass das mit Alltag und funktionieren müssen rund um die Uhr änderbar ist.

Es gibt zu viele Themen die grad alle Kräfte aufsaugen, zu viele Flashbacks und dissoziative Phasen. Das ist mittlerweile so ein Wust und Durcheinander, dass ich die Themen nicht mal mehr getrennt kriege. Auch das erhoffe ich mir in der Klinik. Einfach weil ich da dranbleiben kann, es nicht immer unterbrochen von Alltag wird.

In der Thera machen wir Fortschritte – aber wir brauchen immer ewig um aus dem Funktionieren rauszukommen. Hingegen ist der Rückweg zum Funktionieren immer innerhalb von Sekunden erledigt.

Aber ich weiß nicht recht wie ich das einordnen soll, dass ich da wirklich hin will. Dass ich es irgendwie kaum erwarten kann. Das kenn ich nicht, das macht mir irgendwie auch Angst.

Mir ist klar, dass das mit ein Zeichen ist, wie nötig es ist. Aber es waren schon häufig Klinikaufenthalte nötig und von wollen war da nie die Rede.

Ich will was ändern. Es muss sich was ändern. Weil ich so nicht weiterkämpfen, weiterleben will. Weil ich weiß, dass ich das auch anders kann, weiß wie es sich anfühlt, wenn man lebt und nicht nur überlebt.

Da will ich wieder hin. Unbedingt.

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