Thera heute

Heute war ein zwiespältiger Termin.

 

Einerseits ist genau das passiert, worauf ich immer hoffe, was auch Ziel ist, andererseits hat mich – jetzt im Nachhinein – das (ungerechtfertigte?) schlechte Gewissen im Griff.

Es ging um die Arzttermine und das zwangsläufig damit verbundene Thema Münchhausen-by-proxy. Die Erinnerungen daran, was meine Mutter mit mir alles anstellte, damit ich ja einmal die Woche im Krankenhaus war – bevorzugt in der urologischen Ambulanz, kann ich – sofern kein Arzttermin ansteht, meistens gut wegpacken.

Aber seit einem Dreivierteljahr – ist das schwierig – weil ständig Arztbesuche, Untersuchungen und teils auch schwerwiegende Diagnosen im Raum stehen. Auch wenn letzteres mittlerweile bis auf eine ausgeschlossen ist, war eben der Termin in der Endokrinologie, in dem es um die Ergebnisse gehen sollte – auch deshalb so wichtig, damit ich dieses Thema abschließen kann – und damit auch die unerwünschten Erinnerungen wieder weggepackt kriege.

Als es dann darum ging was da sei (also jetzt nicht die Details, sondern ob Flashbacks, Erinnerungen, Gefühle, Gedanken usw), waren da nur noch Unmengen Tränen.

Und der Thera hat absolut richtig reagiert – er versuchte zu tappen und als ich das abblockte, versuchte er den Kontakt herzustellen, indem er seine Hand auf meine legte (die eh immer versteckt unterm Ärmel ist). Das ist auch so abgesprochen und geklärt, aber halt immer etwas – schwierig – für ihn rauszufinden was grad ok ist und was nicht (wobei ich das „nein“ sehr deutlich mitteilen kann, was auch der Grund ist, warum wir dieses Abkommen treffen konnten).

Und im Endeffekt hörten die Tränen fast die ganze Zeit nicht mehr auf – auch wenn sich das Thema von Klinikerinnerungen über andere Missbrauchserinnerungen bis dann zum Thema Gericht wandelte – und letzters ist halt immer noch wie ein Damoklesschwert über mir – weil eine abschlägige Entscheidung mir die Existenzsgrundlage nehmen würde.

Es ging um das Recht auf Unversehrtheit des Körpers – das damals schlicht ignoriert und übergangen wurde, heute aber da sei. Nur dass Untersuchungen das für mich auch nicht wahren (auch wenn ich natürlich ja oder nein sagen kann, ist manches einfach – nötig) und eben die Gerichtsentscheidung für mich zwar nicht die Unversehrtheit des Körpers direkt angreift, aber eben meine Existenz bedroht. Ganz gezielt und klar. Allein aus diesem Grund – weil es existenziell notwendig ist – haben wir das ja überhaupt erst eingeklagt.

Im Endeffekt war es wohl der Zusammenbruch, auf den ich seit Tagen zusteuere – und diesmal war er – eben in der Thera – was ja eher Glück ist. So war ich damit nicht allein. Und wie gesagt – das ist ja das, was Ziel ist, was wir auch sehr lange erarbeitet und erhofft haben: dass in der Thera Gefühle und Tränen eben auch sein dürfen, Raum kriegen, zugelassen werden können.

Als ich ankam war die Anspannung sehr hoch – der Taxifahrer kam nämlich 10 Min zu spät – somit kam ich nicht – wie für meinen Ablauf wichtig – um 10 vor an, sondern eben später.

Mein Ablauf ist da etwas zwanghaft – 10 vor klingeln ist da ein absolutes „Muss“. Damit ich genug Zeit habe um hoch zu gehen, Jacke aus, alles griffbereit zu machen und eben anzukommen.

Die wenigen Minuten Verspätung (aber immer noch rechtzeitig und vor dem Thera da), haben so viel durcheinandergebracht – und das ist, wenn eh schon alles wackelig ist, dann wirklich schwierig.

Von daher war ich eben schon vor dem Termin kurz vorm Zusammenbruch. Was dann ja vielleicht gut so war.

Und auch wenn mich jetzt schlechtes Gewissen und Angst im Griff haben – weiß ich vom Kopf her, dass es gut war – und merke auch, dass ich innerlich – weniger tobend bin. Es gut getan hat.

Jetzt muss ich nur noch die Angst in Griff kriegen.

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3 Kommentare zu Thera heute

  1. L sagt:

    Und wieder einen Schritt vorwärts geschafft!

  2. Enibas sagt:

    Liebe Ilana,

    so anstrengend und auch schmerzhaft dieser Termin war, ich freu mich gerade ein bisschen für dich. Ich erinnere mich noch gut daran, wie sehr Gefühle zulassen ein Problem war, wie du dicht gemacht hast, sobald du gemerkt hast, dass Tränen hochsteigen. Jetzt zu lesen, dass du den Gefühlen Raum geben konntest, dass sie da sein durften und dass du fast durchgehend getrauert und geweint hast und dass du und dein Therapeut es geschafft habt, dass das eben so sein darf und dass ihr einen Weg gefunden habt, wie er dich dabei begleiten und unterstützen kann, das ist so ein unfassbar großer Schritt! Ich bin total beeindruckt!

    Ich hoffe, dass es dir trotz der Anstrengung gut damit geht. Dass es dir vielleicht ein bisschen Erleichterung gebracht hat, es kann ja auch wie ein Ventil wirken, manchmal…

    Alles Liebe und viel Kraft weiterhin
    E.

    • Ilana sagt:

      Danke euch 🙂 – ja ich bin froh darüber – auch wenn ich es weniger als Schritt sehe, sondern eben „gutes Timing“, weil einfach der Zusammenbruch eben dann zufällig mit dem Therapietermin zusammenfiel. Aber ich bin dankbar für dieses Timing – zum einen weil es natürlich eine Erfahrung ist, die uns auf dem richtigen Weg hoffentlich weiterbringt, aber auch, weil ich damit dann in dem Moment auch nicht allein war.
      Wegen der Angst hatte ich ihm noch eine mail geschrieben und von ihm eine gute und passende Antwort bekommen, so dass diese dann auch im Griff war und das nicht alles wieder kaputt gemacht hat.

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