passiv – aktiv

Ein Thema treibt mich seit einer Weile rum. Bin ich zu – passiv?

Lange Zeit war ich nur am reagieren –  agieren war schlicht nicht möglich, ich funktionierte und das wurde so zum Selbstläufer, weil es das einzige war, was einen Totalabsturz abwehrte.

Der Absturz kam trotzdem – klar – auf Dauer geht das mit dem Kompensieren über Funktionieren nicht mehr – irgendwann ist die Kraft alle, irgendwann geht auch das reagieren kaum oder nicht mehr.

Und ja – durch den Absturz war auch wieder ein agieren möglich. Von daher war er vielleicht auch nötig. Um aus dieser Spirale rauszukommen.

Das heißt nicht dass plötzlich mehr Kraft da ist oder weniger auf mich einströmt.

Aber alles war darauf ausgerichtet nicht abzustürzen. Wenn du dann abgestürzt bist – ist das egal – dann braucht man sich da nicht mehr den Kopf machen.

Ich war jetzt auch nie jemand der sich dann darin suhlte. Also traf ich Entscheidungen. Entscheidungen die schon lange im Raum standen, für die aber keine Energie da war – weil klar war: dann stürz ich erstmal ab.

Etwas was ich doch mit allen Mittel zu vermeiden versuchte.

Entscheidungen, die weh taten, die auch im Bewusstsein getroffen wurden, dass es zwar mittel- und langfristig gut und nötig ist, kurzfristig aber unschön wird. Schlechter werden ging ja nicht wirklich – ich war ja schon unten.

Es war klar, dass es nicht darum geht eine zu treffen und dann wird alles besser – sondern dass das rauskrabbeln schwierig wird, kraftraubend und eher eine längerfristige Aktion sein wird.

Aber es war auch klar – ich hab nicht wirklich eine Wahl, so kann es nicht weitergehen. Psyche und Körper sagen – nein – sie schreien sich schon heißer – Stop.

Mein Problem war nie das aufraffen. Es war das „können“.

Mein aktueller Rückzug ist für viele ein Ausdruck von Passivität. Für mich ist es eher einer für Aktivität. Es ist eine bewusste Entscheidung.

Vielleicht ist es der Ausgleich – über Wochen, Monate ging es nur nach „außen“, ums Funktionieren, bloß nicht um mich, theoretisch sollte es jetzt um mich gehen. Doch das kann ich – noch – nicht. Das ist noch zu viel. Für mich ist die Distanz zu mir grad sehr wichtig, das „weit weg“ sein.

Aber ich gönne dem Körper die Ruhe, nicht nur die allernötigste wie bis vor kurzem, sondern auch darüber hinaus.

Das mit dem Medikament kann und darf nicht so bleiben – und ja es ist blöd, dass der Arzt grad in Urlaub ist. Aber trotz der Nebenwirkungen bekomme ich dadurch auch mehr Ruhe und Schlaf – die der Körper dringend braucht. Also werde ich erstmal dabei bleiben, schlicht um zumindest körperlich so viel Kraft zu bekommen, dass dann ein Umstellen und die Suche nach einem anderen Medikament besser – verkraftbar ist.

Auf Dauer sind die Nebenwirkungen für mich so nicht tragbar – nicht nur psychisch, auch physisch. Es ist ein Kompromis.

So wie im Moment alles ein Abwägen ist – zwischen was ist möglich und was will ich.

Für Außenstehende wirkt das wenig, vielleicht sogar (zu) passiv. Und ich glaube auch, dass das ein schmaler Grat ist, ein verdammt schmaler.

Aber im Moment ist es gut so – es ist das was für mich möglich ist, machbar. Und ich habe nicht das Gefühl passiv zu sein – im Gegenteil – ich fühle mich sehr – aktiv. Nicht so wie ich will, aber so wie ich kann. Und um Welten mehr als in den letzten Wochen/Monaten möglich war.

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