Zahnarzt-Nachlese

Schon seit Stunden kreisen die Gedanken. Warum hab ich mich so entschieden?

Während der Entscheidung war klar, ich muss das JETZT eintüten, weil ich es sonst eben nicht annehmen kann, doch wieder kneife.

Gefällt wurde sie recht spontan, Auslöser waren zwei Aussagen – die eine, dass es im Endeffekt ja egal sein sollte, an wen ich die Rate überweise, das andere war eine Frage, die ich in dem Moment nicht beantworten konnte, eigentlich nur wahrnahm, aber gar nicht versuchte eine Antwort zu finden.

Das war die Frage, ob ich es denn im Frühjahr machen würde.

Die Frage kreiste jetzt ewig im Kopf rum, dabei war die Antwort klar: nein. Wenn ich jetzt aufhöre, eine Pause mache, fange ich nicht wieder an. Es wird dann immer einen Grund geben, warum ich es noch schieben soll, warum es grad nicht passt oder finanziell nicht geht usw.

Dazu kommt, dass es ja auch ums Medikament geht – ich würde es jetzt wieder anfangen – und ich würde es nicht wieder absetzen wollen. Auch dafür gäbe es dann immer einen Grund, warum das grad nicht passt usw.

Allein die paar Wochen jeetzt haben die Angst wieder so hochkochen lassen. Ich saß heute im Wartezimmer und musste mich in die Toilette flüchten, weil mir so übel war. Vor Angst. Mein Kreislauf spielte verrückt und es ging mir echt dreckig.

Ich würde – wenn ich es jetzt lasse – nicht wieder anfangen. Weil es dann immer noch so – viel – wäre. So unüberschaubar viel. Weil es dann ja wieder mehr wäre, das bisher erreichte – quasi verloren.

Das wusste ich – ich wusste es in dem Moment, als es darum ging, dass wir Pause machen und dann eventuell im Frühjahr nochmal einen Block. Mir war übel, weil es nicht zu Ende gebracht wird, weil es kein Ende geben würde.

Mir schossen die Tränen in die Augen, weil ich wusste, dass ich die drei bisherigen Termine – umsonst gelitten habe. Klar – es ist was gemacht worden, aber es reicht nicht.

Das Provisorium macht mich wahnsinnig, die Lispelei, dass ich damit nicht essen kann usw. Ich nehm es nur für unterwegs, hab es anfangs wirklich ständig getragen, weil ich dachte, ich gewöhn mich dran. Tu ich aber nicht.

Ja es ist besser als ohne, besser als mit fehlendem Schneidezahn rumlaufen zu müssen, aber die Zähne li und rechts sind ja auch nur noch halb da – es war optisch eine Verbesserung, aber schön war es nicht.

Das hat mich dranbleiben lassen – das Wissen, irgendwann wird dieses Provisorium ersetzt, irgendwann kann ich damit wieder normal sprechen, normal essen.

Das war meine Belohnung – das war das, was mich durchhalten ließ. Und das war das, was plötzlich unerreichbar fern schien, weil dazu eben erst so viel anderes gemacht werden muss. Ebenso wir klar war, erst wird das andere gemacht – und dann gibt es diese Krone – als Belohnung.

Mir war schon lange klar, dass ich das zeitnah über die Bühne bringen muss – weil ich es sonst nicht hinbekomme. Weil ich das „endlich geschafft und fertig“ brauche. Und weil ich einen begrenzten Zeitraum brauche – ein „bis Ende des Jahres hab ich es geschafft, nur noch ein Weilchen durchhalten.

Das alles löste sich in Luft auf. Riss mir den Boden unter den Füßen weg.

Und dieses Wissen, auch wenn ich es in dem Moment nicht so formuliert bekam, nahm mir die Luft – und ließ mich im Endeffekt dafür entscheiden, dass ich das Nötigste machen lasse.

Denn dann die Termine für die „Belohnung“ – sind wieder überschaubar, das ist eher etwas, was ich dann auch später nochmal machen kann. Das sind dann 2-3 Wochen – die schaff ich auch ohne Medis – weil ich die direkte Belohnung ja sehe – endlich das Provisorium loswerden, endlich wieder normal sprechen können, wieder wie – ich – klingen, oder bei der Essenseinladung eben auch essen können. Damit kann ich auch die Anbetung wieder machen (da gibt es danach meist eine Essenseinladung in die Pizzeria).

Zu Tauschen – erst die Front, dann den Rest machen – kam nie in Frage. Da sind einfach völlig kaputte Zähne. Naja – und viel bröckeln darf da bei zweien in der Front nicht mehr – dann hat sich das mit der Brücke nämlich erledigt, weil die nicht mehr „rettbar“ sind. Noch sind sie es – knapp.

Die Entscheidung fiel aus dem Bauch heraus. Auch weil ich wusste, wenn ich das nicht jetzt schreibe, annehme, werde ich es nie annehmen. Dann ist zu viel Kopf dabei, zu viel Zweifel, zu viel „verdien ich nicht“ usw.

Natürlich sind diese Gedanken trotzdem da. Und ebenso natürlich kam heute schon zig mal der Satz: „was hab ich nur getan?!“ Es frist das „es ist richtig“-Gefühl und die Dankbarkeit für die Möglichkeit auf.
Aber ich weiß auch, es ist die richtige Entscheidung. Und es ist gut zu wissen, dass ich mit dem Rest in die Thera kann, dass es dort Raum und auch die Aufmerksamkeit bekommt, wenn das nötig wird, so dass das „richtig-„Gefühl und die Dankbarkeit wieder Oberhand gewinnen können.

Das wird ein Weg sein, den es jetzt eben zu gehen gilt. Egal wie schwer – mit dem Wissen im Hinterkopf: es ist richtig so.

Dieser Beitrag wurde unter Beziehungen/Kontakte, destruktives Verhalten, Erinnerungen, Grenzen, kleine Schritte, Krisenmodus, Leben, Psycho-Somatik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.