Buchbinderei – was machen die?

Da die Frage von zwei Leuten kam, antworte ich hier:

Beide Buchbindereien sind reine Handbuchbindereien. Das bedeutet, dass es nur Einzelstücke oder Kleinauflagen sind und jedes Buch, jede Kiste, jede Mappe usw. eben auch einzeln von Hand gefertigt wird.

Aus dicker (und teilweiser dünner) Pappe, verschiedenen Papieren usw. Die Schmuckpapiere werden selbst gemacht (wobei in der neuen Buchbinderei hauptsächlich mit Vollgewebeeinbänden gearbeitet wird).

Es ist ein Kunsthandwerk, es gibt keine elektrischen Maschinen. In der neuen sind es auch alte Geräte.

Gemacht werden können: Bücher (neu oder repariert), alle Arten von Kästen, Schreibtischutensilien, Leporellos usw. Alles was man halt auch aus Pappe machen kann.

Für ein Buch braucht man im Schnelldurchlauf (also eins komplett neu machen) – etwa 3-4 Stunden, wobei das Buch mind. über Nacht gepresst werden muss. Eine Reparatur dauert deutlich länger – weil das Buch erst auseinander gebaut werden, dann nach Möglichkeit das Originalmaterial erhalten und evt aufgearbeitet werden, passende Ersatzmaterialen gesucht und zumindest der Buckdeckel komplett neu gemacht werden muss. Inwieweit auch die Seiten bearbeitet (z.Bsp neu gebunden, eingerissene Seiten repariert usw) werden müssen, hängt vom Zustand ab.

Wenn also „nur“ der Buchrücken ab ist, ist es leider nicht so, dass das ja nur drangemacht werden muss – sondern das oben genannte eben auch.

Für Lieblingsbücher oder auch alte Schätzchen lohnt es sich aber durchaus.

Ziel ist es das Buch möglichst nah am ursprünglichen Zustand aussehen zu lassen (also als es damals neu war sozusagen). Für ein altes Buch passt kein supermoderner Buchdeckel.

Eine einzelne Kiste schaffte ich nach alter Technik in gut 3 Stunden, sofern alle Materialien da waren, also nicht das Schmuckpapier noch gemacht werden muss (auch hier muss mind eine Nacht – besser 2 gepresst werden – fertig ist es erst danach). Mit der neuen brauch ich etwas länger.

In der alten hab ich hauptsächlich Kisten aller Art gemacht, in der neuen noch Kisten, der Schwerpunkt dort liegt aber auf Büchern.

Der zweite große Unterschied ist, dass man in der Regel zusammenarbeitet. Also nicht ein Teil für sich erstmal fertig macht, sondern in der Regel mehrere Projekte paralell laufen und die auch in Teamarbeit.  Es ist eher ein „zuarbeiten“. Was einfach auch an der Auftragslage dann liegt. Wenn wie aktuell eben mehrere Bücher einer Reihe neu aufgearbeitet werden, dann kümmert sich die Buchbinderin um die Buchblöcke (was heikler ist) und jemand anderer macht die Bucheinbände – die ja zur Not neu gemacht werden können, wenn es nicht sauber genug ist.

Da das Kundenaufträge sind, muss das Ergebnis natürlich perfekt sein.

Die Arbeit macht mir unglaublich Spaß. Es ist ein Handwerksberuf und die unterschiedlichen Techniken faszinieren mich im Moment sehr. Allein für die Kisten würde ich – wenn ich es so machen könnte wie ich wollte – mischen. Manches von der einen, manches von der anderen übernehmen.

Das ist im Endeffekt dann auch das was Handbuchbinder machen – sie entwickeln ihren individuellen Stil – die Techniken bleiben, aber das drumherum oder wie das jeder macht/aufbaut, unterscheidet sich in kleinen Dingen. Das sieht man am Endergebnis kaum bis nicht unbedingt.

Wenn jemand schauen will, was man da alles so machen kann – am besten nach Handbuchbinderei googlen.

Leider gibt es nur noch sehr wenige Handbuchbindereien in Deutschland – und die müssen hart ums Überleben kämpfen.

 

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Ein Kommentar zu Buchbinderei – was machen die?

  1. Webschmetterling sagt:

    Meinen Respekt, liebe Ilana. Ich stelle mir das nämlich überhaupt nicht einfach vor und ich persönlich könnte das mit Sicherheit nicht. Ich glaube auch, dass man geduldsmäßig sehr gefordert ist und immer 100% bei der Sache sein muss. Es freut mich, dass Du richtig Spaß an dieser Sache hast und hoffe sehr, dass die Leute Deine -mit Liebe gefertigte- Arbeit würdigen.
    Sei ganz lieb gegrüßt
    vom Webschmetterling

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