eigenartig

Es ist eigenartig.

Ich versuche immer noch zu verstehen was in den letzten 2 Wochen und auch seit Donnerstag passiert (ist). Aber es ist, als gäbe es keinen Zusammenhang, als gäbe es nur Bruchstücke.

 

Als läse ich ein Buch, eine Geschichte und hab aber nur einzelne Worte – Standartworte wie ich, sein, ist, und, mit usw. Dazwischen mal ein Hauptwort und mal ein spezifisieres – aber es wird keine Geschichte daraus. Noch nicht mal in etwa klar um was es sich handeln könnte.

Als wären die Worte in einem Morast und ich kann nur danach greifen und wühlen und erwische mal eins – weiß aber nicht ob es dazugehört.

Dabei ist mein Denken sonst ok – auch was Zusammenhänge angeht bei aktuellem Handeln oder so.

Natürlich weiß ich was die letzten zwei Wochen war, aber es finden sich auch immer wieder Sachen, von denen ich nichts weiß – die dann sind wie früher, als ich dissoziierte und einfach keine Erinnerung daran hatte. Damals waren es aber Zeitabschnitte und nicht einzelne Geschehnisse, während andere klar waren.

Dabei bin ich aktuell wirklich dissoziiert – weit weg von mir. Allerdings hat sich auch das selbstzerstörrerische Handeln wieder beruhigt, das ist ja ziemlich eskaliert gewesen. Klar gibt es das immer noch – aber es ist – anders, nicht mehr so direkt und bei weitem nicht mehr so – gefährlich.

Nicht weil ich dagegen angehe, sondern weil es gar nicht da ist in der Form.

Dafür wieder mehr das „verstecktere“, indirektere.

Durch die Dissoziation lässt es sich immer noch gut aushalten – es ist nicht so dass kein Zugang zum Gefühl oder zu „mir“ da ist, aber er ist weitestgehend weggepackt, auch hervorholbar, nur das wegpacken geht relativ automatisch.

Ich hab mich in schwierigen Situationen immer in die Theorie geflüchtet, versucht zu verstehen was grad passiert, warum (für alle Beteiligten), es analysiert und zerlegt. Doch das geht im Moment nicht – weil das Denken nicht geht, weil die Zusammenhänge, die sonst immer so offensichtlich auch waren – nicht da sind.

Als sehe ich Brot, Butter, Marmelade und dass ich Frühstücken will, aber das alles gehört nicht zusammen, ergibt kein Bild – keinen Zusammenhang – und somit auch kein Marmeladenbrot oder so.

Seit einer Weile lese ich „Das Schwert des Sehers“ von Loy Daniel. Heute Abend führte es dazu, dass ich nochmal an den Computer ging um diesen Eintrag zu schreiben.

Es geht um einen von Geburt an blinden Schwertkämpfer, der durch eine „Gabe“ auch ohne Augenlicht alles sieht, wahrnimmt – auch durch Mauern hindurch. Irgendwann später bekommt er einen Heiltrank und gewinnt dadurch sein Augenlicht, verliert aber diese Gabe. Er sieht nur Farben, Schemen, Schatten – keine Tiefe, keine Kontur und kann so auch einen Tisch nicht als Tisch erkennen.

Erst als er den Tisch mit den Händen fühlt kann er die Schemen und das Bild das er sieht zusammenfügen und einen Tisch draus machen – und dann den Tisch auch sehen.

Es wird beschrieben wie er das Sehen eben auch – lernen muss, sich hart erarbeiten muss.

So ähnlich geht es mir im Moment mit dem Denken, die Worte sind da, die Erinnerungen sind da – aber sie ergeben kein Bild, sind nur Schemen, ohne Zusammenhang, ohne Tiefe, ohne Kontur. Und bei manchen gelingt es mir dann diesen herzustellen – oder eher herzuleiten – wenn ich genug Informationen kriege.

So läuft es ja schon seit 2 Wochen. Mittlerweile kann ich bereits hergestellte Zusammenhänge auch teileweise nutzen, muss es nicht neu zusammensetzen jedesmal. Aber es immer noch so als würde ich im Trüben fischen, als müsste ich die Bedeutung der einzelnen Worte erst – herausfinden.

Das ist – sehr anstrengend. So im Alltag geht es mittlerweile wieder gut. Aber wenn es die letzten 2 Wochen betrifft oder was grad in mir los ist – klappt es nicht.

Aber es gelingt – loszulassen. Erzwingen geht gar nicht – und je mehr ich mich bemühe, desto weniger klappt es. Aber Ablenken geht und auch das Loslassen geht – es einfach – sein zu lassen. Hinzunehmen. Für den Moment.

Vielleicht auch, weil es sich durch die Distanz auch ganz gut aushalten lässt. Und das ist mir im Moment mehr wert.

Denn ich muss 2 Wochen hinkriegen. Der Thera ist nicht da. Und solange ich das „wollen“ immer noch spüre und da Zugang habe  – ist es ok so.

Mir ist klar, dass wir das irgendwann genauer anschauen müssen, das ist ein Zustand, den ich nicht kenne, der mir fremd ist. Es fehlt mir das Flüchten ins Analysierern, Erklären, Verstehen. Aber mit dem Dissoziieren ist auch die Gefühlsebene in dickem Nebel – und die Täterintrojekte – es gibt also grade gar nicht so viel zum Flüchten. Nichts, wo nicht die Flucht in die Ablenkung reichen würde.

So darf es erstmal gerne bleiben.

Dieser Beitrag wurde unter Beziehungen/Kontakte, destruktives Verhalten, Erinnerungen, Grenzen, kleine Schritte, Krisenmodus, Leben, Psycho-Somatik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.