Thera gestern

Ein Termin der wirklich sehr viel  ausgelöst – und klar gemacht – hat.

Ich hatte dem Thera am Morgen noch eine mail geschickt, weil der gestrige Zahnarzttermin ziemlich viele Flashbacks und Chaos ausgelöst hat und ich somit etwas „angegriffen“ war. Im dem Sinne, dass einerseits ich für meinen Geschmack viel zu nah an Gefühlen war, aber vor allem sehr unberechenbar war was triggert.

So triggerten Kleinigkeiten, bei denen ich gar nicht recht wusste was jetzt eigentlich los ist, aber klare Trigger triggerten auch nicht – also ewas war einfach völlig unberechenbar und da es innerlich ziemlich tobte, hatte ich ihn per mail „vorgewarnt“.

Entsprechend hat er sich sehr langsam rangetastet und irgendwann dann auch einfach gefragt wie weit er heute gehen darf, weil wir mit dem sehr soften Vorgehen auch nicht wirklich weiterkamen. Da ja in so einer Situation schwierigere Themen oft einfacher sind, weil Trigger erwartet werden und die eigentlich dann oft gar nicht so triggern wie sonst – meinte ich nur, dass es heute egal wäre und durchaus ok, wenn er auch schwierige Themen anspricht.

Also ging es dann im Termin hauptsächlich um die Mutter. Um meine Klinikaufenthalte und Arztbesuche und was sie davon eigentlich hatte, aber auch um ihre „Zuckerwattenwelt“ und dass  wir zwar in drei Realitäten lebten, aber es hauptsächlich darum ging, dass sie sehr unberechenbar war – als wäre sie zig Persönlichkeiten und man weiß nie was in der nächsten Sekunde passiert, weil es keinen erkennbaren Auslöser brauchte, dass es plötzlich wechselte. Wir wussten nie was passiert.

Nur dass sie keine Harmonie aushalten konnte und wenn was schön oder gut lief es kaputt machen musste. Sich gleichzeitig aber nach dieser Harmonie sehnte (deshalb ja auch diese Scheinwelt nach außen).

Es ging auch vor allem um Täterintrojekte – schon die letzten Wochen. Beim Vater sind sie klar – da kann ich sie abgrenzen, definieren – und ich glaub auch weitestgehend abschließen.

Bei der Mutter – gibt es keine Klarheit. Es ist so extreme Gegenidentifikation, dass ja alles darauf ausgerichtet ist – nicht nur meine Lebensplanung (definitiv kein Kind, weil diesem das nicht antun will!), sondern auch alles im Alltag.

Wir suchten nach Dingen, die wirklich nur ich bin, mir gehören. Wir fanden nichts. Und als er dann nach der Musik fragte, da ist irgendwas passiert innerlich.

Es war kein großes Clash oder so – es war was ganz kleines, eher wie ein kleines Sandkorn – dass was in Bewegung setzte – erst unmerklich, eher wie eine Lawine, die durch ein klitzekleinesbisschen Schnee ausgelöst wird und dann so groß werden kann.

Denn mir wurde klar, dass ich auch nicht die Musik mache, die ich machen möchte, die „meine“ wäre. Damit mein ich nicht das Genre oder so, sondern die Art der Musik.

Mir fehlt das Gefühl in der Musik, das loslassen, das darin aufgehen können. Ich komme immer nur bis zu dieser einen Grenze. Und der Grund sind die fehlende Ausdrucksmöglichkeit der Gefühle – dieses zulassen, dabei geht es nicht um Tränen oder so – nur um den Ausdruck – der Musik von einem technischen Spielen unterscheidet.

Und da merkte ich, dass auch da meine Mutter da ist. Mir war immer klar, dass ich mich zwar äußerlich von ihr gelöst habe, aber sie innerlich noch viel zu viel Macht hat.

Er sagte dann einen Satz über eine Missbrauchssituation, in der es darum ging, mir Gefühle (oder in dem Fall Tränen)  „auszutreiben“  – es war nicht die Situation die triggerte, es war ein Begriff, ein Begriff, den ich nie damit in Verbindung gebracht habe. Nicht wirklich.

Und plötzlich waren da Traurigkeit und Tränen, die sofort in diesen Kampf umgewandelt wurden: Du heulst hier jetzt nicht los! Es war auch keine Frage ob ich das zulasse oder nicht – es war klar Nein!

Irgendwie gehörte dieses Gefühl zu dieser Lawine.

Nach dem Termin ging es weiter – und mir wurde klar, dass es eng wird. Dass ich grade diesen „innersten Kern“ zu verlieren drohe, dass es nicht nur ein „weit entfernt sein“ ist.

Das meine Mutter immer noch viel zu viel Macht über mich hat, da viel Täterintrojekte und vor allem Gegenidentifikation da ist – wusste ich.

Nicht klar war mir, dass sie in den letzten Wochen vollständig übernommen hat. Dass außer Funktionieren nichts mehr übrig ist. Dass ich keinerlei Zugang mehr habe zu diesem „innersten Kern“, der mich aus macht, der ICH bin.

Dass ich mich so in Täterintrojekten und Gegenidentifikation verloren habe, dass von mir nichts mehr übrig ist.

In den letzten gut 10 Jahren hab ich mir sehr sehr mühsam ein bisschen Identifikation geschaffen, rausgefunden ob ich Toast eigentlich mag oder nicht, wer ich – bin.

Und im Moment könnte ich keines davon beantworten. Ich weiß es schlicht nicht.

Ich sitze hier und hab einen Toast vor mir – koste – und kann es nicht beantworten, weil da nur das klare „klar magst du das“ aus meiner Kindheit ist. Da gab es die Frage nicht – es war was besonderes und damit hatte man es zu mögen.  Punkt.

Das Schlimmste ist – wenn ich mich normalerweise von mir, dem innersten Kern – entferne – spür ich dennoch dass er da ist. Irgendwo verkrochen, aber da. Ich spür ob er verletzt ist oder sich nur zurückgezogen hat um nicht verletzt zu werden, und ich hab sicher oft keinen Zugang zu ihm, aber ich spüre/weiß, ob er da ist.

Wir hatten ein Bild. Beim Vater war alles klar, es gab Gutes und Schlechtes, die Täterintrojekte waren klar definierbar, genaus wie das Schlechte klar definierbar war – es hatte einen Anfang und ein Ende.

Bei der Mutter ist das anders – da durchdringt es alles und wir nahmen als Bild ein Modell aus Pappe/Papier – das mein Leben, meine Einstellungen usw ist – und ein Getränk – ich nahm dann Kaffee – dass alles durchdringt, der drübergekippt ist.

Und anfangs stand in dem Bild das Modell noch – man konnte die Farben nicht mehr erkennen und es war kaffegetränkt, aber eigentlich ging es darum Stellen zu suchen, die nicht erwischt wurden – nur dass wir keine einzige fanden.

Im Laufe dieser Lawine – wurde dieses Modell nur noch zu Pappmachee. Vom Moedell ist nichts mehr über, der Kaffee hat alles zerstört, aufgelöst.

Und ich verstehe nicht wie es so weit kommen konnte, wie ich das so übersehen konnte. Mir war klar, dass sie noch eine sehr große Macht hat – aber so viel? Ohne dass ich das merke?

Das Schlimmste für mich daran ist: ich kann das jetzt sehen – aber ich kann es nicht ändern. Es ist noch nicht mal ein Wille da das zu ändern, weil ich soweit gar nicht komme.

Ich funktioniere – wie die letzten Wochen auch. Es wird – körperlich – nichts passieren, weil sie das gar nicht zulassen würde. Damit würde sie sich ja selbst zerstören. Aber wenn es so weitergeht, gibt es für diesen „innersten Kern“ keine Chance mehr.  Ich weiß jetzt schon nicht mehr ob es für den überhaupt noch Rettung gibt, ob davon überhaupt noch was übrig ist.

Ganz ehrlich – ich hab nicht die gerinste Ahnung was ich tun könnte, tun sollte. Eigentlich hoffe ich, dass der Thera eine Idee hat.

Weil ich gar nichts tun – kann. Ich krieg ja nicht mal ein Stopp gesetzt. Finde keinerlei Ansatzpunkt um ihr* was entgegenzusetzen.

Ich finde nichts mehr von dem Papier – nur noch den verdammten Kaffee.

 

*Und mir ist klar dass es nicht meine wirkliche Mutter ist und dass es auch nicht nur die Täterintrojetke und Gegenidentifikation meiner Mutter gegenüber ist – sondern dass da brav alle anderen Täterintrojeke und Identifikationen  draufsetzen und mitziehen – dass ich das jetzt immer so formuliert habe als wäre es sie – hab ich der einfachheithalber gemacht – weil für mich auch klar ist, das dass das Hauptthema grade ist, das im Vordergrund steht. Aber mir ist durchaus klar, dass es das nicht alleine ist. Es ist halt das „identifizierte“.

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