Zahnarztphobie – meine Erfahrungen mit Lachgas Teil 1

Vorneweg: bei mir ist es nicht die Angst vor Schmerz, sondern dass jemand in meinem Mund rumfuhrwerkt. Es Triggert, löst Erinnerungen an Missbrauchs-Situationen aus und damit auch Panik – richtig Panik.

Ich hab nicht die Angst ausgeliefert zu sein oder so.

Bisher konnten ja alle Zahnbehandlungen nur unter Narkose gemacht werden, daher ist da Großbaustelle. Auslöser war dann, dass mir ein Schneidezahn abbrach – und Brücken werden unter Narkose nicht gemacht.

Ich wollte das unbedingt hinkriegen.

Im Vorgespräch wurde schon grob geschaut, ein Röngtenbild erstellt und sogar ein Abdruck gemacht (wobei ich den das nächste Mal auch nur und Lachgas machen lassen würden, der war defintiv schon viel zu viel).

Es war klar, dass wir heute testen wie das mit dem Lachgas ist und dann gegebenenfalls den Schneidezahn ziehen – damit die provisorische Brücke eingesetzt werden kann.

Heute war er nun, der erste Termin mit Lachgas.  Gestern war quasi nur Panik, seit heute um drei versuchte ich diese weiter in Griff zu kriegen – und ironischerweise war sie dann vor dem Termin fast weg.

Weil klar war: entweder es klappt mit dem Lachgas – oder es wird keine Behandlung geben. Also brauchte ich auch weniger Angst vor der  Behandlung haben.

Als ich dann im Wartezimmer saß muckte die Angst aber doch wieder auf – deutlich. Wobei irgendwie immer noch besser als gestern oder in der Nacht.

Wie auch immer – ich bin also in den Raum und wurde auf dem Zahnarztstuhl sehr flach hingelegt. Arzt kannte ich ja vom Vorgespräch, die Helferin nicht. Dann erklärte er noch kurz, auch dass er erstmal langsam hochfährt und ich Bescheid geben soll wenn ich ein Kribbeln in den Beinen spüre usw.

Tja – das Schwierigste war wirklich sich voll auf die Atmung  zu konzentrieren – ich hatte ja bewusst sehr ruhige Musik auf dem Player und konzentrierte mich dann nur auf die Musik – es dauerte ziemlich lange bis ich eine Wirkung spürte.

Er fragte auch mehrfach ob er erhöhen soll oder anfangen – und ich war einfach unsicher – also erhöhte er erstmal noch – irgendwann testeten wir mit Spritze setzen aus (geplant war übrigens den Schneidezahn zu ziehen).  Da war klar – muss noch höher gestellt werden.

Das Kribbeln war übrigens nur kurz und dann weg – aber durch immer wieder Testen ob es jetzt geht, war irgendwann der Punkt, da war es ok – er durfte gucken und in den Mund fassen und es war mir quasi egal. Ich war nicht super entspannt – aber es war auch keine Panik da – Anspannung auf etwa 3-4 auf einer Skala von 0 – 10 (0 keine, 10 höchste).

Trotzdem mussten wir zwischendrin immer mal wieder eine Pause machen – weil Panik hochkam und dann erstmal wieder ein „durch die Nase atmen, aufs Atmen konzentrieren, auf die Musik konzentrieren – Kopf ausschalten!“ dran war – doch die Pausen brachten mich dann schnell wieder runter und es konnte weiter gehen.

Allerdings war die Grenze erreicht als er dann den Schneidezahn zog. Nicht weil es weh tat oder so – sondern weil der Druck zu viel „Bewegung“ in meinem Mund war und die Panik hochschnellte.

Hier müssen wir fürs nächste Mal deutlichere Zeichen ausmachen – weil da wären 2-3 Pausen gut gewesen, aber ich konnte das in dem Moment nicht mehr deutlich signalisieren.

Auch weiß ich nicht genau ob eine Pause in dem Moment dann möglich gewesen wäre – also fürs nächste Mal absprechen:

Eine Hand heben heißt Pause sobald wie möglich (sprich innerhalb der nächsten halben Minute), beide Hände heißt Stopp – sofort – es ist irgendwas nicht in Ordnung. Denn er fragte zwar immer ob alles ok ist, nahm mein Signal aber eher als ein ja – was es nicht unbedingt war (es war aber auch kein nein) – von daher – einfach deutlicher absprechen.

Und klären wie das mit Pausen ist beim Ziehen – bzw wenn das problematisch ist, dass wir uns drauf einigen, bei einer Hand, er macht die Pause sobald wie möglich, sagt mir das auch in etwa (also wie lange) und sollte ich die zweite dazu heben stoppt er sofort.

Auch notwendig war, dass ich die Musik für das Ziehen deutlich lauter stellen musste, damit es überhaupt noch gelang mich drauf zu konzentieren.

Gut war, dass er nach dem Ziehen fragte, ob das Lachgas noch anbleiben soll – es hätte auch ausgemacht werden können, aber durch die Pausen vorher wusste ich, dass ich die Panik besser in Griff kriege, wenn es anbleibt – bis ich wieder einigermaßen runtergefahren bin.

Ich fand es sehr schwierig zu entscheiden ob es schon reicht – als dann beim dritten oder vierten Versuch klar war – jetzt kann er ruhig machen (also als wir es dann testeten und ich merke Panik bleibt aus) – war ich doch sehr erleichtert.

Für den Backenzahn wird es so definitiv nicht reichen – da braucht es neben der Absprachen evt noch eine Erhöhung der Dosis – allerdings nur zum Ziehen – den Rest würde ich mit der aktuellen Einstellung testen wollen.

Mit das Wichtigste ist aus meiner Sicht, dass man sich drauf einlassen kann. Also auch etwas Erfahrungen mit Entspannungsübungen hat oder zumindest dass man sich auf Entspannungsübungen einlassen kann – welcher Art auch immer (das kann durchaus auch Musik sein).

Und dass man sich dann wirklich auf die Atmung oder Musik oder Entspannungsübung auf dem mp3-Player einlässt – den Kopf abschalten kann.

Das war auch deutlich heute – immer wenn die Konzentration weg von Atmung und Musik ging, puschte die Panik wieder hoch – sie war dann mit Pause und wieder auf Atmen konzentrieren wieder in den Griff zu kriegen, so dass es weitergehen konnte, aber das muss eben auch möglich sein – also bisschen Steuerungsfähigkeit, Skills einsetzen und der Panik was entgegensetzen.

Der Arzt war super – hat mich da auch immer wieder dran erinnert und so war es gut machbar.

Was nicht war: ich fühlte mich nicht völlig entspannt oder wie im Urlaub, wie man oft liest. Mir war auch nicht völlig egal was er da macht. Dazu ist meine Zahnarztphobie auch einfach zu ausgeprägt. Das mag bei leichterer durchaus so sein.

Aber: es war machbar, die Panik ist wieder in Griff zu kriegen und wenn er nichts groß macht – also nichts, bei dem man einen Druck spürt oder so – war es wirklich ok – nicht egal, aber gut aushalbar und er darf dann auch machen ohne Panik oder große Anspannung/Angst.

Man ist jederzeit voll ansprechbar, kann auch reagieren und  ich war auch nicht müde oder so – es war nur mehr – Gelassenheit – da. Auch auffallend war, dass mir die Zeit nicht so lang vorkam – im Endeffekt war es eine Dreiviertelstunde, die mir kürzer vorkamen – wobei die Hauptzeit gefühlt dafür war die richtige Einstellung zu finden.

Geplant sind noch 5 weitere Termine – wobei beim nächsten auch nochmal genauer geschaut wird, was alles wie gemacht werden kann um gegebenenfalls weitere Termine noch auszumachen.

Bei mir hat die Krankenkasse zugesagt, die Kosten für die Lachgassedierung zu übernehmen – wenn der Zahnarzt es für nötig hält, wird übernommen. Allerdings gibt es fachärztliche (psychiatrische) Stellungnahmen, dass wegen Gefahr einer Retraumatisierung nur unter Sedierung eine Behandlung möglich ist.

Außerdem hat die Kasse schon zwei oder drei Zahnops unter Vollnarkose aus dem selben Grund übernommen (die letzte allerdings 2006, danach wurde das abgelehnt, mittlerweile ist es wohl wieder möglich).

Im Endeffekt kommt es die Krankenkasse auch günstiger mit dem Lachgas.

Auch wichtig finde ich, dass man einen Arzt hat, dem man diesbezüglich vertraut, bei dem man sich gut aufgehoben fühlt.  Und dass man sehr klare und deutliche Zeichen ausmacht – damit es nicht zu Missverständnissen kommt.

Das war jetzt nur ein Schneidezahn – also ganz vorne – für mich ist alles weiter hinten deutlich schwieriger. Was auch ein Grund war, warum wir vorne anfingen. Auch das nächste Mal werden wir noch bei den Schneidezähnen bleiben – auch wenn der Backenzahn schmerzt. Vielleicht antesten wie es ist wenn er etwas weiter hinten auch was macht – aber definitiv noch nicht ziehen oder ähnliches.

Ich werde ihm auch eine mail schicken – mit diesen Überlegungen – einfach weil die Anspannung direkt davor doch sehr hoch ist und da noch groß was ansprechen ist schwierig (was auch heute der Grund war, warum es nicht klar abgesprochen wurde von meiner Seite aus).

Alles in allem wird der Zahnarztbesuch für mich nie entspannt ablaufen – und auch wenn ich schon hoffte, dass ich das „alles egal, mach was du willst“-Gefühl kommt – weiß ich jetzt, dass es – machbar sein kann. Vorne. Hinten müssen wir noch sehen und ausprobieren.

Es ist auf jeden Fall ein großer Schritt in die richtige Richtung und ich bin froh, dass ich diese Möglichkeit habe. Wer selbst eine Zahnarztphobie hat, sollte wirklich überlegen ob er es mit Lachgas probiert – denn wenn es klappt, ist es eine sehr große Erleichterung – und in meinem Fall macht es eine Behandlung überhaupt erst möglich.

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Ein Kommentar zu Zahnarztphobie – meine Erfahrungen mit Lachgas Teil 1

  1. Webschmetterling sagt:

    Hallo liebe Ilana,

    Du hast viel geschafft, die erste Hürde ist genommen und was ich prima finde, dass ist, dass der Arzt super ist.
    Ich kannte das gar nicht mit dem Lachgas beim Zahnarzt, schade, denn vor längerer Zeit hätte ich es auch brauchen können.
    Lachgas bekam ich nach der 2. Geburt, als die Spritzen vor dem Nähen nicht anschlugen. Das Lachgas fand ich schon ziemlich ok.
    Du wirst alles schaffen, Deine Schutzengel werden immer bei dir sein.

    Liebe Grüße
    Webschmetterling

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