puh

So ein „puh“ mit ganz langem und hörbarem Ausatmen – überhaupt versuche ich mich grad sehr aufs Ausatmen zu konzentrieren – um die Panik wenigstens auf einem „bin noch handlungsfähig“-Level zu halten.

Seit halb drei bin ich  wach – seit drei dann auch auf –  ständig mit Panikattacken kämpfend und einfach nur so müde, dass selbst das Augen offen halten  – anstrengend ist. Aber zumachen geht nicht – dann ist sofort Unruhe da und inneres Chaos und vor lauter Unruhe aus der Haut fahren wollen – und leider nicht mal ein Hauch von vielleicht doch nochmal ein paar Minuten dösen.

Das macht mich am meisten fertig – so unendlich müde sein – und nicht schlafen können.

Und so sehr diese Panikattacken (und Flashbacks und Co) auch nerven und anstrengen – so bin ich doch froh, dass ich heute dann weiß ob das klappt.

Hoffe sogar ein bisschen auf dieses Gefühl von Entspannung und „wie im Urlaub“ und geborgen und friedlich – wie oft beschrieben wird wie sich das mit dem Lachgas anfühlt. Weil ich nicht weiß, wann ich das letzte Mal mich entspannt und geborgen und friedlich gefühlt hab. Und die Sehnsucht nach ein bisschen Ruhe – ist groß.

Aber so wirklich glauben kann ich das nicht.

Der schmerzende Zahn, der gestern dann (nach einer Ibu vorgestern – irgendwie komm ich ja bei Zahnschmerzen meist erst sehr spät drauf, dass ich dafür ja was nehmen könnte) ziemlich Ruhe gegeben hat, zickt heute wieder mehr rum – im Moment aber nur bei  Berührung (was ja beim letzten Backenzahn quasi bei jedem Schlucken der Fall ist – aber hey – man lernt einseitig zu schlucken).

Und ganz ehrlich – der Gedanke, dass er an den Schneidezähnen rumwerkelt (und auch das Ziehen des einen) macht mir deutlich weniger Angst als dass er da den Backenzahn angehen will – einfach weil er da halt wirklich auch weit in meinen Mund reinfassen muss.

Es ist nach wie vor das „jemand fasst in meinen Mund“ oder fuhrwerkt darin rum – dass mich fast austicken lässt. So sehr, dass zwar Lebensmittel immer noch in den Mund dürfen (möglichst kurz, also nichts mit groß kauen, aber immerhin schmecken geht noch), aber wehe ein Löffel oder eine Gabel  wagt sich zu weit rein. Auch Bonbons oder so gehen grad mal wieder nicht – was aber jetzt kein Problem ist – es zeigt nur grad, wie triggerreich das Ganze ist, wie hochgefahren da die Angst zur Zeit.

Was aber dazu kommt ist, dass ich weiß, dass diese Anspannung auch Tränen auslöst. Dass da letztes Mal ein paar flossen hab ich bis heute nicht verarbeitet – und es rührt auf.

Weil Gefühle ja grad gar nicht sein dürfen.

Der Theratermin direkt im Anschluss war ja ursprünglich so geplant, damit wir dieses aufgewühlt sein dann auch nutzen können (und um evt Krisenintervention abzudecken).

Doch da dort ja der große Widerstreit zwischen „Gefühle dürfen keinesfalls sein – weil Geräusche nicht sein dürfen und da es nicht bei Tränen bliebe darf eben auch gar kein Gefühl erst sein“ und dieser Sehnsucht und Trauer – diesen einzigen Ort, an dem Gefühle sein durften – verloren zu haben (was natürlich Gefühle noch mehr hochkocht, damit noch mehr Panik und „o Gott bloss kein Gefühl“ und absolutes No-Go und Panik).

So wurde das „abfangen“ plötzlich zur zusätzlichen Gefahr. Und ja es ist klar es geht um erden, möglichst die Trigger reduzieren, also auch das wieder ins hier und jetzt kommen, Flashbacks reduzieren und nicht ums Fühlen – aber allein die Angst, dass ich da wieder heulend aus der Praxis gehe (und bisher gab es eigentlich keinen Zahnarzttermin an dem das nicht so war) macht Angst.

Macht es ja auch sonst – also auch als das noch sein durfte – aber in der Öffentlichkeit eben doch auch immer noch nicht – und doch passiert es – das ist natürlich aktuell, wo eben auch das „darf sein“ so gar nicht gegeben ist etwas – was Panik macht.

Weil ich nicht weiß wie damit umgehen. Mir ist klar, dass ich damit umgehen werde, es wird irgendwie gehen (müssen), trotzdem.

Vielleicht ist es einfacher sich mit dieser Panik auseinanderzusetzen, weil es bedeutet, dass das andere überstanden ist – das muss ja davor erstmal passiert sein.

Oder weil ich den Gedanken, dass es nicht klappt – nicht ertrage  – dass ich so große Hoffnungen auf das Lachgas setze, dass mir das schon wieder Angst macht – es ist einfach meine einzige Chance. Die zu verlieren – nun ja – ich weiß nicht wie ich damit umgehen sollte. Und es ist nicht so, dass ich grad so super stabil wäre, dass ich das schon irgendwie hinkriegen würde.

Ich wünschte einfach der Tag wäre schon vorbei – natürlich alles super gelaufen und gut.

 

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3 Antworten auf puh

  1. Julia sagt:

    Ilana,

    ich denke feste an Dich und wünsche Dir nur das Beste für heute.

    Ich habe schon oft geweint, wenn ich Schmerzen hatte oder mich überfordert gefühlt habe, auch in der Öffentlichkeit. Mehr als ein paar seltsame Blicke oder die Frage, ob man mir helfen könne, ist dabei nie passiert.

    Liebe Grüße
    Julia

  2. Ilana sagt:

    Tränen in der Öffentlichkeit sind ja ein Trigger für mich – geht gar nicht. Nicht weil die Leute komisch reagieren könnten, sondern weil es eben altes triggert.

    Aber es ist heute gut und ohne große Tränen gelaufen 🙂

  3. Julia sagt:

    Ilana,

    ich bin so froh, dass es für Dich funktioniert hat.

    Erleichterte Grüße
    Julia Flesch

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