Fernseherdilemma

Als klar war, dass das „annehmen können“ an diesem doofen Fernseher scheitert, weil das halt so – unwichtig – für mich ist, dachte ich erst, es wird sich einpendeln, ich kann es jetzt zuordnen und damit ist gut.

Nun – war es nicht. Erst dann das Drama mit dem Amazon-Gutschein, als das endlich geklärt war wieder Probleme mit „annehmen können“ usw. Ich mein, es ist ja nicht so, dass ich bei den anderen Sachen mir leicht tue mit Annehmen, aber es geht halt irgendwie.

Auch mit dem Kompromiss für mich, dass ich ein Zahnarztkonto anlege – also quasi das brachliegende Sparbuch dafür nutze, dass wenn mir was zugesteckt wird, das eben da drauf geht.

Wie auch immer – jedenfalls merkte ich, dass das mit dem Fernseher echt blöd ist. Also sprach ich es an. R. redet ja schon seit über einem Jahr davon, weil meiner alt ist, für sie der Fernseher sehr wichtig und grade weil ich ja nicht immer zur Messe komme – da kann ich dann ja am Wochenende die Messe im Fernseher schauen – was ich auch tatsächlich tue – aber das ist jetzt nicht das Zentrum meiner Welt.

Als sie mich dann vor ein paar Wochen ihre Diagnose bekam, bestärkte sie ihr Bemühen und ich gab irgendwann nach.

Gut – also sprach ich sie an, dass ich da grad echt Schwierigkeiten habe, weil das für mich ein Luxus ist, der auch nicht wichtig ist, hingegen aber so viel anderes anstehen würde usw. Sie blieb stur, ihr war das einfach sehr wichtig – und von daher: wenn sie mir das Geld schickt MUSS ich es für den Fernseher nutzen. Punkt. Wenn nicht ist das in Ordnung, aber ihr ist das wirklich sehr wichtig (klar, das merkte ich ja schon seit langem).

Also nochmal ein in mich gehen – es eher als was ansehen, was ich für sie tue, eben weil es ihr so wichtig ist – und sie ist mir wichtig.

Alles in allem – es war viel hin und her, ich merkte ihre Enttäuschung – nicht wegen dem Geld, sondern weil es ihr so wichtig ist.

Trotzdem war ich kurz davor das Geld wieder zurückzuschicken (sie hatte es dann nämlich einfach überwiesen).

Klar könnte ich es für was anderes nehmen und sie würde es nie erfahren. Aber dummerweise kann ich das nicht. Ich mag nicht deshalb lügen und kann zweckgebundenes Geld nicht für was anderes nutzen. So bin ich einfach nicht, ich könnte das nie umsetzen, weil mich das schlechte Gewissen umbringen würde.

Im Endeffekt wird es diesen Fernseher jetzt geben und jedesmal wenn ich ihn sehe oder damit was sehe, werde ich an sie denken und für sie ein Gebet sprechen. Diese Idee fand ich sogar ganz gut. Es ist ein Kompromiss, aber ich denke auch einer mit dem ich umgehen kann. Aber ich werde mit Sicherheit sehr viel häufiger die Messe damit schauen – weil das das ist was sie sich eigentlich wünscht.

Für sie ist das so immens wichtig, sie würde tatsächlich ohne schlicht sterben. Und dass ich eben nicht jeden Tag die Möglichkeit habe zur Messe zu gehen – und das nicht mal sonntags – das liegt ihr schwer auf der Seele. Sie will mir die Option geben, dann wenigstens im Fernsehen eine mitzuleben.

Ich kann das verstehen, kann aber nicht verständlich machen, dass mir das eben nicht so wichtig ist, weil ich immer auch übers Internet an eine käme.

Aber es ist bei mir angekommen, dass es ihr wirklich ein Herzanliegen ist, dass sie wirklich Angst hat, wenn mir diese Option fehlt. Dass sie sich natürlich auch wünscht, ich würde es so intensiv nutzen wie sie (also nicht nur Messen, sondern quasi den ganzen Tag K-TV), aber dass es mehr darum geht, dass ich es kann.

Dass ich Zugang zu einer Messe habe, auch wenn ich nicht in die Kirche komme.

Ich glaube dieses Anliegen ist jetzt bei mir angekommen – es ist jetzt für mich denkbar geworden, annehmbar.

Und auch erklärbarer, warum das seit ihrer Diagnose so eskalierte – weil sie ihr wichtiges jetzt regeln will (wenn auch im Moment eher ohne Rücksicht auf Verluste, was ich aber von ihrer Situation her auch verstehen kann).

Und ja – sie ist mir wichtig. Sie ist das was einer Mutter oder Oma oder Familie am nächsten kommt für mich.

Es ist jetzt ok so. Und ehrlichgesagt bin ich einfach nur froh dass es jetzt wirklich geklärt ist. Uns sein darf.

Das „Zahnarztkonto“ werd ich trotzdem behalten. Auch wenn es jetzt nicht nötig wäre. Aber ich glaub das das trotzdem gut ist, weil ich da was für mich tue. Ja es ist nötig (sehr sogar), aber es ist eben auch was, was ich jetzt schaffen möchte. Wenn ich auch noch nicht weiß wie.

Annehmen können wird immer Thema sein, es wird mir nie leicht fallen. Aber es gilt ja immer noch die Absprache, dass ich alles annehme, was mir angeboten wird. Und die ist in den letzten Wochen arg ins Wanken geraten – es ging einfach nicht mehr – auch weil ich mir so viel gegönnt habe.

Das ist jetzt wieder in einer Art „Gleichgewicht“. Es ist wieder – ok. Machbar. Und zwar nicht nur grenzwertig, sondern auch so, dass ich mich neben dem schlechten Gewissen und „verdien ich nicht“ usw eben auch drüber freuen kann, wenn ich etwas bekomme.

Erst jetzt wird auch deutlich, wie sehr mich das mit dem Fernseher belastet hat. Weil es einfach viel Geld ist, dass ich so viel lieber an anderer Stelle eingesetzt hätte.

Von daher bin ich wirklich froh, dass es jetzt wieder ok ist. Sich da – wenn auch nach sehr langem Ringen – eine Lösung finden liess – die für alle Beteiligten in Ordnung ist.

Und es für mich auch wieder sein darf. Ok ist. Und auch positive Aspekte bekommen hat.

 

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