Thera heute

Wir hatten vorab per mail geklärt, dass wir gar nicht groß reden, sondern gleich einsteigen in die Arbeit mit den Gefühlen, das zulassen.

Mir fehlt ja mein Turmzimmer wirklich extrem – aber ich komm da nicht rein. Vielleicht haben wir am Ende einen Grund dafür gefunden.

Wir versuchten es mit dem Felsen und auch da hakte es ab dem Moment, an dem Tränen hochstiegen.

Gegen Ende klappte es besser, da wurde auch deutlicher dass es nicht nur um das ¨zuviel¨und ¨aushalten müssen¨ und Einsamkeit geht, sondern grade in der Thera auch darum, dass er mit aushält, da ist und mich sieht. Nicht nur die, die funktioniert wie alle anderen, sondern auch die dahinter, die kämpt, aushalten muss, vor Schmerz fast kaputt geht.

Dass es eigentlich um das einfach sein dürfen geht, mal nicht kämpfen und funktionieren, gesehen werden  und begleitet werden.

Aber irgendwie auch ¨anerkannt¨  wird, wie schwer es grad ist, wie viel und wie viel zu viel.

Bis sich dann ein klitzekleines Geräusch (dass der Thera gar nicht wahrgenommen hat) kam und der Körper mit Panik reagierte. Der Kopf folgte irgendwann, realisierte dann auch dass es grad nichts schlimmes gibt, aber das rausholen aus der Panik des Körpers – war schwierig. Sehr schwierig.

Es wurde wieder mal deutlich, dass wir uns das mit den Geräuschen dringend anschauen müssen. Dieses absolute No-Go für mich und den Trigger den das auch beinhaltet.

Ich weiß nur nicht wie wir das anschauen sollen, weil ja allein die Thematik schon Panik auslöst – und dann kann ich nicht mehr klar denken – es kommt einfach nichts mehr an.

Da es eh Ende des Termins war haben wir es damit dann  auch beendet – nachdem ich die Panik einigermaßen in Griff hatte.

Es war ein anstrengender, aber nicht wirklich intensiver Termin.

Irgendwie ist die Vermutung da, dass Tränen grade nicht sein dürfen, weil es nicht bei Tränen bliebe. Denn Tränen allein dürfen schon sein. Aber wenn die anfangen, ist der Schmerz, die Sehnsucht, die Verweiflung, Traurigkeit oder was auch immer – so intensiv, dass es nicht dabei bleibt, dass ein Schluchzen aufsteigt – was ja so gar nicht geht. Schon allein deshalb müssen wir wirklich schauen wie wir das mit dem Geräusch klären können.

Zwischendrin kam die Idee auf, dass das Turmzimmer vielleicht auch deshalb so fehlt, weil es in ihm nicht ums funktionieren geht – sondern ums sein.  Aber da dann eben auch erstmal viele Tränen fließen würden – hakt es da – weil es eben nicht bei Tränen bliebe.

Dabei fehlt mir das Turmzimmer so sehr, dass es weh tut.  Als ich da heute davor stand und diesen blöden einen Schritt rein nicht hinbekommen habe, hat es mir schier das Herz zerrissen.

Die Sehnsucht danach ist so groß, dass es gar nicht wirklich zu fassen ist.

Wir arbeiten dran.

Nach dem Termin hab ich ihm noch die Bilder gegeben. Ich hatte ja mal Gefühle in Farben umgesetzt – 2003 – ich hab mir die Bilder nie wieder angesehen – aber sie existieren noch. Da der Thera ja aus der Kunsttherapie kommt, interessiert ihn das natürlich sehr. Ich wollte sie ihm geben, aber vorerst noch nicht damit arbeiten – zu sehr ist das Malen und das ¨wie¨sie sind grade schwierig und zerstörrerisch. Außerdem gab es die CD mit den Fotos der alten Wohnung – der vorletzten – die ja eine Messiewohnung war.

Weil das mit der Wohnung grad nicht klappt. Er sich natürlich auch nichts vorstellen kann. Geplant war auch die aktuelle Wohnung in den unterschiedlichen Stadien zu fotografieren – also aufgeräumt – und kurz vor dem Wohnungstermin mit dem  Betreuer im Katastrophenzustand.

Das hab ich aber nicht hinbekommen – weil ich die Bilder ja dann durchsehen müsste um auszuwählen ob scharf genug usw – und das schaffe ich grade nicht.  Auch den Betreuer konnte ich das nicht machen lassen, was wohl auch an der Urlaubssituation ab nächster Woche liegt.

Aber das soll irgendwann dann doch noch nachgereicht werden. Einfach weil er sich das ja gar nicht vorstellen kann was ich damit meine – und auch was es bedeutet. Es geht also auch ein Stück darum da Realität rein zu bringen.

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