und dann …

… ist es wieder da – das Tief.

Auslöser ist die Wohnung – ich will die Küche auräumen – nichts großes – ein Topf, eine Schüssel, bisschen Kleinkram – was eben beim Kochen heute anfiel und wirklich gekocht hab ich eh nicht – aber ich krieg es nicht hin, der Druck steigt, die Unruhe nimmt Überhand.

Ich bin kurz davor alles hinzuschmeißen – den Topf oder was immer grad rumsteht durch die Gegend zu pfeffern – weil schlicht überfordert in dem Moment.

Dazu kommt der Ärger, weil ich ja sehe, dass es nichts ist – eine Aufgabe von höchstens 5 Minuten – aber ich krieg es nicht hin. Frust pur.

Also geh ich aus der Situation, bevor ich total austicke. Draußen komm ich schnell runter, aber die Unruhe, der Frust bleiben.

Dieses Gefühl von „zuviel“. Nicht mal Essen ist noch drin. Pellkartoffeln hätte es geben sollen, die Butter und der Quark sind schon lange fertig, die Kartoffeln wären es ebenfalls – aber jetzt ist zu viel innere Unruhe um zu essen. Die Beine, die Hände – nichts kann still stehen.

Irgendwann hab ich mich einigermaßen beruhigt – die Unruhe bleibt, das innere Brodeln, aber Ablenkung ist möglich, ich kann alles mögliche machen.

Wieder ein Versuch irgendwas in der Wohnung zu machen – und erst scheint es zu klappen – bis dann von jetzt auf gleich wieder nur noch Toben da – inneres. Alles runterschmeißen zu wollen, weil ich es nicht hinkriege – weil es einfach zu viel ist.

Ich versteh es nicht – es geht nicht um ein „ich weiß gar nicht wo anfangen“ – denn das wäre klar – aber es klappt nicht.

Wenn kleine Dinge im Alltag zu viel werden – obwohl man sonst ziemlich stabil ist und es einem gut geht – ist das ein Widerspruch, den ich grad nicht einordnen kann.

Kein Hunger mehr – denn das Gefühl des „zuviels“ löscht auch diesen. Zu müde zum Essen – müsste ja die Erdäpfel erst schälen.

Eine innere Anspannung, die Hände zittern, die Muskeln zucken, vom Kopf her kann ich es nicht einordnen, gefühlt geht es mir eigentlich nicht schlecht – nur der Körper zeigt, dass da doch was sein muss.

Wissen, dass in mir irgendein Kampf tobt, dass da irgedwas brodelt – keine Ahnung was – aber es ist da.

Runterfahren geht gut – die Skills greifen, aber sobald dann wieder eine Anforderung da ist – kippt es wieder. Ohne Anforderung geht es.

Leider ist vorher nie so ganz klar ob etwas grad als „Anforderung“ gilt oder nicht.

Blöd.

So – jetzt noch ein Versuch in der Küche und danach Auszeit.

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7 Kommentare zu und dann …

  1. Svü sagt:

    Bei mir sind es im Moment Gespräche. Nicht Aktivitäten die mich so umreißen können. Innerhalb von Sekunden. Und dann lenk ich mich halt ab… und plötzlich ist der Tag rum. Ich kanns so gut verstehen.. :/

  2. Ja, spricht für starke Simmungsschwankungen und diese impulsiven Handlungen könnten ja doch für eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung sprechen. Diese Therapien die gemacht hast, so scheint es dem Vokabular nach zu urteilen, stammen ja in modifizierter Form aus der DBT nach Linehan. Mich wundert es, das Du nach so langer Zeit keine Selbststeuerungstrategien entwickeln konntest. Immer noch fällst Du scheinbar ziemlich schnell in ein „Loch“. Nimmst Du keine Medikamente zur Stimmungsstabilisierung, z.B. Valproat (Orfiril), Carbarmazepin (Timonil), oder Silicium, letzteres dient zwar der Suizidvorbeugung aber hat starke Gewichtszunahme zur Folge?

  3. Ilana sagt:

    @Michael: nein – Stimmungsschwankungen können bis zu einem Gewissen Grad auch normal sein. Bei mir ist das mit der Wohnung ein Problem, das mit meiner Mutter zu tun hat. Wenn es in mir brodelt (also irgendein Thema arbeitet), wirkt sich das natürlich auch mehr im Alltag aus.

    Die Pesso-Therapie hat mit DBT nicht so viel zu tun. Das mit den Skills kommt ntürlich aus dem DBT.

    Ich weiß nicht warum du so sehr auf Borderline aus bist – hier hast du die Kriterien für die Diagnose: http://de.wikipedia.org/wiki/Borderline-Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung#Klassifizierung_nach_DSM-IV

    Das traf bei mir nie zu – selbst in den ganz schlechten Zeiten – nie zu. Natürlich gibt es einzelne Punkte, die mal zu treffen – doch ehrlichgesagt auch das bei fast jedem mal.

    Mit Diagnosen muss man meiner Meinung nach sehr vorsichtig sein. Dafür gibt es Ärzte – und glaub mir – ich mach seit 20 Jahren Therapie und wurde mehr als nur einmal diagnostiziert.

    Was die Medikamente angeht – zur Stimmungsstabilisierung nehme ich nichts, weil es nicht nötig ist. Weil ich auch ohne klar komme. Meine Skills funktionieren, ich muss dann halt aus der Situation – was auch normal ist. Wenn der innere Druck zu hoch ist, ist es Ziel diesen wieder zu senken.

    Das klappt – von daher brauch ich dazu keine Medikamente, sondern Skills (und das sind auch die Selbststeuerungsstrategien die du vermisst hast)

    Aber ich nehme ein Medikament um besser zu schlafen, das in „normaler“ Dosierung (ca 300 mg) auch stabilisierend wirkt – ich nehm da aber nur 25 – 50 mg – in dieser Dosierung schlafe ich nachts etwas mehr. Und das aktuell weil ich eben die Ruhe auch brauche, weil es halt aktuell anstrengender ist.

    Was übrigens während einer Traumatherapie mit Exposition völlig normal ist – deshalb wird das in der Regel auch stationär gemacht.

  4. Danke für die Belehrung, aber ich komme vom Fach. Du legst offensichtlich „Normal“ zu sein, da Du Begriff viel nennst. Ich denke nicht, dass Du „Normal“ bist, und das ist auch gut so.

    • Ilana sagt:

      Nein ich bin nicht normal. Aber das was aktuell bei mir abläuft – ist für die akteullen Umstände (Traumatherapie in Expositonsphase) – normal. Wenn jemand stirbt und der Angehörige trauert und leer ist – ist das keine Depression, sondern eine „normale“ Trauerreaktion. Pathologisch wird es erst wenn es nach angemessener Zeit nicht aufhört, ein Stillstand herrscht.

      Nicht umsonst gibt es eben best. Kriterien wann eine Diagnose gestellt wird und wann nicht.

      Und ja ich wehre mich dageben wenn mir eine aufgedrängt wird. Zumal du mich gar nicht kennst, du liest Ausschnitte, Momentaufnahmen, kennst vermutlich die Zusammenhänge gar nicht, aber bist dir sicher, dass du recht hast und ich das nur nicht sehen will/kann.

      Stimmungsschwankungen gibt es von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt, aber auch in sehr viel kleineren Einheiten (die wiederum tatsächlich für jeden Gesunden normal sind). Und im Moment bewege ich mich eher auf der Skala knapp unter der der Gesunden. Außerdem hast du überlesen dass Skills ja sehr wohl greifen und der Auslöser eine best. Situtation ist, die aktuell eben auch Thema ist (Thema der Traumatherapie ist die Mutter – und die Mutter hat extrem viel für mich mit der Wohnung zu tun). Und dass ich mich ja eben sehr wohl wieder gut fangen kann, sobald ich aus der auslösenden Situtation raus gehe.

      Du gehst vom „Schlimmsten“ (bei den Stimmungsschwankungen eben von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt) aus – ohne zu überprüfen ob das wirklich so ist.

      Glaubst du nicht dass all die Ärzte und Therapeuten der letzten Jahre etwas besser einschätzen können ob eine Diagnose bei mir zutrifft oder nicht? Und die sind sich einig, dass ich keine Borderlinerin bin. Und ich spreche hier von Fachärzten, ich bin immer noch an die Institutsambulanz der hiesigen Psychiatrie (übrigens mit spezialisierten Stationen für Trauma und Borderline) angebunden, von der ich auch meinen Therapeuten kenne, der hat da nämlich fast 20 Jahre gearbeitet und sich erst vor gut einem Jahr selbständig gemacht.

      Schlicht weil selbst in den ganz schlimmen Jahren ich einfach nie die nötigen Kriterien erfüllt hab. Einzelne davon ja – aber nie die 5.

      Grade mit Diagnosen wäre ich sehr vorsichtig, denn für Menschen, die da nicht so sicher sind oder differenzieren können, kann das große Krisen bedeuten. Oder auch dass sie sich an etwas festhalten, weil sie sich in einem Satz davon wiederfinden – und sich nur noch darauf konzentrieren, statt am eigentlichen Problem zu arbeiten/arbeiten zu können.

      Dir scheint Borderline sehr wichtig zu sein – du hast es schon im ersten Beitrag erwähnt, jetzt wieder. Schlägst sogar Medikamente vor – ohne zu wissen ob das nötig ist oder hilfreich oder gut – weil du einfach die Umstände nicht siehst/berücksichtigen kannst.

      Ich traue da meinen Ärzten, Therapeuten und mir deutlich mehr – und in eine Schublade drücken, weil es dir grad so vorkommt – lass ich mich nicht (das steht auch irgendwo 😉 )- und dagegen wehre ich mich dann auch.

  5. Ich schlage Dir keine Medikamente vor. Diagnostiziert habe ich dich auch nicht, warum auch, ich habe dafür überhaupt keine Ausbildung. Dein Vokabular ist nur der BorderlineTeherapien entlehnt, deshalb bin ich darauf gekommen, nicht mehr und nicht weniger. Ich wollte nur mehr über dich erfahern. Von selbst schribst du ja nichts. Das du momentan trauerst, wusste ich nicht, woher auch. Aber das Du gleich so feindseelig bist, spricht für sich, schönen Tag

  6. Ilana sagt:

    @Michael Drews
    Ich trauere nicht, das war nur ein Beispiel. Und über aktuelle Situationen schreibe ich sehr wohl – aber das natürlich nicht in jedem Beitrag. Das ganze hier ist eine Art Tagebuch – die Traumatherapie mach ich schon länger und was in der Therapie grade läuft steht in den Therapiebeiträgen. Natürlich bauen die aufeinander auf, so dass nicht alles in jedem erklärt wird.

    Feindseelig sehe ich mich nicht, ich stelle nur richtig. DPT ist übrigens nicht eine reine „Borderline-Therapie“, sondern auch für PTBS und andere Störungsbilder.

    Aber ich gebe dir recht, dass du die Diagnosen und Medikamentenfrage als Frage gestellt hast – nicht als „Fakt“ – vermutlich reagiere ich da etwas empfindlich, weil die Erfahrungen, damit einfach in Schubladen abgelegt zu werden eine ist, die mit ein Grund für diesen Blog war und ist.

    Von daher tut es mir leid, dass ich dir da etwas unterstellt habe, was nicht so war.

    PS: dein Kommentar war doppelt, daher hab ich ihn einmal gelöscht

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