Angst

ANGST

Es ist ein Gefängnis
die Wärter übernehmen mehr und mehr die Macht
die Macht über den Gefangenen
über das gesamte System
man kommt nicht dagegen an
man weiß, dass etwas falsch läuft
doch kann man es nicht ändern
sie überwältigen einen
machen dich unfähig
auch nur irgendwas zu tun
schon das Aufstehen kostet die gesamte Kraft
das Leben hat keinen Sinn
jede Minute versucht man gegen die Wärter anzukämpfen
bis sie einen absolut beherrschen
dazu wird aller Lebenssaft verwendet

ca 1997 entstanden

Angst gehört noch heute zu meinem Leben, doch bei weitem nicht mehr in dem Ausmaß wie damals. Sie ist nicht mehr ständig da und vor allem nicht mehr so lähmend wie damals. Es gibt nur noch wenige Situationen, die immer noch lähmen: Gutachten z.Bsp.

Es ist deutlich mehr Kraft für Angsttraining da – und ich bin sicher noch sehr eingeschränkt durch meine Ängste – aber im Vergleich zu damals bin ich schon sehr frei. Auch hier arbeite ich natürlich weiter dran – ich kämpfe heute gegen die Wärter – und zwar mit Erfolg.

Doch es gibt auch diese Angst vor dem was kommt – vor Themen, die man aufgreifen und anschauen muss, in der Therapie – vor Gefühlen, die Jahrzehnte nicht sein durften und mit solch einer Intensität und Gewalt auf ihr Recht pochen, ihr Recht sein zu dürfen und die sich nun ihren Weg bahnen. Sich diesen Gefühlen zu stellen, sie zu fühlen, wahrzunehmen, nochmal zu durchleben, auszuhalten – macht mir aktuell große Angst – weil es so unendlich weh tut, die Intensität kaum (und manchmal auch nicht) auszuhalten ist.

Das ist in der Thera das aktuelle Thema.

Und doch ist auch hier der Weg nur: sich dem Ganzen zu stellen, es nicht länger zu vermeiden, weil nur so wird es an Intensität und Gewalt und vor allem an den Auswirkungen heute verlieren – das Alte.

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