Ruhe vor dem Sturm?

Ich bin grad recht ruhig – müde ruhig, aber nicht resigniert ruhig.

Bei der Regenfrau las ich dann „auch das wird vergehen“ und stellte fest – genau das leb ich grade.

Große Krise letzte Woche und anfangs viel Angst ob wir da überhaupt hinkriegen, irgendwann dann klärte es sich für mich ein Stück und diese Angst verschwand.

Nicht dass wir nichts klären müssen, aber irgendwie auch eine Gewissheit: kriegen wir schon hin.

Und bewusst geworden: ich leb das meistens – ganz automatisch – es hat sich verankert – das „auch das wird vergehen“ – meistens zumindest.

Gut so – und sicher ein Erfolg der Therapie – Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Skills, aber auch Vertrauen darauf, dass es sich auch wieder ändern wird (wenn auch unklar wohin – denn kann ja auch schlechter werden, nur irgendwann – ist es unten und irgendwann kann es nur noch bergauf gehen).

Dieses Verändern – verdanke ich den Erfahrungen mit EMDR – denn das Prinzip dahinter ist ja, dass eine stetige Veränderung stattfindet, kein „steckenbleiben“ möglich ist – ein neurobiologisch nicht möglich.

Nachdem die Angst es nicht hinzukriegen weg war (und auch da war klar, dass ich grad in altem feststecke) – wurde ich ruhiger, gelassener.

Die Gefühle sind nach wie vor da, aber nur noch abgeschwächt. Ab und an brechen sie mal wieder mehr durch, aber nur kurz.

In Wellen – und die Abstände werden größer, die Wellen kleiner.

Der Staudamm hält wieder.

Und morgen werde ich mich mit dem Thera hinsetzen, eine Bestandsaufnahme machen, einiges klären, neu vereinbaren, Klarheit schaffen – denn die Krise letzte Woche hat wieder viel Unsicherheit reingebracht, was Vereinbarungen angehen.

Tja und dann werde ich mich wohl den Gefühlen stellen müssen – und anfangen sollten wir wohl im Januar.

Denn was auch deutlich wurde – ich hab die Therakrise nicht so hinter mir gelassen, wie ich dachte. Die Gefühle sind nicht wirklich geklärt, auch wenn es im Kopf sehr wohl klar ist.

Doch erstmal gilt es die Fragen zu klären – Fragen die ich an den Thera habe, was ihn angeht, Fragen die ich an uns stelle, an die gemeinsame Arbeit, den Erwartungen die da sind, wo die Gemeinsamkeiten sind, aber auch wo wir grad auf unterschiedlichen Planeten stehen und am wichtigsten – Fragen die ich mir stellen muss (und da brauche ich denk ich seine Hilfe um das wirklich klar zu kriegen).

Fragen wie:

an uns:

  • haben wir uns wieder in was verwickelt oder ist etwas in der Arbeit unklar/verwischt?
  • sind für beide die jeweiligen „Erwartungen“ klar, sowohl die an sich selbst, als auch die dem anderen gegenüber?
  • und stimme die überein?
  • sind die eigenen Positionen klar und auch wo der andere steht?
  • wurde es zu kompliziert und wenn ja – wie können wir es vereinfachen (denn verwickelt ist es teilweise schon)
  • wo liegt der Frust?
  • wo liegt das miteinander, was sind die Gemeinsamkeiten?
  • wo gibt es Probleme, stehen wir an unterschiedlichen Stellen, befinden wir uns an unterschiedlichen Punkten

 

und die Fragen an mich:

  • eskalierte das grade so, weil ich Angst vor dem Thema „Mutter“ habe?
  • oder holte es mich ein, weil das damals im Januar ja auch mit dem Thema „Mutter“ zu tun hatte – er bei diesem Thema ausstieg
  • oder wurde die Krise damals damit so eng mit dem Thema „Mutter“ verknüpft, dass ich das nicht mehr getrennt bekomme, so dass es sich zwangsläufig wiederholen muss
  • reagiere ich auf etwas beim Thera ohne es zu fassen zu kriegen und mache das nur an den „Veränderungen“ fest (Veränderungen in seinem Verhalten) – wobei mir die Veränderungen schon klar sind – die Frage ist da eher wie kommt es dazu und wo hat es dann angefangen, denn aufgefallen ist es ja eher „mittendrin“
  • oder hat es sich so verwoben, dass ich diese Veränderungen oder das Verhalten unbewusst herausfordere (und wenn ja – wie kriege ich das dann klarer und vor allem getrennt?)
  • was ist aktuell wirklich gelaufen und was davon gehört in den Januar (wobei diese Frage für mich glaub ich geklärt ist, das möchte ich nur absichern).

Die Fragen an ihn betreffen mehr das „wie arbeiten wir miteinander“ und „wie wirkt mein Verhalten auf ihn“ bzw. „kann er seine Grenzen klar sagen – ohne Angst, dass ich dann verletzt bin oder ähnliches“

Letzteres weiß ich, dass es ihm schwerfällt und von daher geht es da vor allem darum auch nochmal zu klären, ob es da mehr an mir liegt, weil ich wirklich so reagiere (verletzt und qasi nicht mehr in der Lage dann drüber zu reden) oder ob er auch mehr mitmacht und weniger sagt, aus der Angst heraus dass es mich sonst aushebelt (was ich definitiv nicht möchte). Vom Gefühl her geht es grad mehr um letzteres, aber sicher bin ich mir nicht.

Da das aber auch Thema war im Januar – und zwar seins – möchte ich es einfach nochmal ansprechen und nachhaken – auch für mich als Sicherheit und vor allem um den doofen Widersachern da  die Grundlage ihrer Argumente zu entziehen.

 

Ich weiß, dass es diesmal an mir liegt -dass ich auf etwas reagiert habe,was von ihm kam, aber es auch ein überreagieren war – es mich in den Januar katapultiert hat und obwohl mir das bewusst war, bekam ich es nicht mehr auf die Reihe.

Und ich glaube es ist auch ganz gut, wenn wir nochmal genauer schauen, wo wir stehen, was wir da eigentlich machen und ob das alles noch klar genug ist.

Es wird anstrengend, sicher schmerzhaft und gefühlsbetont – es wird einiges durcheinanderwirbeln – in mir – und gewaltig nacharbeiten – aber wir werden es klären können – hoffe ich jetzt mal – gehe ich eigentlich von aus.

 

Und irgendwann – werden Gefühle, wird das fühlen, das wahrnehmen, hinspüren – für mich was normales werden – das nicht angstbesetzt undmit  tausend Zensuren und „darf nicht“ versehen ist.

Manchmal frag ich mich wirklich wie das ist – wie das Fühlen für andere Menschen ist, wenn es mit Erfahrungen wie Trost gekoppelt ist – oder so – quasi wie sich „normales fühlen anfühlt“ (klingt jetzt doof).

Wie es ist wenn man fühlen nicht erst lernen muss und von den zig Automatismen befreien, die dazu da sind es zu unterdrücken, bloss nicht zu fühlen, bloss nicht zu zeigen – und ich meine jetzt nicht in der Menschenmenge – sondern auch allein für sich im Kämmerchen mit allen Absicherungen die es gibt – wie es sich anfühlt einfach zu fühlen ohne dass imer Angst und Entwertung und Bewertung mit reinspielt – und schlechte Erinnerungen.

 

Und ich erinner mich, wie ich vor Jahren mir diese Frage auch stellte – mit dem „wie es sich wohl anfühlt, wenn man weiß ob die Hand die einem grade gereicht wurde wärmer oder kälter ist, wie es sich wohl anfühlt zu fühlen – wie die Gefühle wohl sind“ – denn damals gab es außer Panik kein Gefühl – oftmals nicht mal Angst – da war nur nichts oder Panik.

Heute kann ich mir das kaum noch vorstellen, wie das damals war.

So wird es hoffentlich in einigen Jahren auch sein wenn ich an die Zeit jetzt zurückdenke.

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2 Kommentare zu Ruhe vor dem Sturm?

  1. Violine sagt:

    Wie es sich anfühlt? Ich würde sagen „normal“. Nichts grossartiges, es ist einfach wie es ist.
    Ich sag‘ das jetzt deswegen, weil auch ich immer mehr zu mir komme. Und das fühlt sich an, wie ein „normaler“ werden. Nichts Spektakuläres, es ist einfach runder. Eben „normal“, das ist der richtige Ausdruck.

    Wenn ich das alles so lese: Bin echt froh, dass meine Mutter das Sorgerecht hatte und nicht mein Vater. Zwar hat sie auch so ihren Scheiss gemacht, aus dem ich mich rausarbeiten musste, aber bei meinem Vater – völlig verdrehter Mensch, hochpathologisch laut Aussage meiner Therapeutin – hätte ich auch ständig meine Emotionen kontrolliert, weil er alles, wirklich alles, weiss der Kuckuck wie interpretiert und gleich wieder einen Shitstorm losgelassen hätte.

  2. Ilana sagt:

    Dann bin ich ja mal gespannt wie sich „normal“ anfühlen wird 😉 – und ob mir das dann überhaupt auffallen wird oder es sich einfach schleichend entwickelt.

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