Thera heute

Eine Freundin gab mir den Tip (sie kennt den Therapeuten auch und weiß dass er das mitmacht) ihm doch eine Schlafmaske oder so zu verpassen. Dann könne er mich nicht sehen und das Problem „gesehen werden“ ist vom Tisch.

Natürlich schrien da gleich tausend Widersacher, dass ich mich nicht so anstellen soll, was das soll, wie ich ihm das „sehen“ nehmen kann, wo das doch für ihn so wichtig ist usw usf.

Aber ein Teil merkte auf und hatte das Gefühl von „das könnte sogar klappen“.

Leider hatte ich große Schwierigkeiten diese Idee auch dem Thera zu unterbreiten, obwohl ich wusste, dass er das mitmachen würde oder eben sagen, wenn nicht.

Irgendwie gelang es mir dann doch schriftlich – so dass wir Di dann kurz drüber gesprochen haben (und ich am liebsten gestorben wäre dabei).

Dummerweise gab es ein Missverständnis, er meinte nämlich ich verbände mir die Augen – nun gut – das war dann heute ein Panikauslöser und das schlechte Gewissen und die Widersacher kamen so richtig auf Hochtouren was das klären schwierig machte.

Ein Notfallmittel später konnten wir es klären und er musste lachen, weil es eigentlich logisch ist, dass er sich die Augen verbindet. Nur dass ich es da nicht mehr recht annehmen konnte – die Widersacher hatten mich fest im Griff.

Nach einigem hin und her haben wir es dann doch probiert – und es hat geklappt.

Sogar erstaunlich gut.

Zwar mit Anfangsschwierigkeiten, denn dadurch dass er nichts sieht muss ich mehr sagen, was ja auch schwierig ist – oder auch was wir mit den Dingen machen, die ich nicht gesagt kriege (aufschreiben – und ihn dann lesen lassen, muss er halt den Schal kurz lüften) – oder wie das mit dem Tappen laufen soll (selbst tappen klappt bei mir leider gar nicht, akustische Reize ebenso nicht, aber wir wissen jetzt wie wir es das nächste Mal machen – er tappt und über Handzeichen kriegt er dann auch mit was ist usw) – aber im Gesamten war es ein gutes – und vor allem gemeinsames – Arbeiten, das auch dem Thera Spass machte.

Er war am Ende richtig begeistert, weil es für ihn natürlich ein ganz anderes Wahrnehmen ist, auch ein anderes angewiesen sein auf das was ich sage oder so. Danach schrieb er in einer mail noch, dass es mir ja deutlich mehr Kontrolle gibt was zwischen uns passiert und es bindet das was schwierig ist unmittelbar mit ein – was natürlich Klasse ist.

Seine Begeisterung lindert ein klein wenig mein schlechtes Gewissen.

Aber es ist vor allem wieder ein Stück Hoffnung da, dass wir das auch irgendwie hinkriegen und irgendwann auch wieder „normal“ arbeiten können  (bzw sehr viel weiter gedacht – eine weiter Möglichkeit irgendwann in Zukunft das Thema „Bewegung/angesehen werden“ aufzugreifen ohne direkt wieder drin zu stecken – doch die Idee ist noch unausgegoren).

Ein sehr anstrengender Termin, mit vor allem anfangs sehr viel Panikattacken (inkl. Erstarren, das wir heute aber durch Skills gut schnell gelöst bekamen – er ging kurz raus und das reichte meist schon), doch im Laufe der Zeit dann zunehmend gut laufend.

Es kann wieder weitergehen (und das läßt ganze Gebirge vom Herzen purzeln).

Und ja ich bin sehr sehr dankbar – dass ich einen Therapeuten habe, der eben auch mitzieht und sich da nicht zu blöd für ist, der bereit ist da wirklich gemeinsam einen Weg zu suchen und nicht nur „auszusitzen“.

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