Halt

Wenn ich selbst zerbreche
vor Trauer, Verzweiflung
vor lauter Gefühl
nur um mich schlage
mich so sehr dagegen wehre
alles bricht
kein Halt

brauch ich ein gehalten werden
jemand der mir Grenzen gibt
der spüren lässt – wo ich aufhöre
der andere beginnt
dass es mich noch gibt
den Körper?
nicht alles in alle Winde zerstreut wird
so dass man die zerbrochenen Teile nicht mehr finden kann
um irgendwann wieder aufzubauen

wenn ich selbst keinen Halt mehr finde
das gehalten werden
um mich nicht ganz zu verlieren
weil das Innerste nach außen bricht
die Heftigkeit nicht nur Risse hinterlässt
schon viele kleine Scherben
die kein Bild mehr zulassen
von dem was
wer
ich war
bin

gehalten werden
um zu spüren
dass ich noch bin
und
das ich nicht alleine bin
das jemand auffangen kann

wie es in Filmen manchmal gezeigt wird
jemand der vor Trauer oder Schmerz zusammenbricht
jemand der denjenigen hält
ganz fest
und mit ihm zu Boden sinkt
durch das Halten
Grenzen gibt
des seins

„Du bist immer noch da
nicht verloren
du bist da
in meinen Armen“

Und irgendwann
wenn alles wieder etwas ruhiger ist
die Scherben aufsammeln
und vielleicht
irgenwann
wieder zusammenfügen
Stück für Stück
und hoffen
das bis dahin
jemand ist
der hält
weil ich es selbst
grad nicht kann

denn nur
wenn jemand anderer bereit ist
den Halt
für eine Zeit lang zu übernehmen
jemand
dessen Halt ich auch annehmen kann
kann ich den eigenen Halt
aufgeben
ohne mich zu verlieren
in diesem Wahnsinn
dieser Intensität
der Heftigkeit
dem Zerbrechen

x

doch was
wenn es diesen jemand
nicht gibt?

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