Betreuung

Ich habe eben den Wohnungstermin für heute abgesagt, wir gehen stattdessen spazieren und dann geht es zum Schwimmen.

Der Grund: seit Montag drehe ich wegen dieses Termines durch, gestern wurde es dann ziemlich extrem, auch wenn ich es erst nicht so recht mit der Betreuung in Verbindung brachte, sondern dachte, dass es halt ein Baustein vom Ganzen ist.

Die Nacht war nicht gut – ich hatte ständig das Gefühl jemand sei in der Wohnung und im Endeffekt hatte ich hier dann eine Festbeleuchtung, weil ich erst zur Ruhe kam als alle Lichter an waren (und ich glaub die hatte ich noch nie hier alle gleichzeitig an).

2 Themen sind seit einer Weile im Kopf – das eine ist der Überfall in der Wohnung (das nahm ich nicht wirklich ernst, denn das ist häufiger Thema, wenn jemand Fremder in die Wohnung kommen soll, allerdings in diesem Ausmaß selten und seit Jahren nicht mehr) und das andere ist meine Mutter – und zwar ein ganz best. Aspekt – wenn sie z.Bsp einen Schnupfen hatte, jammerte sie endlos wie krank sie sei, aber dass sie ja für unds Kinder da sein müsste und sich krank sein nicht leisten könne – also dieses ständig um Mitleid heischen und Anerkennung weil sie das alles so macht usw.

Das war ja schon einer ihrer „Grundcharaktere“ und einer, mit dem ich große Probleme hatte und habe.

Am Montag war ich von mir entsetzt. Als ich mit dem „vielleicht-neuen-Betreuer“ unterwegs war, hatte ich das Gefühl, dass mich sein Übergewicht stört.

Aber ich bin ja selbst massiv übergewichtig (und sicher um Welten mehr als er) und bisher hatte ich mit Übergewichtigen kein Problem was das Gewicht anging. Und doch ging mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich mit seinem Übergewicht nicht klar komme und lieber jemand sportlichen hätte.

Ich war entsetzt über mich, verstand das nicht und fand das alles andere als gut.

Bis mir einfiel, dass ich einen best. Schwimmer schon lange nicht mehr gesehen hatte – ein Mann – mit Übergewicht – den ich montags normalerweise regelmäßig sehe und den ich – obwohl wir außer einem Hallo und Wie gehts nichts miteinander gesprochen haben – doch irgendwie sympatisch finde.

Und in dem Moment wurde mir klar, dass es nicht ums Übergewicht ging, sondern um Elan, Kraft, Aktivität.

Der „vielleicht-neue-Betreuer“ ist eher behäbig, gemütlich, langsam, was an sich nicht schlecht ist – aber mir fehlt ganz klar der Elan und die Aktivität. Das Gefühl dass er auch „anpacken“ will oder so.

Auch W. ist eher ruhig und gemütlich, aber eben auch voller Elan. Ich glaube das war damals dann einfacher trotz der Anfangsschwierigkeiten (und auch der dazwischen) ein Miteinander zu finden, weil die Wellenlänge stimmte und weil ich ebne auch dieses Bemühen bemerkte, das nicht nur ein bemühen im Sinne von „ich will alles richtig machen“ war, sondern eben auch einen gewissen Elan beinhaltete.  Auch W. war super unsicher und wusste nicht recht – aber irgendwie ist er das auch aktiver angegangen.

 

Mir fehlt das Gefühl „da bringt jemand Schwung mit rein“. Und ich selbst hab im Moment grad keinen (hatte ich damals auch nicht) über um den für den Betreuer mit zu haben.

Dazu kommt – und das ist das eigentliche „Problem“ – dass er Seiten in mir zum Klingen bringt, die mit meiner Mutter zu tun haben – und die mir nicht gut tun (und auch die Erklärung sind, warum ich so extrem durchdrehte beim Gedanken ihn in die Wohnung zu lassen).

Dieses jammerige und eigentlich bin ich doch so toll und die anderen machen es ja so schwer und mir passiert ja immer das Schlimme.

Es gab keinen Kontakt wo nicht irgendwas in der Art war – nie so dass es alleine als „aus“ zählen würde, aber doch so, dass es präsent ist.

Genau so wie es bei meiner Mutter war – und damit ist es für mich nicht möglich mit diesem Herrn zu arbeiten.

Denn grade was Wohnung angeht – darf da kein Aspekt „Mutter“ noch mit reinkommen – denn grade das ist eh schon das Problem dass ich das alles nicht hinbekomme.

Als ich gestern beim Vertretungsthera war (der manchmal auch so ein Jammeriger sein kann), wurde mir auch klar, dass es weniger die Jammerei ist, sondern das wie – das immer wieder einstreuen, das ständig drauf rumreiten und dabei auch Bestätigung erwarten usw. Mir ist klar, dass er das nicht bewusst macht – aber damit bin ich aufgewachsen und reagiere daher da sehr empfindlich – und ich merke dass es mir damit nicht gut geht – so gar nicht gut.

Weil es Dinge ausgelöst hat, die ich grad nicht so richtig zu fassen kriege und auch nicht richtig weggepackt. Aber eben auch Schuldgefühle.
Ich hab mich sehr lange gefragt (noch vor dem Termin am Mo) – ob dieses „weiß nicht recht“ von meiner Seite auch damit zu tun hat, dass ich W. eigentlich nicht verlieren möchte, denn wir sind mittlerweile ganz gut eingespielt. Dabei ist mir durchaus klar, dass das nicht mehr möglich ist, denn aktuell schaffen wir halt grad das nötigste. Es ist also keine Option mit ihm weiterzuarbeiten.

Aber ich fragte mich halt, ob ich einem Neuen da überhaupt die Chance gebe – und war total unsicher ob ich das wirklich tue.

Letzte Woche wurde aber auch da etwas klarer, dass es einfach schwierig ist, weil ich bei den bisher vorgestellten immer dieses Gefühl von „weiß nicht recht“ hatte. Als F. das erste Mal die Urlaubsvertretung übernahm – war vom ersten Moment ein: ja kann ich mir gut vorstellen.

Auch wenn sich später klärte dass es eben nicht geht, weil er die äußeren Umstände nicht bieten kann und möchte, war das zwischenmenschliche klar.

Auch bei dem Koordinator vom vorigen Betreuungsverein war vom ersten Moment ein „ja mit dem kann ich“.

In die Wohnung lassen war auch bei F. anfangs schwierig und phasenweise mal nicht möglich – aber das war es bei W. auch und war in einem ganz anderen Ausmaß – weil ich wusste, ok geht heute nicht – nächstes Mal schauen wir.

Es war aber nie diese extreme Panik, dieses verfolgt fühlen schon Tage vorher und in der Wohnung nur aushalten wenn alle Lichter brennen und ich ständig durch die Wohnung patrulliere um sicher zu sein dass da niemand außer den Katzen und mir ist.

Und das – obwohl der noch gar nie in der Wohnung war.

Sobald ich den Wohnungstermin für heute abgesagt hatte und ihn auf draußen verlagert hatte – bekam ich wieder Luft – die Angst ist immer noch da – aber es ist die, die eben da ist, wenn es „vorbei“ ist. Es dauert eine Weile, sowas schwingt bei mir immer nach.

Ich hab große Schwierigkeiten die Widersacher in Zaum zu halten, die meinen, dass ich es doch versuchen müsste, dass er ja nichts für kann, dass ich viel zu hohe Ansprüche habe, dass ich zu viel erwarte, usw usf.

Dabei bin ich in mir drin sicher, dass mir seine Verhaltensweisen, die der meiner Mutter ähneln, schaden – und zwar richtig schaden. Es also nichts mit „will nicht“ zu tun hat, sondern dringender Aspekt der Selbstfürsorge ist.

Doch das ist grad klein und leise und die Widersacher laut und  ich bin grad nicht sicher ob die Widersacher nicht gewinnen, auch wenn ich alles dransetzen werde, dass sie es nicht tun. (Nachtrag: nein gewinnen werden sie nicht, ich werde mit diesem Betreuer nicht arbeiten – das ist sicher. Aber die Widersacher toben und so schaue ich grad, dass sie einfach nicht zu viel kaputt machen dabei. )

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