Thera – Nachlese

Bevor im Januar alles eskalierte, waren wir ja dabei das Thema Mutter anzugehen.

Wir hatten in den letzten 3 Jahren uns hauptsächlich dem Vater gewidmet. Zum einen ging es darum zu schauen was passiert war, also die Missbrauch-Situationen auch anzuschauen, zum anderen ging es auch darum einen Zugang zu diesem Kind zu schaffen, der ja bis dahin nur mit Abneigung, Missbilligung und Hass verbunden war.

Es dauerte lange bis es für mich auch ok war, das Kind „in Sicherheit“ zu bringen. Wir brachten es dann in einem Haus unter, bei einer Art „Pflegeeltern“ und viel mehr haben wir da dann nicht gemacht – weil ich das nicht kann.

Heute ist das zwar nicht mehr so negativ besetzt, das Kind nicht mehr nur Monster für mich, aber um mich da auch zu kümmern oder in Kontakt zu treten – soweit bin ich noch lange nicht.

Nachdem wir diesen Schritt geschafft hatten, ging es lange um mich als „Erwachsene“ – immer noch viel über Situationen – und Ziel war einfach die Gefühle auch zuzulassen, wahrzunehmen, zu fühlen.

Das war das letzte Jahr dann – und die Eskalation war da an einem sehr ungünstigen Punkt. Denn das was ich mir bis dahin in diesem Bereich erarbeitet hatte – ist jetzt wieder weg.

Zu fühlen ist für mich nichts „normales“ – ich bin damit aufgewachsen, dass Gefühle nicht sein dürfen (auch positive nicht) und wir zu funktionieren hatten.

Selbst Panikattacken nahm ich nicht als Angst war – ich konnte bis vor etwa 7 oder 8 Jahren Gefühle nur anhand von Körperreaktionen „ablesen“ und zuordnen – sprich, wenn ich erstarrte und mich nicht mehr rühren konnte – wusste ich, dass ich grad Panik hab.

Ich muss mir das fühlen können erarbeiten. Dazu war es wichtig erstmal im Kopf auch klar zu kriegen was passiert ist – und das das nicht ok ist, nicht normal.

In den letzten 3 Jahren glaube ich dass das angekommen ist – im Kopf, im Verstand. Gefühlsmäßig aber nicht.

Und durch die letzten 6 Monate wurde es nochmal schwieriger – es ging wieder darum nicht zu fühlen – und jetzt hat sich das verselbstständig – wie es früher war.

Ich weiß dass ich Gefühle habe, fühle sie aber nicht, kann sie nur an Körperreaktionen ablesen, sitze da und schaue fern und stelle fest dass mir Tränen über die Wange rinnen.

Was ich wahrnehme und spüre ist ein Druck – undefinierbar und zeitweise ziemlich intensiv – jedoch ohne zu Wissen welches Gefühl da jeweils dahinter steht.

Die Situationen von damals waren ein Einstieg – nachdem sie im Kopf klar waren, ging es darum sie gefühlsmäßig aufzuarbeiten – und dazu musste ich sie mir natürlich auch noch mal in einem gesicherten Rahmen anschauen.

Es ging darum überhaupt ein Gefühl auszulösen – und alte Gefühle waren „sicherer“ – ich konnte sie auf die Therapie begrenzen, mir zu Hause sagen, dass das damals war und heute nicht mehr, dass mir heute auch nichts passieren kann.

Irgendwann gingen dann auch „Alltagsgefühle“ – ich konnte wütend auf die Telekom sein oder mich freuen oder traurig und das auch zulassen. Es waren kleine, aber stetige Schritte in die richtige Richtung.

Doch jetzt – ich denke ich dass die Situationen die wir als Einstieg nutzen, ausgedient haben. Es geht immer noch (oder wieder) darum Gefühle zuzulassen, zu fühlen, wahrzunehmen – und eben nicht wegzudrücken.

Es geht auch wieder darum diese Automatismen zu unterbrechen die dieses „wegdrücken“ so automatisch machen, dass ich da aktuell irgendwie gar nirgends einklinken kann.

Aber was anders ist, ist, dass es durchaus möglich ist Gefühle auszulösen – auch wenn ich sie nicht so wahrnehme – von daher brauchen wir die Situationen nicht mehr  – zumindest nicht mehr in diesem Ausmaß.

Die nächste Zeit wird es darum gehen Gefühle auch wirklich zu fühlen, hinzuspüren und zu versuchen hinter diesen „Druck“ zu kommen. Wie – das müssen wir noch sehen.

 

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