Bilder?

Kürzlich fragte mich jemand, ob die Bilder immer noch da sind. Gemeint waren Flashbacks oder Bilder des Missbrauchs oder ähnliches.

Mein erster Impuls war ein „ja und nein“.

Das geht mir schon seit Tagen nicht aus dem Kopf.

So im Alltag – hab ich aktuell keine Bilder oder ähnliches. Wenn es ums Zähneputzen geht hab ich Probleme, Übelkeit und ja es ist ein Trigger, aber es löst keine Bilder aus.

Außerdem krieg ich das ganz gut hin – ich kann dann was tun und schaffe es mir die Zähne zu putzen – ohne dass ich da abstürze oder anderes.

Ich sehe etwas im Fernsehen und es löst etwas aus – aber keine Bilder, keine Gedanken, Worte, Sätze – manchmal ein Körpergefühl, manchmal einfach nur eine Anspannung oder sonstige Reaktion im Körper.

Aber da – da sind diese Bilder, Gedanken, Sätze schon.

Letzten Do hatten wir ja mit BLS (Bilaterale Stimulation) gearbeitet – und da war Angst – unglaubliche Angst – weil ich weiß, wenn ich loslasse, wenn ich den Gefühlen Raum gebe, dann bricht ein Damm. Die Angst war der „Wächter“, der nicht die Tür beschützte, sondern eher uns vor dem was hinter der Tür ist.

Wir sahen nach – was hinter der Tür ist – nicht um einzutreten oder sich dem auszusetzen, sondern nur um zu schauen auf was wir uns vorbereiten müssen – und ich sah viele Fässer.

Brodelnde Fässer, die kurz vor dem Explodieren scheinen.

Das machte Angst und auch verzweifelt – weil ich dachte – wie sollen wir so viele hinkriegen, so viele entschärfen?

Eines dieser Fässer – das sind die Bilder, die Worte, die Sätze – ja sie sind da – aber im Moment ganz gut hinter dieser Tür.

Ich weiß dass sie da sind – und kann daher nicht sagen „nein – sind keine“, aber ich bin mit der Angst beschäftigt und mit dem Gedanken an die vielen Fässer – eines sind die Gefühle die nicht sein dürfen, die die letzten Wochen hochkochten, die weh tun und fluten, eines sind die Bilder und Erinnerungen, eines wohl die Verletzungen und Unsicherheiten was die Thera angeht – und der Rest – ich hab keine Ahnung.

Ich bin im „zuviel“-Modus – zuviele Eindrücke, zu viele Gefühle, zu viele Bilder,  zu viele Unsicherheiten, zu viele Ängste – so zuviel, dass ich das alles nur noch als Mischmasch wahr nehme – und nur manchmal ein einzelnes klarer rausgepickt bekomme.

Und die Bilder – die sind da in der Priorität ganz weit unten – denn erstmal muss ich das mit den Gefühlen klar kriegen, das was sie auslösen, damit umzugehen – erstmal muss ich den Kopf wieder frei kriegen um klar denken zu können.

Mal ein positives Gegenbeispiel:

Eine Eisdiele – mit ca 150 Eissorten – und du sollst dir 1 Kugel aussuchen (und zwar nicht das obligatorische Vanille-Schoko-Erdbeer) – ich bin grad dabei mich zu orientieren was es überhaupt für Eissorten gibt.

Der nächste Schritt ist dann – welche kommen in Frage und welche kann ich schon mal ausschließen, weil ich die eh nicht mag – und dann – erst dann geht es ums auswählen.

Ich sehe keine einzelne Eissorte oder gar die, die grad aktuell ist – ich sehe nur Eis und bin im Moment mit der Auswahl überfordert.

Wie soll ich dann ein Bild sehen?

Nein ich sehe sie nicht – im Alltag, ich höre nicht die Stimmen von damals – und doch gibt es Trigger.

Die kann ich grad nicht benennen, denn dazu müsste ich genauer hinschauen – aber sie sind da.

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