Thera heute

Letzter Vertretungstermin. Heute auch ohne Thema, denn wirklich was aufgreifen wollte ich jetzt beim letzten Termin auch nicht – das nächste Mal haben wir Ende Juni glaub ich. Zwischendrin seh ich ihn nur kurz zum Unterschrift abholen.

Für Montag hatte ich ja ursprünglich mal geplant, dass mit der Bindungsfähigkeit und den Gefühlen anzuschauen – also warum ich nicht wirklich jemanden vermisse, nicht wirklich trauern kann, oft so ein „aus den Augen aus den Sinn“ da zu sein scheint, was mir komisch vorkommt, weil mir die Menschen wenn ich Kontakt hab schon wichtig sind.

Und ich habe ja auch ein Netzwerk – ist ja nicht so dass ich mich auf nichts einlassen würde.

Er meinte dass das auch was anderes ist – dass ich aber keine wirklichen Bindungen eingehe – und das das daran liegt, dass ich es auch nie kennengelernt habe und grade in dem Zeitfenster in dem das „geprägt“ wird, es eben gar nicht gab.

Mir fiel ja schon auf dass das unabhängig von den schlechten Erfahrungen lief – und ich mach mir halt Gedanken ob das wieder  gut werden kann – wenn ich meine Vergangenheit wirklich aufgearbeitet hab, ich mich dann auch wirklich auf jemand einlassen kann (und damit mein ich nicht mal nur eine Partnerschaft).

Das was er mir dazu sagte find ich nachvollziehbar – natürlich geht es erstmal darum die Vergangenheit aufzuarbeiten, einfach weil diese Dinge mit reinspielen und es schwerer machen sich auf jemanden einzulassen. Auch das Gefühle zu lassen und fühlen steht da sicher noch vorneweg als Thema. Doch wenn das dann irgendwann „erledigt“ ist und wirklich verarbeitet, dann erst geht es darum in der Zeit damals anzuknüpfen um diese Erfahrungen „nachzuholen“ („nachreifen“ nannte er es). Das wäre dann über innere Kind-Arbeit oder auch dem Konzept mit den idealen Eltern möglich – und dann geht es natürlich auch in die Realität – in das hier und jetzt.

Er nannte auch ein Beispiel, dass ein Vater kein Spielzeug hatte und irgendwie da dann bei ihm als Kind ein Loch entstand. Das kann er als Erwachsener verstehen und über dieses Verstehen anders reagieren und sozusagen seinem Kind dann eben Spielzeug geben und mit seinem Kind (auch über sein Kind) diese Erfahrung „nachholen“, weil er sich ja auch drüber freuen kann.

Erst geht es um das verstehen, nach vollziehen, Zusammenhänge sehen und dann darum die Erfahrung auch zu machen.

Vor diesem Schritt geht es bei mir eben auch darum die Gefühle zu erarbeiten und da weg vom Kopf und Denken und Analysieren erstmal zu fühlen.

Er meinte auch dass er mich da ja auch ganz anders noch kennt – die Situation ist blöd – ich bräuchte nicht mehr so lange um das wirklich für mich abschließen zu können, aber ein Jahr oder zwei reichen halt leider nicht – die Situationen mit dem Vater – die sind „fertig“, damit bin ich durch, natürlich taucht da auch mal wieder was auf, aber es beeinträchtigt mich nicht mehr so sehr.

Mir ist klar dass das nicht endgültig abgeschlossen ist, denn das mit dem Einlassen hat sicher auch hiermit was zu tun – aber aktuell ist dieses Thema durch – was aber noch fehlt ist eben die Mutter – und da sagt er auch ganz klar – da reicht diese Zeit eben leider nicht.

Das ist blöd – vielleicht noch 3 – 5 Jahre und ich könnte die Vergangenheit hinter mir lassen.

Doch die hab ich nicht – und mit der aktuellen Situation wird es auch nicht mit den 5 Jahren getan sein – denn Thera ist in der Intensität und Art nicht mehr möglich.

Das macht mich traurig und auch wütend – zu wissen und auch zu spüren dass es langsam absehbar wird – und dann macht im Endeffekt das Geld einen Strich durch die Rechnung, weil die Kassen immer nur eine best. Anzahl von Stunden genehmigen und dann die 2-jährige Sperre kommt – dass die immer wieder alles kaputt macht – und grade bei Posttraumatischer Belastungsstörung wirklich ein Problem ist, weil man da ebne nicht nach 2 Jahren einfach wieder anknüpfen kann – macht mich wütend.

So hab ich jetzt keine weiteren 3-5 Jahre mehr, sondern kann froh sein, wenn ich die nächsten Jahre das Erreichte wenigstens halten kann.

Ideal wäre wenn ich mit meinem Thera wieder eine Basis schaffen könnte, Vertrauen aufbauen – und dann das Thema Mutter langsam angehen – doch durch die Pausen usw – wird das damit wieder eine langfristige Sache werden, denn eigentlich kann ich froh sein, wenn ich es mit dem was jetzt an Möglichkeiten da sind – halten kann.

Ich habe viel erreicht – grade die letzten zweieinhalb Jahre. Und ich bin da auch dankbar – ich hatte die Möglichkeit eine Therapie in dem Ausmaß zu machen, dass es auch möglich war so weit zu kommen. Es war eine große Chance und die hab ich auch genutzt – das ist schon auch ein gutes Gefühl.

Aber es macht halt traurig zu merken, dass genau das jetzt noch für ein paar Jahre – das ideale wäre – und das ist nun mal jetzt einfach nicht gegeben.

Ich hatte Glück zu einer Zeit in die Ambulanz zu kommen in der es so möglich war, heute ist es das nicht mehr (wurde ja auch privatisiert in der Zeit) und die Kassen – das mit der 2-jährigen Sperre ist ja schon länger so.

Es geht halt doch immer ums Geld.

Jetzt geht es darum das beste aus der Situation zu machen. Punkt.

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