Thera heute

Der Termin heute wird ohne mich stattfinden.

Ich hab ihn heute morgen angerufen und ihn gebeten, den Termin als meinen Termin zu sehen, auch so abzurechnen und diese Zeit zu nutzen um die mail vom Di aber vor allem auch die von heute morgen zu lesen und sich dazu dann Gedanken zu machen.

Er soll für sich dann klären ob er grade wirklich mein Therapeut sein kann – ich weiß dass er es will, habe aber das Gefühl er kann grade nicht.

Ich verstehe die Hintergründe und das warum – und wenn ich sein Therapeut wäre – würde ich klar sagen: ja das ist wichtig so, er muss grad mehr auf sich achten und das ich auch wichtiger als dass er da jetzt auf mich achtet – denn nur so wird er seinen Weg finden – es darf nicht sein, dass er sich verbiegt und er kann sich nur auf den Patienten einlassen, wenn er sich seiner selbst sicher ist – vor allem wenn er da eh schon sein Augenmerk zu sehr auf den Patienten und zu wenig auf sich (und seine Grenzen) gerichtet hatte.

Wenn ihm das klar ist – muss er jetzt auch auf sich und seine Grenzen achten – und muss sich da auch sehr gegen mich wehren, eben weil er sich seiner Grenzen ja gar nicht sicher ist und das Risiko durchaus da ist, dass er sich da wieder ein Stück verliert.

In einer Freundschaft wär das kein Thema, da geht (oder soll es zumindest) immer mal mehr um den einen mal mehr um den anderen gehen – aber er ist nicht mein Freund, sondern mein Therapeut – und ich bin nich sein Therapeut und will daher auch nicht immer nur Verständnis zeigen und mich zurücknehmen.

Ich finde grade in der Therapie ist es wichtig, dass die Grenzen des Therapeuten klar ist und auch wichtig – die stehen sogar noch vor den Grenzen des Patienten (was nicht heißt dass die überlatscht werden, sondern, dass der Therapeut da den kleinsten gemeinsamen Nenner erstmal finden sollte). Das kann er nur wenn er beide Grenzen sehen kann – und er kann sich auf jemand anderen nur einlassen, wenn er nicht Angst haben muss sich dann da irgendwie zu verlieren.

In der Therapie sollte aber eben auch der Therapeut da klar sein – und damit auch „drüber“ stehen.

Nun – auch Therapeuten sind nur Menschen und es kann mal Probleme geben, doch es darf nicht passieren, dass die Themen des Therapeuten über dem Patienten stehen – dass dieser deshalb nicht mehr gesehen wird.

Bei allem Verständnis bin ich in der Sache der Patient und habe da ein Recht darauf, dass der Therapeut aufrichtig ist – und nicht seine Verirrung oder Verwirrung mir zuschreibt und mir seine zusammengebastelte und vorgefertigte Meinung aufdrückt – weil alles andere ja nicht reinpasst.

Ich glaube wirklich, dass er will, aber im Moment nicht kann, weil er sich seiner selbst nicht sicher genug ist.

Er sucht grad seinen Weg – und ist damit beschäftigt da nicht abzustürzen oder wieder in Verstrickungen zu geraten in denen er ja war und von denen ihm klar ist, dass ihm das als Therapeut nicht passieren sollte. Für mich hat er da richtig gehandelt – für ihn gab es Verstrickungen die auch für mich ganz klar ein Grund sind, dass wir so noch weiterarbeiten können – weil das eben nicht gut ist – weder für ihn noch für mich. Auch wenn das bedeutet dass das EMDR oder der Rahmen wegfällt.

Das mag weh tun und mir nicht gefallen, aber da weiß ich klar: es ist richtig und wichtig und er hat da als verantwortungsvoller Therapeut gehandelt.

Doch aktuell übernimmt er einen ganz wichtigen Teil des „Therapeutenjobs“ nicht – nämlich den Patienten zu sehen.

Und ich weiß dass das nicht aus bösem Willen ist oder weil er mich nicht mag – sondern weil er grad einfach nicht kann, weil das mit seinen Themen, mit denen er sich grad rumschlagen muss – kollidiert.

Weh tut – dass ich das sagen muss und er sich da grad so verrannt hat, dass er das nicht zu sehen scheint.

Ich bat in heute in der mail das für sich zu prüfen – ob er wirklich mich sehen kann, das was ich brauche, bin, sage oder ob er es nur will – denn dass er will – weiß ich – ich bat ihn für sich nachzuhorchen ob da was dran sein könnte, dass er sich so sehr grad gegen mich wehren muss (was ja auch im Widerspruch zum hinschauen und sich einlassen ist), weil er Angst hat dass er sich da sonst wieder verstrickt – dass er gar nicht schauen kann wo ich stehe – weil ja alles dann wieder ein „nachgeben“ wäre – was ein Problem ist, wenn man sich grad bemüht sich abzugrenzen.

Im Moment legt er Verhaltensweisen an den Tag die mir schaden, er macht und sagt Dinge, die er in den letzten 5 Jahren nie gemacht hat und wo er mir die letzten 5 Jahre eigentlich vermittelt hat, dass das alles ein „no-go“ ist und etwas, dass ich nicht dulden darf, dass ich mich da ernst und wichtig nehmen muss – und zwar generell oder im Alltag. Umso schlimmer ist es für mich dass diese Dinge in der Thera grad laufen, dass mein Therapeut es ist der sie sagt und so handelt/reagiert.

Er ist mein Therapeut und er muss wieder zum Therapeuten werden. Wenn er glaubt das zu können, muss er es tun und wenn er glaubt es nicht zu können – nun dann kann er nicht mein Therapeut sein – zumindest nicht aktuell.

Ich hab als Patient ein Recht darauf dass er mich sieht und nicht alles was ich sage oder tue abtut und nicht ernst nimmt, mir seine Meinung überstülpt (und da das mittlerweile so weit geht, dass er meint besser zu wissen ob ich mich in etwas verstrickt hab oder nicht – oder was mein Gefühl mir sagt – muss ich hier ganz klar Stopp sagen).

Für mich ist nichtmal das Problem dass er denkt ich hätte mich da verrannt – sondern, dass er da nicht versucht mich dann zu verstehen – zu sehen wo ich stehe – denn das ist der Therapeut den ich die letzten 5 Jahre hatte – wir waren uns oft genug nicht einig oder er der Meinung, dass ich etwas nicht so klar sehe wie er (übrigens stellte sich da in der Regel dann raus dass wir entweder doch der gleichen Meinung waren und nur unterschiedliche Begriffe verwendeten, die für den anderen eine andere Beteutung hatte oder dass es eben für mich auch nicht klar war – es gab bisher nicht eine einzige Situation, in der ich gesagt habe: das ist für mich ganz klar, das ist auseinandergedröselt und aufgeschlüsselt – und die dann nicht so war).

Aber wenn er mir abspricht, dass ich mir in einer Sache sicher bin und dann sagt ich übertrage (und dabei selbst überträgt, denn es war ein Punkt der sich eben bei ihm vermischt hatte, das hatte er auch klar gesagt) – oder dass das ja unbewusste Mechanismen sind und ich die ja gar nicht sehen könnte (und ich bin in der Theorie sicher fitter als er und sowieso jemand der ständig analysiert – im Gegensatz zu ihm) –  dann verletzt er mich.

Bei einem neuen Therapeuten hätte ich da schon längst einen Riegel vorgeschoben. Aber ich weiß dass er grad in einer schwierigen Situation ist, versteh auch was da läuft (sicher nicht bis ins Detail, aber so im Großen), entschuldige für mich ihn ständig und übernehme eben den Teil, den er grad nicht übernehmen kann – aber ich merke ich werd immer wütender und jedesmal wenn er wieder so reagiert, sich wieder so verhält (und das war jetzt in jedem Termin so) – verletzt er mich, weil er deutlich macht, dass er mich grad nicht sieht und ihm sein Weg (nicht seine Grenze!) wichtiger ist.

Nun – vielleicht kann er nicht – weil er damit wirklich seine Grenzen für den Moment nicht ausreichend klar machen kann – kennen wir alle – wenn wir zu sehr nachgegeben haben und jetzt anziehen, müssen wir da deutlich klarer und abgegrenzter sein und auch das Befinden des anderen „ausblenden“ weil es oft schon schwierig genug ist diese Grenze überhaupt anzuziehen.

Aber dann kann er im Moment nicht mein Therapeut sein. Denn dazu muss er mich sehen können, bereit sein zu gucken wo ich stehe und wie ich erstmal weitergehen kann – ohne dass er sich verbiegt, er kann gerne die Richtung angeben usw – aber  eben mich da abholen wo ich bin – und nicht erwarten, dass ich da einsteige wo er sich grad einbildet zu sein.

Und er muss meine Grenzen wahren – es darf nicht angehen, dass ich als Patient, permanent und ständig um meine Grenzen kämpfen muss, darum kämpfen muss, dass er nicht zu viel fordert, mich überfordert und eigentlich auch was will, das nicht nur nicht geht, sondern ich auch nicht will.

Er muss für sich klären ob er dem grade gerecht werden kann – und wenn nicht – sollte er da aufrichtig sein. Ich finde es schon schlimm genug, dass ich als Patient ihn drauf hinweisen muss und er mir die letzten Wochen in dieser Form zugemutet hat.

So wie es jetzt ist – schadet es mir – und das darf ich nicht weiter zulassen. So wie es jetzt ist – macht er mich kaputt – seit Wochen sag ich dass ich eine Grenze erreicht hab und nicht mehr kann – wirlich geändert hat sich nichts (wobei stimmt nicht – ich hab die letzten 2 Wochen wirklich das Gefühl er will) – jetzt muss er eine Entscheidung treffen – das kann ich ihm nicht abnehmen.

Ob er es kann oder nicht – das muss er für sich prüfen. Wollen allein reicht leider nicht – denn ich kann nicht zulassen, dass er mich weiter verletzt.

Vielleicht verlange ich da zu viel von ihm – als Mensch. Denn ich weiß selbst dass sich sowas nicht von heute auf morgen für einen selbst klärt und Zeit braucht. Aber ich hab ein Recht darauf dass er als Therapeut da die Verantwortung übernimmt – für sein Handeln – und wenn das bedeutet, dass wir eine Pause machen müssen bis er das für sich geklärt hat oder wir eben nicht mehr miteinander arbeiten können –  ist das so.

Ich kann und darf nicht weiterzulassen dass mich der Therapeut verletzt, denn grade in der Beziehung zwischen Therapeut und Patient muss es um Respekt voreinander gehen und das wahren der Grenzen ist die Grundlage.

In der Therapie – da sollte es um mich gehen, meine Probleme, meine Gefühle, meine Gedanken und der Therapeut gibt einen Rahmen vor, setzt Grenzen und schaut wie man innerhalb dieser Grenzen weitergehen kann – doch dafür muss er sehen können wo ich stehe – sonst werden wir keine weiteren Schritte finden.

Es zieht sich jetzt seit 6 Wochen – ich kann nicht mehr. Von mir ist nicht mehr genug übrig. Wenn wir so weitermachen – hab ich zugelassen, dass er den Rest von mir kaputt macht.

Das ist traurig – aber es gehören zwei dazu – ich hab es bis hier hin ja auch zugelassen. Doch jetzt ist nicht mehr genug übrig um grade gegen ihn zu kämpfen. Bei allem Verständnis – und auch all der Angst die es mir macht – er ist zu weit gegangen.

Nicht absichtlich, das weiß ich – aber ich kann trotzdem nicht zulassen, dass er weiter so mit mir umgeht.

Er hat die Option zu sagen, dass ich trotzdem zum Termin kommen soll oder es am Di mit mir zu klären oder mich anzurufen oder zu mailen oder was auch immer. Erwarten tu ich nichts – ich werde da am Di hingehen und hoffen dass er wenigstens zu sich selbst aufrichtig ist.

Vielleicht irre ich mich – ehrlichgesagt hoffe ich das sehr, fürchte aber dass ich da nicht allzu falsch liege. Vielleicht geht ihm ein Licht auf bei der mail. Vielleicht kommt aber auch die nicht an – wie das meiste was ich in letzter Zeit gesagt oder geschrieben hab.

Ich weiß es nicht.

Aber es ist mein letzter Versuch, mehr kann ich nicht, weil nicht mehr genug von mir übrig ist. Das tut weh – aber es ist wie es ist.

Ich kann nicht für ihn die Verantwortung übernehmen und soll das auch nicht – aber ich muss sie für mich übernehmen. Und wenn das das aus bedeutet – dann ist das eben so – viel schlimmer kann es nicht mehr werden.

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