allein

Es geht mir nicht gut – es ist nicht die große Katastrophe oder Krise, aber es geht mir nicht gut.

Das hat nicht so viel mit der Tigerkatze zu tun – sie fehlt mir – aber ich glaub so wirklich hab ich das immer noch nicht realisiert.

Es hat mehr mit der Therapie zu tun – oder dem was ich da verloren habe.

Ich bin allein – bin für niemanden verantwortlich und auch nicht grad ein Rädchen in irgendeinem  Gefüge, das ins Stocken gerät, wenn ich ausfalle. Es gibt keine Familie und abgesehen von den Katzen auch niemanden für den ich sorgen muss. Die Piratenkatze ist auch eine problemlose Katze, die bald jemand anderen finden würde, das war bei der Tigerkatze schon anders – die hätte keinen anderen Platz gefunden. Aber auch das ist irgendwie gar nicht so das Thema.

Es gibt Bekannte und sogar jemanden den ich anrufen könnte – theoretisch.

Doch im Endeffekt bin ich mit dem was in mir ist alleine.

Die Therapie war ein Ort wo ich damit hinkonnte und im Laufe der Jahre habe ich es – zum ersten Mal in meinem Leben – geschafft auch Vertrauen aufzubauen. Damit gab es jemanden zu dem ich mit all dem Mist gehen konnte. Es war „beruflich“, sein Job, nicht weil er mich mochte oder so (was das nicht ausschließt) – und das war auch wichtig – sonst wäre das für mich gar nicht möglich gewesen.

Ich hatte nie das Problem da was zu übertragen, mir zu wünschen der Thera wäre mein Vater oder Freund – weil es für mich unabdingbar war, dass „es eben sein Job“ ist.

Schon die letzten Jahre tat es oft weh, dass es außerhalb dieser „beruflichen“ Kontakte eigentlich nicht viel gibt. Wie denn auch – ich konnte es ja nicht zulassen.

Wenn mir was passieren würde, würde es keiner mitkriegen – aber wenn ich die Termine nicht wahrnehme, dann würde der Betreuer oder der Therapeut irgendwann stutzig werden und die Polizei informieren – ich würde also nicht wochenlang in der Wohnung liegen oder ähnliches.

Ja – so manche wären betroffen, aber es würde sich für niemanden groß was ändern.

Ich bin allein – nicht nur wenn es darum geht dass es mir schlecht geht und ich nicht weiß wohin mit den Problemen.

Es gibt auch niemanden mit dem ich einfach einen Kaffee trinken kann – U., einer meiner Taxifahrer – kommt dem noch am nächsten. D. ist ein Freund, aber ich hab ihn noch nie gesehen und vermutlich werd ich das auch nie.

Ich hab immer gesagt ich will keinen Geburtstag feiern – ich kenn das auch nicht – den zu feiern – seit ich 10 bin, wurde er zusammen mit dem der 5 Jahre jüngeren Pflegeschwester gefeiert und das war ok für mich – ich hab da nicht drunter gelitten oder so.

Aber ich frag mich ob das stimmt – denn selbst wenn ich feiern wollte – gäbe es niemanden der mit mir feiern würde, es gäbe niemanden, der mit mir einen Kaffee trinken oder ein Stück Kuchen essen würde oder der vorbeikäme.

Vielleicht ist das gut so – denn genauso oft wie mich das traurig macht bin ich auch froh darüber, nicht funktionieren zu müssen oder auf Friede, Freude, Eierkuchen umschalten zu müssen – egal ob mir grad danach ist.

Aber Fakt ist: es wäre egal ob ich das wollte oder nicht – denn es gibt da niemanden.

Aber es gab zumindest jemanden wo ich dann mit den Gedanken und Gefühlen und Bildern hinkonnte – und das war mir wichtig und wertvoll.

Das ist jetzt auch weggefallen – und das tut weh – es tut unendlich weh und macht dieses Gefühl von Einsamkeit und Allein sein – grade noch schlimmer.

Weil ich es ein kleines Stück kennengelernt habe und es jetzt noch mehr vermisse.

Ich bekam heute (oder dieses Jahr) mehr Glückwünsche als jemals zuvor – und kann sie dennoch an einer Hand abzählen.

Ich fühl mich alleine – und allein gelassen – und vor allem letzteres bezieht sich auf die Thera. In all den Jahren konnte ich mir nur dieses kleine Eckchen erarbeiten – und das hab ich verloren.

Selbst als es noch da war, war das Gefühl der Einsamkeit oder des alleine seins – oft da – und in dem Moment sah ich auch dieses eine Eckchen nicht – weil „das war ja nur sein Job“ – zu wissen, dass aber auch das wegfällt – nimmt viel Hoffnung.

Vertrauen und einlassen können – ich kann es nicht.

Es macht mich traurig und es tut weh. Es ist ein Resümee meines Lebens, das mir nicht gefällt.

Viele Jahre arbeite ich nun schon daran – aber ich scheine nicht wirklich weiter zu kommen.

Ja – es hat sich viel geändert in den letzten Jahren – doch an diesem entscheidenden Punkt – vertrauen und einlassen können – komme ich nicht weiter – als eben bis zu diesem Punkt.

Und im Moment fühl ich mich, wie sich wohl das kleine Mädchen damals gefühlt hat – allein gelassen mit all dem Mist der passierte, aber auch allein gelassen mit den Gefühlen und Bedürfnissen.

Den einsamen Wolf als Ziel anstrebend, weil es das Rudel eh nicht gab.

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