Was würdet ihr tun? Teil 2

Die Entscheidung war ja schon vorher gefallen – das war mir wichtig, weil ich ausschließen wollte, dass ich mich nur davon beeinflussen lasse (und zur Zeit ist das eh grad ein Problem von mir, das „nicht entscheiden“ können).

Für mich war auch klar, dass ich – egal wie es aussieht – damit dann auch klar komme. Allerdings stellte sich durchaus die Frage warum grade jetzt – denn im Dezember hatte ich schon indirekten Täterkontakt und der tat mir nicht so wirklich gut – auch wenn ich im Endeffekt dann schon damit klar kam.

Natürlich würde ich gerne wissen wie es ihm geht, was er so macht und wie sein Leben ist – er war ein Jugendlicher, ein Kind als ich ihn das letzte Mal sah (da war er 14) und das letzte was ich weiß ist, dass er im Internat war um die Richtung einzuschlagen, die ihn auch interessiert.

Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass daraus ein nur guter Kontakt wird – er ist jung und immer noch in grade die familiären Bindungen eingeschlossen, denen ich entfliehen wollte und bin.

Ich glaube nicht dass er wirklich schon richtig erwachsen ist – dafür ist er mit 23 einfach auch etwas jung – zumal er als Kind ja wirklich grade auch von uns älteren Geschwistern reichlich verwöhnt wurde (vor allem von G.).

Auch ich konnte damals erst erwachsen werden, als ich da raus war – wirklich raus – und so ging es allen anderen Geschwistern auch – und das ist er einfach noch nicht. Vor allem aber weiß ich auch nicht ob er das überhaupt anstrebt, seine Kindheit war schon ganz anders als unsere (und darüber bin ich sehr froh! – wobei auch die sicher nicht einfach war).

Ein Punkt – den mir erst Artista wirklich klar gemacht hat – ist auch, dass er das was er von mir erfährt ja auch erzählen könnte – den Eltern oder G. – und das möchte ich natürlich nicht. Ich will aber auch nicht dass es ein Geheimnis ist, das fände ich ihm gegenüber einfach unfair.

Es gibt unzählige Varianten wie das dann sein könnte und ich merke – ich möchte einfach nur wissen wie es ihm geht, was er macht, was seine Interessen sind – wer er ist. Natürlich würd ich mich freuen wenn der Kontakt erhalten bleibt, aber ehrlichgesagt – glaube ich das kaum – nicht solange er so familär eingebunden ist – denn früher oder später wird es wieder darauf hinauslaufen: die oder ich – und er braucht sie noch.

Das alles ist mir bewusst (und noch eine Menge mehr) – daher ist die Entscheidung die, dass ich ihn anschreiben werde.

Einfach nur um zu fragen wie es ihm geht und was er so macht und um ihm zu sagen, dass ich da bin – dass ich auch für ihn da bin, aber auch dass ich weiterhin nichts mit meiner Mutter zu tun haben will – und damit auch nichts mit G., meinem Bruder.

Ich werde ihm von mir nur so viel erzählen, wie für mich auch in Ordnung ist wenn die das wissen – und ich werde da sehr offen sein.

Aber – ich werde das nicht jetzt machen. Ich möchte erst mit meinem Thera darüber reden und dazu muss ich erstmal mit dem Thera unser Problem klären und schauen wie wir damit umgehen – ich brauche den Thera dann im Hintergrund – zum einen um einen Ansprechpartner zu haben, der gegenbenfalls die Widersacher auch aufstöbert, wenn ich sie übersehen sollte, aber auch für den Fall dass das doch sehr ins Negative kippt (nicht umsonst bin ich von der Familie geflüchtet – sogar mit anderem Namen usw – nicht wegen „körperlicher“ Übergriffe) – das ist der einzige Punkt wo ich nicht weiß ob ich stark genug bin – wenn sich die Mutter einmischen würde.

Wobei das unwahrscheinlich ist – sie wird es ihm eher ausreden und ihn dann vor die Wahl stellen (nicht direkt aber indirekt) – entweder sie oder ich – und das wird von G. unterstützt (und ich kann mir auch vorstellen dass es sogar von ihm initiiert wird).

Aber auch wenn es sehr sehr unwahrscheinlich ist – möchte ich das absichern – weil es die einzige Lücke ist.

Außerdem muss ich absichern, sollte ich ihn wieder verlieren – weil er nichts mit mir zu tun haben will (und das ist durchaus wahrscheinlicher) – es geht darum, dass in mir ja immer noch das Bild des kleinen Jungen ist und das ist er heute nicht mehr – er ist ein Mann geworden – ein Mann, den ich nicht kenne.

Es kann sein, dass er einer ist, den ich nicht mag – und damit müsste ich auch klar kommen. Auf jeden Fall muss ich mich von dem kleinen Jungen verabschieden – und auch das möchte ich absichern.

Ich will mich dem nicht allein stellen – es ist nicht mal ein „ich kann nicht“ – sondern ein „ich will nicht“.

Also werde ich erstmal mit dem Thera die Situation klären und dann nochmal genauer anschauen ob ich das wirklich wegen S. mache oder ob da versteckt doch noch was anderes dahinter steckt – denn das bin ich S. schuldig – dass ich das wegen ihm mache und nicht wegen irgendwas.

Und wenn das geklärt ist – werde ich ihn anschreiben – und abwarten was passiert (könnte ja auch sein, dass er gar nie in Skype online ist – er kann es ja nur lesen wenn ich da auch on bin).

Ich hoffe zu erfahren wie es ihm geht, was er macht, wie er lebt, was ihn interessiert – aber mehr auch nicht. Dazu kenne ich das System in dem er steckt zu gut und vielleicht hat er in ein paar Jahren da auch den Absprung geschafft, vielleicht auch nicht.

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