wütend

Grenzüberschreitungen machen mich wütend.

Ich verstehe Fotografen die sich ärgern, dass ihnen immer was „Böses“ unterstellt wird, obwohl sie nur eine schöne Hausfassade fotografieren wollen oder eine Treppe oder was auch immer.

Ich verstehe auch dass es ärgerlich ist, dass man dan angesprochen wird – grade auch nach dieser Google-Manie.

Ich hab auch kein Problem damit wenn ein Haus (ja auch das in dem ich wohne) oder ein Gegenstand fotografiert wird – aber bei Personen hört es bei mir auf.

Wenn die dann nichts sagt – ist das ja noch ok – sofern man sie nicht erkennt. Aber wenn dann jemand schon sagt dass er das nicht möchte – finde ich es grenzüberschreitend wenn das Bild dann doch ins Internet gestellt wird.

Da ist es egal ob das scharf ist oder unscharf – ob es um die Landschaft ging oder was auch immer – wenn mir jemand sagt, dass er das nicht möchte – habe ich das zu respektieren – ob ich das verstehe oder nicht.

Bricht man sich wirklich einen ab, wenn man das Bild löscht oder zumindest nicht veröffentlich und es später nochmal macht?

Zumal es nicht grad um einen Vogel ging, der die paar Minuten später dann nicht mehr da war oder so.

Mir ist durchaus klar, dass die rechtliche Lage da für den Fotografen spricht – der kann ja immer sagen es ging ihm um die  Landschaft.

Mich ärgert nur sich dann aufzuspielen wenn schon jemand sagt er möchte das nicht (aus welchen Gründen auch immer) es grade deswegen dann zu veröffentlichen und sich drüber lustig zu machen.

Auch wenn dieses „lustig machen“ aus Wut und Ärger entstand – den ich wirklich verstehen kann – es ist heute anders als vor einigen Jahren, da hat es einfach niemanden interessiert.

Ja es sind die Ausnahmen, die das nicht nur aus der Panikmache machen (die grade durch google-view nochmal ausgelöst) – aber ihr lieben Fotografen – traut ihr euch wirklich zu – den einen aus den von mir aus 50 rauszufinden, der das nicht aus diesem Grund macht, sondern weil er es führ ihn wirklich ein großes Problem ist, der wirklich mit Paranoia zu kämpfen hat oder mit einem Trauma?  Weil ihr das ja noch verstehen könntet?

Na dann Hut ab!

Und wenn ihr einen überseht? Ist es so ein Foto und „Spass“ wirklich wert, dass ihr vielleicht einem Menschen viele schlaflose Nächte oder Alpträume beschert? Dass ihr Ängste schürt und nicht nur „Unbehagen“ wie es grade bei denen ist, wo das halt nur von der „Panikmache“ kommt?

Ist so ein Foto es wirklich wert, dass eine alte Frau z. Bsp. sich noch unsicherer fühlt in dieser Welt – obwohl sie vielleicht eh schon angst hat weil so viel passiert (grade mit Technik) das sie nicht mehr versteht?

Ihr regt euch auf das die Leute so überreagieren – und bei manchem habt ihr sicher recht – ich find es auch lächerlich wenn jemand sein Haus unkenntlich machen will oder ähnliches. Aber es geht hier um Menschen – und darum, dass einer sagt, er möchte das nicht – ihr dieses „Stopp – da überschreitet ihr grad eine Grenze von mir“ bewusst überhört und es euch einfach nicht interessiert – was derjenige will – derjenige den ihr auf diesem Foto habt, den dieses Foto durchaus auch was angeht. Doch das wollt ihr nicht hören und nicht sehen – weil ihr habt ja die Landschaft fotografiert – nur wenn das wirklich so wäre, könntet ihr sie auch später nochmal fotografieren – wenn ihr schon wisst, dass derjenige es nicht möchte.

Ja – vom Gesetz her dürft ihr es veröffentlichen – und ja – ist ja nur so eine Spinnerin oder ein Spinner der sich drüber aufregt – aber diese Spinnerin oder dieser Spinner – für den ist es das vielleicht nicht – für den bedeutet das vielleicht einen weiteren Grund warum er sich nicht mehr außer Haus traut oder warum er sich jetzt wieder mit alten Bildern rumschlagen muss oder warum er noch mehr Angst hat oder sich verfolgt fühlt oder einfach nur noch unsicherer.

Und ich frag mich einfacht ob es das wirklich wert ist.

Ob es wirklich ein Foto wert ist sich über eine andere Person hinwegzusetzen – nicht einfach eine Grenze die irgendwer erstellt, sondern die dieser Mensch, den du da fotografiert hast – dir auch sagt, er dir sagt, dass er das nicht möchte.

Es mag pingelig sein – es mag unverständlich sein – aber wenn jemand sagt, er möchte nicht veröffentlicht werden – finde ich es grenzüberschreitend es dann doch zu tun.

Grade das Verhalten ist es nämlich was die Leute noch mehr verunsichert – weil sie eben nicht gefragt werden, weil es nicht darum geht was die wollen, sondern nur das was was der Typ mit dem Apparat will. Weil es egal ist ob man sagt, ob man das ok findet oder nicht – weil ein „nein“ nicht gehört wird, oder vielleicht sogar gehört – und dann einfach ignoriert.

Und das ist es was mich so wütend macht – jemand sagt er möchte das nicht – und es wird einfach aus Spass und Frust dann erst recht gemacht. Das ist der Punkt der mich an dem Ganzen ärgert.

Ja es gibt diese Hype und Panikmache – und genau deswegen kommt das auch nicht an – weil die nicht nur bei denen die fotografiert werden drin ist, sondern auch bei denen die fotografieren – die können nämlich die Feinheiten dann genauso nicht mehr sehen wie die anderen.

Das ist sicher auch für die Fotografen nicht einfach, gar keine Frage. Aber wenn schon jemand sagt, dass er das nicht möchte – sollte man das respektieren – ob man das nun versteht oder nicht.

Es geht nicht ums Bild oder ums erkennen, sondern darum dass jemand sagte: ich möchte nicht dass das jemand sieht – und es weil diese Aussage ja so frustet – erst recht gezeigt wird und eine Grenze überschritten wird – ein „nein“ einfach ignoriert wird.

Und manche (die meisten?) das auch noch lustig oder gut finden.

Genau so wird es nämlich möglich – Grenzen zu überschreiten, selbst wenn sie klar gemacht werden. Einfach ein „nein“ oder „Stopp“ ignorieren.

Ist das das Ziel von solchen Fotos?

Ist das Foto das alles wirklich wert?

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