auf und ab

Besser als gestern, aber nicht gut. Schon gestern sagte ich den Wohnungstermin für heute ab – ich kann grad niemanden in der Wohnung aushalten. Wir werden dennoch zum Schwimmen fahren – nur dass ich den Betreuer nicht reinlassen werde, sondern eben dann rauskomme.

Der Körper – rebelliert immer noch – aber nicht mehr so extrem wie gestern – und essen und trinken geht auch (auch wenn die Bananenmilch heute sauer war – warum auch immer).

Psychisch bin ich eher in eine Art „Schwebezustand“ – nicht wirklich Leere, aber auch nicht so wirklich klares Denken.

Die meiste Zeit geht es ganz gut, zwischendrin sind plötzlich Tränen da – ohne Gefühl – der Körper reagiert halt.

Ich bin aber auch dankbar.

Dankbar, dass ich einen Thera hab, der das wirklich gut abfangen kann und dann auch „da“ ist. Und nicht nur dass er da ist – sondern auch „da bleiben darf“, ich das auch annehmen kann.

Dankbar, dass grade in solchen Zeiten deutlich wird, dass wirklich eine Stabilität da ist und eine Stärke, die mich damit umgehen lässt – und zwar in positiver Art und Weise.

Dankbar, dass selbstverletzendes Verhalten und ähnliches wirklich kein Thema mehr ist – selbst die Gedanken dann irgendwie gekoppelt mit einem „mach ich eh nicht“ – und das mit unglaublicher Gewissheit.

Dankbar für eine Wohnung in der ich mich sicher fühlen kann.

Dankbar – dass ich auch in solch einer Situation Dankbarkeit empfinden kann.

Es ist noch nicht so lange her, da hat mich das alles ausgehebelt und ich hatte nur damit zu tun irgendwie die Skills einzusetzen – was meist mehr Kampf war als Hilfe.

Vor drei Jahren noch war selbstverletzendes Verhalten Alltag, war überleben – irgendwie – das Ziel, haben mich Situationen überfallen – und eigentlich war ich nie da – weil immer irgendwo in mich selbst zurückgezogen, dissoziiert.

Herzlich schrieb vor eine Weile mal, dass sie ihre Innenwelt braucht, dass man sie ihr nicht wegnehmen soll. Mein Thera meinte mal, dass es nicht darum geht diese Welt wegzunehmen, weil sie gut ist, und wichtig – sondern dass es darum geht eine Alternative zu schaffen, damit ich eine Wahlmöglichkeit habe – ich entscheiden kann ob ich in diese Innenwelt will oder nicht – dass mich nicht äußere Umstände dazu zwingen mich in diese zu flüchten, sondern ich Strategien entwickeln kann mich gegen die zu wehren ohne dieser „Zwangsflucht“. Aber es ginge sehr wohl auch darum diese Innenwelt zu erhalten und zu gestalten – denn auch darum ginge es – dass ich die gestalten kann – dass ich auch dort dann handlungsfähig werde.

Und kürzlich schrieb sie vom Schildkrötenpanzer – und ich musste lächeln – viele Jahre war turtles mein Nickname und ich sammelte Schildkröten – ich liebte sie – grade dieses zurückziehen können. Bei Skype ist noch heute eine Schildkröte mein Bild.

Es gefiel mir sehr – dieser Vergleich mit dem Schildkrötenpanzer – und ich hatte das Gefühl da eine Vertraute zu haben :).

Damals dachte ich noch der Thera spinnt – wie soll das gehen. Heute weiß ich – meine innenwelt ist da – immer noch und sie ist immer noch vertraut – auch wenn sie sich verändert hat. Ja ich bin handlungsfähiger geworden und ja – heute ist es meistens so, dass ich mich bewusst in diese Innenwelt zurückziehe – auch wenn das nocht nicht immer so ist – mittlerweile gibt es Strategien mich auch ohne diesen Rückzug in der Welt zu behaupten.

Es gab kein Schlüsselelement oder so – es waren Jahre der Versuche die nicht klappten – auch wenn ich im letzten Jahr damals dann wusste, dass ein Schlüssel die Wohnung ist – ein Ort an dem ich mich sicher fühlen kann – und wohl. Vielleicht gab es doch den Schlüsselmoment – der Umzug damals.

Doch für die Skills oder das Funktionieren derselben war das nicht so – es war halt ein Abstellen von äußeren Einflüssen die mir schaden. Und plötzlich funktionierte das alles was vorher jahrelang irgendwie nur sinnloses Zeug schien.

Anfangs dachte ich – hey klasse – du hast es geschafft. Dann musste ich feststellen, dass das schon stimmt, aber nichts zum ausruhen ist – dass es ein immerwährendes dran arbeiten ist, immer wieder anpassen und prüfen und neu entwickeln.

Es ist anstrengend – sehr – aber grade in Zeiten wie jetzt – bin ich dafür dankbar, sehe dass es wirklich funktionieren kann, dass es tragen kann, dass es alles aushaltbar macht und ich nicht mehr auf destruktive Verhaltensweisen zurückgreifen muss um den Druck irgendwie aushalten zu können.

Ich muss mich nicht mehr verbrühen oder verletzen, ich muss mir nicht mehr schaden – um mich spüren zu können oder weil dieser Schmerz leichter auszuhalten ist als der in mir drin (wobei das wohl immer noch so ist).

Ich bin dankbar dafür, weil ich sehe, was für einen weiten Weg ich schon hinter mich gebracht habe – und auch was ich geschafft habe – trotz allem.

Aber ich bin nicht dankbar dafür was passiert ist – ganz und gar nicht. Es gibt Dinge – da ist der Preis zu hoch.

Manchmal sitz ich da und staune wie ich damit umgehe – wie ich damals mit solchen Sachen umging und wie heute – und ich erkenne mich nicht wieder (in beiden nicht).

Das Wochenende ist Ruhe angesagt – mich auf mich besinnen, mich in meine Innenwelt zurückziehen und die draußen aussperren – nicht die ganze Zeit – es ist ein freiweilliger Rückzug – keiner der erzwungen ist – einer der mit gut tut – nicht einer der mich rettet, weil alles andere mich noch mehr zerstört.

Und ich werde an herzlich denken – mit einem warmen Lächeln – weil ich ihr wünsche, dass auch sie mal die Erfahrung machen kann – ihre Innenwelt zu gestalten und dort zu sein – einfach weil sie es will – nicht weil alles zuviel ist oder sonst was ist.  Denn das ist wirklich ein tolles Gefühl.

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