Geburtstage

Als Kind – weiß ich nicht – als Jugendliche mochte ich sie nicht. Als ich 10 war zog die Pflegeschwester C. ein – 5 Jahre alt – und wie ein kleiner Pumukel – ich mochte sie sehr. Sie hat 6  Tage nach mir Geburtstag.

Da wir in der Regel immer am folgenden Sonntag gefeiert haben, haben wir ab da zusammen gefeiert – und da C. jünger war, war es dann immer mehr ihr Geburtstag als meiner – ich war ja die Große.

Am Geburtstag selbst durften wir einmal eine Geburtstagparty geben – während der ganzen Kindheit – meine war wohl als ich irgendwo zwischen 5 und 8 war – ich kann mich nicht dran erinnern – ansonsten durften wir an dem Tag selbst ein oder zwei Freunde zum Mittagessen einladen und uns wünschen was es zu Mittag gab.

Gefeiert wurde dann am folgenden Wochenende – und wie gesagt – war das dann ab dem 10. Jahr halt mehr C.’s Tag – es gab den Kuchen den sie sich wünschte (meiner war ja auch langweilig – ich wollte immer Marmorkuchen ohne Schokoglasur gg) und ging auch mehr nach ihrem Kopf – morgens waren dann alle im Wohnzimmer, während das Geburtstagskind in seinem Zimmer wartet bis alle versammelt sind – dann kam man ins Wohnzimmer und alle gratulierten zum Geburtstag. Es gab lecker Frühstück mit einer Torte nach Wunsch und Geschenke.

Der Geburtstag meines Vaters wurde kaum gefeiert – er mochte das nicht – bekam meist irgendwas Technisches – meist Geld oder Gutschein, damit er sich das dann selbst aussuchen kann, weil wirklich schwer war für ihn was zu finden.

Meine Mutter feierte ihren aber schon – und sie erwartete auch Geschenke – das musste nichts Großes sein – aber irgendwas – wobei selbst gebasteltes nur so ein gekünsteltes „schön“ brachte – eigentlich freute sie sich nicht – über nichts – vielleicht weil sie das gar nicht kann.

Irgendwann bin ich dazu übergegangen ihr ihr Geschenk während des Jahres zu geben – in der Regel zwei Eintrittskarten für eine Veranstaltung die ihr Spass machte, Ballett, Eiskunstlauf, Theater, ein Konzert – irgendwas von dem ich wusste, das mag sie. Sie bekam 2 Karten, so dass sie mit ihrer Freundin hingehen konnte (da sie sonst ja niemanden fand der mitging).

Da hatte ich auch das Gefühl dass sie sich wirklich freut. Und es war immer klar es ist ihr Geburtstagsgeschenk (manchmal auch Geburtstags- und Weihnachtsgeschenk – je nach Preisklasse). Das sagte sie auch – aber manchmal hatte ich das Gefühl das ist schon wieder vergessen oder so.

Viele Jahre hasste ich es Geburtstag zu feiern, es ging mir richtig schlecht und ich war glücklich wenn mir bloss niemand gratulierte.

Zum Teil lag das an meiner Mutter, die ja immer sagte, man dürfe nicht vor dem Geburtstag gratulieren weil das Unglück bringe – und mir dennoch immer früher gratulierte.

Später war es so, dass ich außer von meiner Apotheke keine Glückwünsche bekam – der Geburstag konnte also einfach vorübergehen.

Vor ein paar Jahren hab ich angefangen den Geburstag auch ein bisschen zu feiern – mit ein oder zwei Leuten essen gehen oder mir was leckeres machen oder was bringen lassen oder so. Mittlerweile gibt es eine handvoll Leute die mir gratulieren – und auch wenn ich immer noch das Gefühl von „am liebsten im Boden versinken“ habe – ist das ok und freu ich mich auch drüber.

Meine Mutter ist da anders – die liebt die Aufmerksamkeit und hat alles dafür getan um sie zu bekommen. Egal ob wir im Kindergartenalter waren oder älter – erwartet wurde etwas was wri gar nicht bringen konnten. Denn eigentlich erwartete sie Luxus, teure Aufmerksamkeiten – nicht nur den einen Moment, sondern ständig – umsorgt und verwöhnt werden den ganzen Tag usw.

Gleichzeitig konnte sie die Kontrolle nicht abgeben – so endete es meist doch im Frust.

Die Erwartungen bauten einen solchen Druck auf – die wiederum machte mich dann oft einfach nur wütend.

Sie wollte immer alles – und sie dachte immer nur an sich – und der Geburstag und der Muttertag waren die Tage, wo sie das auch einforderte.

Ich hab lange gebraucht um nicht mehr die Tage zu hassen – die meisten Mütter bemühen sich um ihr Kind und tun und machen und arbeiten für das Kind – bekommen sicher zu wenig Dank – und verdienen den Muttertag.

Auch meine hat geputzt und gewaschen und gekocht – ja – so waren wir immer versorgt – und sie bekam da sicher zu wenig Danke dafür. Doch sie hat es nie für uns gemacht – sondern für die Nachbarn, die Leute draußen, den Schein der heilen Familie.

Wir waren nur Werkzeug – aber wir hatten am Geburtstag oder Muttertag gefälligst unsere Dankbarkeit zu zeigen.

Das wäre für mich ja auch in Ordnung gewesen – aber es macht keinen Spass wenn man egal wie man sich anstrengt, egal was man sich überlegte oder wie viel Zeit man investierte – immer das Gefühl hatte zu enttäuschen, weil das Geschenk nicht groß genug war.

Selbst die teuren Eintrittskarten (und das ging oft in den dreistelligen Bereich) – die waren zwar toll dann wenn das Ereignis stattfand – aber da dann ja am Geburstag nichts auf dem Tisch lage – nichts mehr wert. Gutscheine hasste sie – weil sie immer sagte, dass die eh nicht eingelöst werden.

Für Kinder ist das echt frustig.

Heute ist ihr Geburtstag – und irgendwie wünsch ich ihr alles Gute – aber der Gedanke daran, dass sie das erwartet oder gar erfährt – kehrt es um – und plötzlich ist es nur noch der Wunsch „schmor doch in der Hölle“ – natürlich gepaart mit den üblichen Schuldgefühlen.

Und irgendwie seh ich sie auch heute dasitzen und warten ob ich gefälligst anrufe. Nicht weil ich ihr alles Gute wünsche oder an sie denke, sondern weil es sich doch gefälligst so gehört – wieder ein Punkt auf der Endlosliste der vergehen von mir – nicht mal am Geburtstag anzurufen.

Dass es dieses Jahr für mich irgendwie schlimmer ist – vergifteter – liegt sicher daran, dass die Mutter schon seit Monaten Thema ist – und ich sie nicht lasse – es immer schiebe und mich dem nicht stellen mag – irgendwann muss ich – das weiß ich – doch jetzt – nimmt sie mir eh schon zu viel Raum ein, hat zu viel Macht über mich.

Sie ist meine Mutter – doch das ist für mich nur ein Begriff. Die Bezeichnung für eine Person, die erst die letzten Jahre langsam anfing eine neue Definition zu bekommen.

Es ist ihr Tag – heute – ich wünsche ihr dass sie Frieden findet.

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7 Kommentare zu Geburtstage

  1. Hanna sagt:

    Ich lese häufiger bei Dir und habe auch schon mitbekommen,daß dein Verhältnis zu Deiner Mutter sehr gestört ist.Nachdem ich deinen heutigen Bericht gelesen habe,kann ich das auch gut nachvollziehen!
    Ich weiß nicht,ob Du schon bei Püppi gelesen hast? Auch ihre Beziehung zu ihrer Mutter ist oder besser gesagt war sehr gespalten,oder besser gesagt sie hatten gar keins. Nun ist sie(Mutter)vor ein paar Tagen gestorben.Sie hat sie gepflegt und wirklich alles für sie getan und trotzdem kein bischen liebe dafür bekommen!
    Gestern schrieb sie,daß sie ihre Mutter vermißt.Es muß wohl doch eine innere Bindung da sein,auch wennsie einseitig war!?
    Alles Gute für Dich H.

    • Ilana sagt:

      Hallo und herzlich Willkommen 🙂

      Ich vermisse meine Mutter nicht – aber ich vermisse es eine Mutter zu haben. Meine hat leider den Begriff „Mutter“ für mich (wie so viele andere Begriffe auch) extrem negativ besetzt. Aber meine vermisse ich gar nicht – ich hab nie bereut den Kontakt zu ihr abgebrochen zu haben.

      Was ich vermisse ist – wenn ich bei anderen Müttern lese wie sie mit ihren Kindern umgehen (grade auch dann wenn ihnen mal der Kragen platzt gg) – dass ich gern so jemand als Kind gehabt hätte. Als Bezugsperson (ob als Mutter oder Tante oder was auch immer ist da eher egal).

      Ich weiß nicht ob Püppi (nein kenne ich leider nicht) wirklich ihre Mutter vermisst – oder einfach nur eine liebende „Mutter“ (also mehr die „Funktion“ – auch wenn ich das grade bei Müttern als Begriff gar nicht mag, aber mir fällt grad nichts anderes ein).

  2. psychoMUELL sagt:

    ich habe meine Eltern geliebt, weil es meine Eltern ( und man seine Eltern liebt) waren und gehasst.

  3. Ilana sagt:

    @psychomüll – ich glaube nicht dass man seine Eltern automatisch liebt. Bei meinem Vater – ja – den hab ich auch geliebt (und gehasst), bei meiner Mutter kann ich mich nicht erinnern, dass ich sie je geliebt hätte. Da fehlt mir aber auch der Hass – es ist Wut da und ärger, aber nicht Hass. Ich weiß nicht ob ich sie je geliebt habe, ich denke eher nicht – aber ich glaube auch nicht, dass man die Eltern als Kind automatisch liebt (auch als Säugling nicht) sondern dass sich das erst entwickelt – so wie jede Beziehung.

  4. Ach, wenn Du in unserer Nähe wohnen würdest, hättest du gerne „Pflegetante“ (Bezugsperson) für Chaostochter sein können, ich denke dass würdest du gut hinbekommen 😉

    Und zu dem Argument „man liebt seine Eltern, weil sie die Eltern sind“ möchte ich sagen, dass ich diese Aussage genau wie du nicht unterstützen würde. Ich denke eine Liebe entwickelt sich auch hier und ist nicht einfach so angeboren. Was angeboren ist, ist der Wunsch nach einer innigen Bindung, nach Liebe.

  5. Hanna sagt:

    Also,“Püppi“ findest du bei ALLes allTÄGLICH!

  6. Ilana sagt:

    @ herzlich: vielen Dank 🙂
    @ Hanna: da hab ich sie nicht gefunden, aber dann über google – danke

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