gut – schlecht

Irgendwie lässt es mich nicht los – schon faszinierend:

wenn es mir gut geht – und jemand anderer müsste einen Tag – einen für mich guten Tag – für mich leben, der würde sich heute vielleicht nicht mehr gleich umbringen, aber mit den Gedanken spielen und wäre entsetzt was daran denn gut sein soll

wenn es mir schlecht geht – und jemand anderer müsste einen Tag – einen für mich heute schlechten Tag – für mich leben, der würde sagen: ach wie schön, wäre es doch immer so, läßt sich doch viel besser leben, als das was mein Alltag ist

ein sehr sehr guter Tag vor drei Jahren, wäre heute ein sehr schlechter für mich – so wandelt sich das was man unter dem Begriff gut oder schlecht versteht

hätte mir damals jemand mein Leben heute geschildert – hätte ich gesagt: ein Traum! Und auch wenn ich heute noch jeden Tag sehr dankbar dafür bin, dass ich Welten vom „damals“ entfernt bin – und es verging bisher kein einziger Tag, an dem ich da nicht dankbar war – selbst an diesem vorletzten WE – ist mein heutiges Leben nicht grade das was ich mir erträume.

Für beide wenn’s da oben fielen mir auf Anhieb Menschen ein die ich kenne, Menschen die nicht nur jammern oder übertreiben oder sich fallen lassen oder im Leid suhlen, sondern wirklich leiden* und Menschen, die sich nicht vorstellen können, was es heißt Ängste zu haben oder Geister und Dämonen in sich, Flashbacks oder Gefühlstsunamis oder Schmerzen oder oder oder.

So manchesmal wünschte ich mir, dass diejenigen nur für zwei Minuten – das erleben müssen – damit sie verstehen können und nicht nur abtun. Nicht weil die leiden sollen, sondern weil ihnen nicht klar zu machen ist, dass ein „kann ja nicht so schlimm sein“ nicht zutrifft, dass es Dinge gibt, die schlimm sind – so schlimm, dass man es nicht aushalten kann – und zerbricht. Dass sie einen Hauch von den Tiefen mitbekommen, in denen Betroffene viel Zeit ihres Lebens verbringen.

Gut und schlecht hat keine Bedeutung – wenn man die Höhen und Abgründe eines Menschen nicht kennt.

(und bevor da jetzt eine Diskussion ausbricht: ich meine nicht Menschen, die nichts tun oder tun können, grade auch in Hinblick meiner bisherigen Einträge zu einer Freundin mit Depression und Borderline, sondern diejenigen für die das Jammern und Leiden zum Selbstzweck wird)

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