Shiatsu

Vor etwa 5 Jahren habe ich das Shiatsu für mich entdeckt.

Angefangen hat es in einer Zeit als es mir richtig mies ging – und den Termin ausgemacht habe ich – um mir zu schaden.

Allein der Gedanke angefasst zu werden war ja schon Horror. Dazu kam, dass es im Saunabereich angeboten wurde (was für mich auch eine Horrorvorstellung ist) – und es ging mir in dem Moment eigentlich nur darum etwas zu tun, mit dem ich mir richtig schade.

Ich war in einer dermaßen destruktiven Phase, dass eigentlich alles was ich machte darauf ausgerichtet war.

Direkt davor hatte ich einen Theratermin – aus dem ich völlig chaotisch rausging (wie damals fast immer).

So ging ich dann in diesen Saunabereich (mit einer großen Tasche, in der ich meine Klamotten mitschleppte) – und trabte zu dem Blockhaus in dem das Shiatsu stattfinden sollte. Eigentlich hatte ich keine Ahnung was es ist – und tippte eher auf eine Art Massage (was für mich auch immer ganz schrecklich war – wurde man dabei ja angefasst).

Da sass ich dann also und sagte auch, dass ich halt nicht weiß wie ich reagiere und er sich nichts denken soll, wenn ich eigenartige reagiere oder handle. Eigentlich war für mich klar, dass ich in Panik gerate – und damals bedeutete dass entweder zu erstarren und mich nicht mehr rühren zu können oder eben zu dissoziieren und zu funktionieren.

H. tastete sich da also sehr vorsichtig ran, er kannte mich ja nicht und ich lag da – und weiß nur noch: ich bin nicht dissoziiert, bin nicht in Panik geraten (außer mal zwischendrin kurz, doch das hat er irgendwie auch gleich mitbekommen und den Bereich ausgespart, obwohl ich eigentlich überzeugt war, dass ich durch nichts zu erkennen gab dass da Panik war – heute versteh ich das) – und merkte, dass ich die Berührung zwar nicht angenehm empfinde, teilweise auch nur so halb wahrnehme (was für mich schon viel war, meine Körperwahrnehmung war damals gleich Null) – aber dass es unerwarteter Weise nicht schlimm war.

Bei dem abschließenden Gespräch (davor war da eigentlich kaum was) – sagte H. mir welche Meridiane er „erspürt“ hatte (er macht bei der Ganzkörper-Behandlung immer zwei) und wofür die stehen und was er eben so wahrgenommen hatte – und es passte alles – es stimmte so sehr – dass es mich einfach nur erschreckt hat.

Mein Plan mir zu schaden funktionierte also nicht 😉 – obwohl der Saunabereich für mich schon sehr heftig war.

Entsprechend war ich total irritiert und verstand die Welt nicht mehr.

Aber es hat mir auch keine Ruhe gelassen – und es war für mich eine so neue Erfahrung – die ich nicht einordnen konnte – das erste Mal hab ich auf eine Berührung nicht mit Panik oder Dissoziation reagiert (was ich damals ja selbst beim Hände schütteln tat) – und ich nahm die Berührung auch wahr – es war also auch nicht so, dass ich das ausblendete und einfach nicht spürte.

Ich weiß nicht mehr wie lange es dauerte – ich glaube nicht lange – und entschied mich das nochmal zu wiederholen.

Als ich H. anrief um einen Termin auszumachen, sprach ich auch an, dass der Saunabereich für mich ein großes Problem ist und da er auch noch einen anderen Raum hatte, vereinbarten wir uns dort zu treffen.

Es war wieder ähnlich – außer dass ich eben nicht mit dem Gedanken da hin ging mir zu schaden, sondern dieses „Neue“ für mich zu ergründen und erforschen.

Das Negative hatte sich zum Positiven verwandelt.

Für einige Monate ging ich dann regelmäßig zu ihm – zweimal im Monat (er hatte mir einen Sonderpreis angeboten, den er bis heute aufrecht erhält – anders könnte ich das auch gar nicht finanzieren).

Auch wenn ich das nicht recht fassen kann, veränderte sich dadurch für mich sehr viel – meine Körperwahrnehmung wurde immer besser (später gekoppelt mit der Stimmbildung wurde sie sogar sehr ausgeprägt) – und auch der Thera merkte, dass da irgendwas passiert und sprach mich darauf an. Ich hatte ihm nichts vom Shiatsu erzählt – es war mir peinlich, dass ich dazu ja kam, weil ich mir schaden wollte.

Außerdem weiß ich dass der Thera da eher skeptisch ist bei diesen Dingen.

Doch er merkte, dass es für mich ganz viel veränderte, nicht nur die Körperwahrnehmung, sondern auch in der Grundeinstellung. Im Endeffekt hat H. da wirklich einfach ganz viele Blockaden gelöst. Blockaden die mir gar nicht bewusst waren.

Leider war es irgendwann für mich finanziell dann nicht mehr möglich – und ich bin ab und an dann zwar mal für einen einzelnen Termin zu ihm, doch das hatte nie so den Erfolg wie die regelmäßigen.

Im Vordergrund stand für mich damals auch der Schmerz – ich konnte kaum 10 Schritte laufen und manchmal kaum kriechen. An Tagen wo es besonders schlimm war hab ich ihn angerufen und nach dem Shiatsu – war es meist besser. Immer noch weit weg von gut – aber deutlich besser.

Vor gut zwei Jahren war ich das letzte Mal dort – durch den Umzug war natürlich auch ein einzelner Termin kaum noch machbar.

Jetzt – wo ich endlich bald alle Raten abbezahlt habe und schuldenfrei bin – möchte ich wieder regelmäßig zum Shiatsu.

Zum einen weil ich merke, dass meine Körperwahrnehmung wieder deutlich schlechter geworden ist, aber auch, weil ich das Gefühl habe, dass ich wieder körperlich arbeiten muss – therapeutisch – dass ich nicht nur den Sport brauche, sondern eben mehr.

Zur Auswahl stand Stimmbildung und Shiatsu (beides ist zu teuer) – und ich entschied mich für letzteres, vor allem weil bei der Stimmbildung auch mehr zu tun ist – das macht nur Sinn wenn ich dann zwischen den Terminen selbst mit den Übungen arbeite.

Gestern war der erste Termin (auch wenn regelmäßig erst im Oktober oder November anfangen wird – das muss ich noch klären wie es finanziell geht, da ja der Tierarzt noch aussteht). Doch dazu schreib ich noch was extra.

Das Shiatsu war für mich ganz wichtig – und es hat viel zu dem beigetragen dass ich heute da bin wo ich bin.

H. ist einer dieser Menschen, dem das Wohl der Menschen am Herzen liegt. Er weiß dass ich nicht viel Geld habe und möchte mir dennoch ermöglichen in den Genuss einer Shiatsu-Behandlung zu kommen. Selbst wenn ich denn Sonderpreis nicht zusammenbekomme. Doch für mich ist es wichtig das auch zu honorieren – daher nehme ich nur Termine wahr, die ich auch bezahlen kann. Ich bin sehr dankbar, dass er mir da entgegenkommt – und es mir damit auch möglich macht.

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