Missbrauch und Kirche

Es wird viel auf die Kirche geschimpft – wegen dem Missbrauchskandal – und grade in diesem Bereich.

Aber in welchem Bereich ist es denn „weniger schlimm“?

Bei den Eltern die für das Kind da sein sollen, ihm leben lernen sollen?

Bei den Erziehern, die den Kindern ihren Weg weisen sollen?

Bei der Tagesmutter oder im Hort, wo die Kinder glücklich sein sollen?

Was macht es bei der Kirche „schlimmer“?

Nicht falsch verstehen: es IST schlimm und darf nicht passieren – ich verstehe nur nicht warum die Kirche da immer so böse herausgehoben wird.

Auch wenn er religiös „begründet“ wird – das wird er auch bei Erziehern oder Lehrern – usw.

Aber natürlich bietet so ein „religiöser Wahn“ Erklärungsmöglichkeiten für Täter – wie jeder andere Wahn auch.

Ich heiße bei weitem nicht alles gut was die Institution Kirche so fabriziert. Sie haben vertuscht (und das tun andere Täter auch – sowohl die direkten, als auch das Umfeld das nicht hinschauen will – hab ich selbst erlebt – ohne Kirche oder religiösen Hintergrund). Das war nicht in Ordnung – sie versuchen es jetzt „gut zu machen“, was nicht gut zu machen ist.

Leider sind Positionen und Berufe in denen man mit Schutzbefohlenen zu tun hat – Täter an. Denn dort finden sie ihre „Zielgruppe“. Das ist schlimm – sehr schlimm, aber kein Monopol der Kirche.

Ansonsten ist es – wie oben geschrieben – so, dass ich mit vielem was die Institution Kirche so handhabt nicht einverstanden bin. Meine persönlichen Erfahrungen mit Pfarrern, Kaplänen und Diakonen waren überwiegend gut. Auch hier ist es so, dass die nicht immer mit allem einverstanden sind. Wie überall – wo es dann um Macht geht. Die „wirkliche“ Kirche wird von Menschen gemacht. Ich hab Pfarrer erlebt, denen der soziale Aspekt völlig egal war, der Hilfesuchende ab wies – gerne auch mit der Begründung „will nicht“. Aber ich hab auch erlebt, dass sie die Fragen und Zweifel ernst nehmen, dass sie mich begleiten und stützen, dass sie Freunde waren.

Glaube und Kirche – sind für mich nicht das selbe. Deshalb trenne ich dies hier von dem Beitrag Missbrauch und Glaube.

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2 Responses to Missbrauch und Kirche

  1. Natürlich, letztendlich ist Mißbrauch immer schlimm, und es kann da eigentlich auch keine Quantifizierung der Art „bei denen ist es schlimmer“ geben.

    Aber: (manche!) Menschen der Kirche nehmen für sich in Anspruch, eine moralische Überlegenheit zu haben. Nein, genauer: Manche Christen nehmen dies für sich in Anspruch. Je höher die Position in einer Glaubensgemeinschaft, um so öfter ist dieser Anspruch meiner Erfahrung nach anzutreffen. Und begründet wird das dann, völlig haltlos, einfach nur mit der Tatsache des Christ-Seins.

    Und das führt einfach zu größerer Empörung: Leuten, die für sich in Anspruch nehmen, die besseren Menschen zu sein, verzeiht man Mißgriffe, egal welcher Art, einfach viel seltener.

    Viele Grüße
    ‚Locke‘

  2. Ilana sagt:

    Naja – das kannste von Lehrern auch haben – die sich moralisch überlegen fühlen, weil sie ja die Kinder formen.

    Oder von der Tagesmutter, die ja moralisch erhoben ist, weil sie sich so sozial engagiert.

    Da ist es halt nicht das gute Christ sein, sondern guter Mensch sein.

    Die Kirche bietet da halt auch noch Ämter an.

    Menschen die für sich in Anspruch nehmen besser zu sein – gibt es nicht nur in der Kirche – aber in der Kirche wird das dann deutlicher angeprangert – denn die Kirche polarisiert.

    Keine Frage, was da passierte ist schlimm – nicht nur der Missbrauch – auch die Vertuschung – aber das war nicht die Kirche, sondern einzelne Menschen darin.

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