Frust

Depressionen sind echt Sch…..

Eine Freundin steckt mitten drin – sie ist sowieso schon nicht jemand, der bereit ist eine Entscheidung zu fällen, auch in Zeiten, in denen es ihr besser geht, weil sie keine negativen Konsequenzen tragen will. Sei es die Familie die nervt oder dass sie etwas für sich tun soll.

Ich hab mich etwas ausgeklinkt, weil ich gemerkt habe, dass ich sehr aggressiv wurde – sie am liebsten schütteln würde und sagen: krieg deinen Hintern endlich hoch!

Aber ich weiß auch, dass das eben die Erkrankung ist. Kombiniert mit einer Borderline-Störung ist das echt manchmal kaum auszuhalten.

Sie sucht die Katastrophen regelrecht. Alles was schaden kann, ihr nicht gut tut – wird regelrecht angesaugt. Und nein das liegt nicht nur am Umfeld, sondern in sehr großen Teilen wirklich an ihr selbst. Manchmal weiß ich nicht, ob das wirklich „nur“ die Erkrankung ist. Denn „Leiden“ ist ihr Lebenszweck.

Das wiederum macht mich oft aggressiv. Sie weiß seit Monaten, dass die Nichte die Sommerferien bei ihr verbringen wird – und dass sie das eigentlich nicht schafft und nicht will – es gäbe durchaus Möglichkeiten da etwas zu tun – aber dazu müsste sie halt auch mal Nein sagen.

Alles ist mies – und ganz ehrlich – ich weiß nicht ob das wirklich alles auf die Depression zu schieben ist – bei ihr.

Ja ich weiß, dass die Sichtweise bei Depressionen eingeschränkt ist – und einfach alles durch eine schwarze Brille gesehen wird. Ich weiß auch, dass es Depressionen gibt, die nicht „einstellbar“ oder gut behandelbar sind.

Sie hat einen Therapeuten, mit dem sie grade nicht klar kommt – wie übrigens immer wenn sie wieder tiefer in die Depression rutscht. Alle Pläne da im Vorfeld eben was zu machen – stationär auf eine Fachstation zu gehen oder ähnliches – macht sie nicht – wenn Krankenhaus dann als Notfall.

Sie hat einen Betreuer, mit dem sie sich auch gut versteht.

Ich bin nicht mehr bereit „nur“ als Skill herzuhalten, weil telefonieren ihr Skill ist. Doch auch die mails sind so durch und durch „mir geht es so schlecht“.

Aber ich weiß auch, dass sie immer noch hofft, dass irgendwann jemand kommt und etwas macht und dann geht es ihr gut – sie ist nie wirklich erwachsen geworden, will immer das andere entscheiden (natürlich so wie sie es gern hätte, aber die Verantwortung dafür sollen andere tragen) – und bringt andere gerne dazu das dann auch zu tun (weil sie ist ja so arm und kann sich nicht entscheiden).

Ich mag sie – aber ich finde es auch wirklich sehr schwer. Klartext reden kommt immer falsch an – und doch bin ich nicht bereit da immer ja und Amen zu sagen.

Nur wenn ich dann sage was ich denke, sind das wieder diese Ratschläge – andererseits denke ich mir, würde ich mir auch wünschen, dass jemand sagt: tu was, diese und jene Möglichkeiten gibt es – aber du musst entscheiden – sonst passiert eben weiterhin nichts.

Mir ist schon klar, dass es ihr wirklich nicht gut geht – und grade in einer Depression sage ich mir auch eher, dass sie einfach nicht entscheiden kann – aber dann finde ich immer noch, dass man Hilfe annehmen soll (und ja ich weiß, dass Depressive das dann auch nicht können).

Wenn ich dann aber höre – ich lass vielleicht die Therapiegruppe und die Körpertherapie, die seit Wochen im Raum steht macht sie auch nicht und die eigentliche Thera ist ja auch Mist, weil nur alle 2 Wochen und außerdem versteht sie sich eh grad nicht mit ihm – da geht mir die Hutschnur hoch.

Dann soll sie das alles lassen – ich meine es kann sein, dass sie mit dem Thera nicht klarkommt – also soll sie schauen ob das grade an der Depression liegt oder weil die beiden wirklich nicht können – und wenn letzteres der Fall ist – sich einen anderen suchen.  Ich sag ja nicht dass das alles an ihr liegt – aber für mich als Freundin – ist das oft schwierig.

Zumal das ja eine Art ist, die ich gar nicht ab kann. Sie schafft es ja auch zu tausend Ärzten zu laufen in der Hoffnung, doch was körperliches zu finden (sagt aber jeder Arzttermin ist ein Trigger).

Ich will das nicht weiter mit ansehen – das zieht sich ja schon Jahre – und ja ich sehe auch, dass es Fortschritte gibt – und weiß die auch zu schätzen, aber ich bin nicht mehr bereit das alles so mit zutragen. Es ist anstrengend wenn man dann immer hört, wie schlimm das doch ist, sie aber nicht bereit ist da etwas gegen zu tun. Sie suhlt sich im Leid und sucht es manchmal gradezu – und das verstehe ich nicht – und bin auch nicht bereit dann für sie da zu sein, wenn sowas – wie erwartet – nach hinten los geht.

Nur schaffe ich es auch nicht das ganz klar zu sagen – weil das kommt dann wieder an, dass sie eh alles falsch macht und nur Mist baut und eh nichts bringt usw – da muss ich für mich mal schauen wie ich das auf Dauer regele.

Es ist die  Hilflosigkeit und Ohnmacht – und dass es für Außenstehende nicht so ist, dass man da nichts machen könnte, aber dass man halt was tun müsste – Entscheidungen treffen und die dann auch vertreten.

Ich will da offen sein – nur weiß ich nicht wie – weil alles falsch ankommt. Vielleicht kann einer von euch – der von Depressionen betroffen ist – mir einen Tip geben – wie ich das machen könnte – in einer tiefen Depression – was kommt da an? Oder ist das dann eh schon egal (Schuldgefühle hat sie immer und wegen jedem)? Ein Brief? Nur was kann ich da schreiben ohne sie noch tiefer zu reißen?

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4 Antworten auf Frust

  1. Regenfrau sagt:

    Hallo 😉
    Ja schwierige Situation…

    Wenn man einen Menschen den man mag leiden sieht, will man helfen, was aber wenn das nicht angenommen wird (aus welchen Gründen auch immer).
    Ich sprech jetzt eher als Depressive und ja, ich fahr auch schnell aus der Haut, wenn mir jemand die Hand reichen will. Ich verzieh mich dann noch mehr in mich. Und blocke den anderen ab.

    Als Beispiel was mir hilft:
    Es steht ein Treffen mit einer Freundin an,
    einerseits weiß ich das mir das gut tun könnte,
    andererseits bin ich zu schlapp, kann kaum reden, will keinen sehen.
    Weil ich mir dann aber soviel Druck mache (was ich alles sein und tun muss) sage ich meist ab.
    Der andere ist enttäuscht und ich auch.
    Verliere mich in Selbstmitleid und Trauer.

    Meine Therapeutin fragte mich dann mal:
    Was müsste sein, damit sie trotzdem hingehen?
    Wie könnte es noch gehen?
    Nicht nur schwarz und weiß sehen, sondern vielleicht was in der Mitte finden.
    Diese Fragestellung hilft mir immer wieder:
    Was bräuchte ich, damit ich es trotzdem machen kann.
    z.B. nur kurz treffen, offen sagen das es mir nicht gut geht, vielleicht einen ruhigeren Treffpunkt ausmachen…usw.
    dann gehts meistens 🙂

    Aber mehr als Deine Hand reichen kannst Du nicht.
    Paß auf Dich auf, denn wenn ihr zum Schluß beide schachmatt seit hat das ja auch keinen Sinn.

    Alles Gute!

  2. Ilana sagt:

    Hmm – Treffen gehn mit ihr ganz gut – wir suchen beiden da eher ruhige Orte und wissen auch beide, dass wir nicht „funktionieren“ müssen, dass es jemand auch schlecht gehen darf – oder auch, dass kurzfristig abgesagt werden darf ohne dass jemand sauer ist.

    Aber so oft schaffen wir das beide nicht (da beide nicht so mobil und daher ist das meist mit einem Termin gekoppelt).

    Viel schwieriger ist mit ihr zu telefonieren, das habe ich zur Zeit auch echt eingestellt, weil ich das nicht schaffe, das weiß sie auch. Wir mailen uns ab und an – aber mailen ist für sie schwieriger. Nur wenn ich mich wieder aufs Telefonieren einlasse – bin ich gleich wieder „Skill“ – sie braucht das Telefonieren um sich abzulenken, doch für mich ist das schwierig und ich mag es dann auch nicht – ehrlichgesagt will ich im Moment gar nicht viel wissen, was bei ihr so los ist – weil sie es sich wirklich selbst schwer macht – und da hört dann auch mein Mitgefühl irgendwann auf.

    Mein Problem ist glaub ich mehr, dass ich manchmal gar nicht mehr die Hand reichen möchte – wenn sie wieder in einer Krise steckt, die schon von vornherein klar war, aber sie eben auch nichts tut um da was dran zu ändern – da will ich keine Hand mehr reichen und zuhören oder so. Ich will das dann nicht mittragen müssen. Das ist mal sicher kein Thema, aber es ist ja immer so.

    Ich bin nicht ihr Therapeut – und will das auch gar nicht sein. Hab aber das Gefühl, dass sie das auch erwartet – weil ich vieles selbst kenne und „ein Stück weiter“ bin – und deshalb ja für alles Verständnis haben muss.

    Für mich geht es wirklich zum zwei Sachen: 1. rausfinden was will ich, was für einen Kontakt und in welchem Umfang – und 2. wie kann ich ihr das klar machen, dass ich nicht die Freundin sein will, die sie gerne hätte, dass ich nicht ständig nur Skill sein will, gar nicht hören will, in welchen Mist sie sich wieder reingeritten hat und auch nicht diejenige sein will, die sagt: da kommen Ferien, du musst da eine Lösung für finden – weil sie das nicht tut und dann stehen die Kinder vor der Tür.

    Sie hat eine Familie, die nicht akzeptiert, dass sie nicht so kann – aber sie fördert das auch und sagt nicht nur nicht nein, sondern bietet dann auch wieder an. über 90 % der ganzen Krisen sind klar – und zwar schon zu einem Zeitpunkt wo man noch locker was machen könnte – und sie hat Menschen die ihr dabei helfen würden – aber sie müsste es entscheiden – und das tut sie nicht.

    Wenn sie dann wieder zusagt sich um den Kleinen zu kümmern, obwohl klar ist, dass sie das gar nicht schafft und die Mutter des Kleinen das auch verstehen würde! – dann will ich nicht für sie da sein wenn sie es dennoch macht – dann will ich sie nicht auffangen und Skill sein, weil es – welch Wunder – zuviel ist.

    Wie gesagt – mal ist das kein Thema, aber seit 3 Jahren geht es eigentlich nur so – und das will ich nicht mittragen. Hier hört das „Hand reichen“ für mich einfach auf – und ich weiß nicht wie ich ihr das auch deutlich machen kann – denn sie verdient Ehrlichkeit und Offenheit. Doch da ist immer die Angst, dass sie das dann wieder in den falschen Hals bekommt und noch weiter runterreißt – und sie noch suizidaler wird usw.

    Ich will keine Verantwortung für sie übernehmen, weil sie sie selbst nicht übernimmt.

    Mir ist schon klar, dass ich da keine gute Freundin für sie bin – ich weiß nur nicht wie ich da mit ihr offen umgehen kann – wie ich ihr das sagen.

    Aktuell bleibe ich bei mir: dass mir das zu viel ist, grade mit dem Telefonieren (das ist für mich generell schwierig), dass ich mehr einfach nicht schaffe. Aber eigentlich ist das nur die halbe Wahrheit, es ist nicht nur ein „ich kann nicht mehr“ – sondern vor allem ein „ich WILL nicht mehr geben“ – sie muss endlich Verantwortung für sich selbst übernehmen, sonst wird die Freundschaft beendet werden müssen.

    Ich hab mir das für den August vorgenommen – da sie beim selben Thera ist, ist das irgendwie doof das dort zu klären, das möchte ich nicht. Aber Ende August bin ich ja bei einer Urlaubsvertretung, der kennt sie nicht – und da hab ich nicht bei jedem Wort das ich sage dann auch Angst, weil es halt nicht Informationen liefert, die der Thera eigentlich von ihr kriegen sollte und nicht von mir.

    Aber für mich geht es darum, dass ich ihr gegenüber auch ehrlich sein will – und das schaffe ich zur Zeit nicht recht – ich bleibe bei mir und das ist ok – aber auf Dauer will ich das so nicht lassen – weil es eben nur die halbe Wahrheit ist.

  3. Regenfrau sagt:

    Mir sprang der Satz ins Auge, dass Du keine Verantwortung übernehmen willst, weil sie selbst die nicht über nimmt.
    Das ist eine ganz klare Sache finde ich und Du siehst das schon sehr klar.
    und ob *gute oder schlechte* Freundin sei mal dahin gestellt.
    Ehrlich gesagt, ist eine Freundin nicht nur dazu da immer den Rettungsanker zu spielen!
    Da hätt ich auch keine Lust zu.
    Ja, Du bist nicht ihre Therapeutin. Stimmt vollkommen.
    Ob sie was in den falschen Hals kriegt oder nicht, ist ihre Sache.
    Der August steht ja fast schon an der Tür, da wünsch ich Dir, dass Du eine Lösung findest!

    Gute Zeit Dir 😉

  4. Ilana sagt:

    Ja theoretisch ist es ihre Sache, aber ich mag sie – und ich kenne so tiefe Depressionen – Gott sei Dank – nicht – und frage ich mich halt, ob es da etwas gibt, das ich berücksichtigen kann und dennoch ehrlich sein.

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